Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 d e

 

Ezra Pound. In a Station of the Metro. Übersetzungsversuch (25. 10.). Und Neuversuch am 26. Oktober.

The apparition of these faces in the crowd;
Petals on a wet, black bough.
(12/7)
Die Gesichter in der Masse: Kronblätter am
verschmutzten Zweig, ganz nasse.
*
(12/7)

Nach den bisherigen, teils berechtigten >>>> Einwänden gegen meinen Vorschlag und nach den bisherigen ‚Gegen’vorschlägen, dichte ich jetzt s o nach:

Die Gesichter in der Masse: nasse Blüten
an regenschwarzem Geäst.**
12/7


*) Das ist sehr frei übersetzt, aber wirkt im Deutschen sinnlicher als Beilharz’ gegenüber dem englischen, lautlich satten ‚apparition’ verwendetes, arg kopfdürres ‚Erscheinen’, zumal „die Gesichter in der Menge“ als genannte ohnedies bereits ‚erscheinen’; das muß nicht wiederholt werden. Dafür wird meine Version mit „Kronblätter“ genauer, weil s i e es sind, was die Umgangssprache mit ‚Blütenblätter’ meint und nicht auch die zu diesen gehörenden Frucht- und Staubblätter. Zudem ‚kronen’ nun die Gesichter mitgemeint auf der Masse. Da, wenn der Zweig naß ist, es auch die Blüten sind, darf „wet“ auf sie verschoben werden. Damit läßt sich ein weiteres Bedeutungsspiel in die zwei Zeilen streicheln: ‚black’ bedeutet im Englischen nämlich nicht nur ‚schwarz’, sondern auch ‚schmutzig’. Das nutzend, bekommt Pounds ‚nasser, schwarzer Zweig’ unversehens die Unmittelbarkeit eines Naturbilds. Die Konstruktion eines angedeuteten Reimes („Masse“/„nasse“) zurrt das Gedicht z u d e m noch zusammen. Außerdem haben die Gesichter jetzt erst die (wahrscheinlich) gemeinte Zärtlichkeit des Individuellen, das sich vom schwarzen Zweig abhebt. Und sind zugleich ebenso vergeblich.

**) „Geäst“, weil ein einziger Zweig nicht mit „Menge“, bzw. „Masse“ korrespondiert; außerdem ist „bough“ nicht nur der Zweig, sondern auch der Ast. Nun sitzen Blüten nicht auf Ästen, im Geäst aber sehr wohl.

>>>> Johannes Beilharz hat s o übersetzt:

Das Erscheinen dieser Gesichter in der Menge:
Blütenblätter auf einem nassen, schwarzen Zweig.
(13/12)
[bei Mahler, Zehnte Sinfonie, Barschai-Komplettierung.]

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild