ConAlma meinte am 2006/10/02 08:15:
Scham und Offenlegung
Es scheint schwierig, im Bezug auf primäre Geschlechtsmerkmale an der schönen Oberfläche in der Betrachtung zu bleiben, zu stark ist die Koppelung ins Innere (Dickicht) der Gefühle - die deutsche Scham (samt ihrer verhüllenden Behaarung) spricht ja deutlich von sich. Da aseptisch wahrgenommen, und ich selbst, auf Männerwünsche gestoßen, fand mich mit der Interpretation von der Suche nach dem Mädchenhaften wieder, einer unterstellten Angst vor der Wildheit des Weibes.Faszinierend dennoch und also die Entblößung, die auch offensiv geschehen kann (ja muss!), nicht ein sauberes Widerbild (einer Gesellschaft) ist, sondern Ausdruck eines Meins, wie ich es auch ----> hier gefunden habe. (Eine merkwürdig transparent-gestachtelte Behaarung freilich da)
Ich beharre: das Erkennen eigener Schönheit führt zu anderer Ansicht auch anderswo; dem gerne strapazierten "Geheimnis der Frau" hinter dem dichten Busch setze ich die Offenbarung einer Glätte gerade da, wo Falten und spalten sich übereinanderlegen, entgegen. Aber da sind wir ja schon ein paar Zentimeter mehr in jenes Zentrum gerückt, das auf den Abbildungen der Schönheit eben nicht zu sehen ist.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748233
albannikolaiherbst antwortete am 2006/10/02 08:54:
Die "letzte Verborgenheit", ConAlma.
Immer wieder von mir zitiert, mich immer wieder beschäftigend, der ich zu jenen gehöre, die bei "sans plume" ins Träumen wie zugleich in eine Bewunderung geraten, die ihrerseits etwas Religiöses hat:Der Körper jeder Frau birgt eine Zelle archaischer Nacht, in der alles Wissen endet. Das ist die tiefere Bedeutung des Striptease, eines sakralen Tanzes heidnischen Ursprungs, den das Christentum ebenso wenig hat ausmerzen können wie die Prostitution. Männliche erotische Tänze sind damit nicht zu vergleichen, denn eine nackte Frau nimmt, wenn sie die Bühne verläßt, eine letzte Verborgenheit mit sich: jene chthonische Finsternis, aus der wir stammen.
Hieraus folgert sich mancherlei anderes: etwa der Widerpart zur Moral; bereits ausgerechnet Brecht sagt: "Ich bin einer, auf den ihr euch nicht verlassen könnt." Etwa die permante ins-Ambivalente-Gespanntheit von Kunst.
Zu >>>> Ihrem dortigen Beitrag eben: Daß die Spalte verschwindet, erlebte ich - als Mann, klar - als bedauerlich, da damit ein Element von Schönheit verlorengeht, das auf die eine und/oder andere Weise nötig ist: Symmetrie. Wiederum muß ich an die Geschlechtsorgane von Schimpansinnen denken. Erregte (d.h. im puren Naturreich: empfängnisbereite) Schimpansenfrauen bekommen irrsinnig riesige Schamlippen, bisweilen mehr als zweimännerfaustgroß. Insofern habe ich von Ihrer Beschreibung der Iannone'schen Bildwelt den Eindruck, es werde da ein Atavismus gestaltet, der bewußt gegenläufig zur Sublimierungsbewegung der Kultur(en) steht.
[Nebenbei, zur Dynamik des intellektuellen Spiels, das bei Begegnung sinnlich wird: Spannend, wie wir einander ansähen, begegneten wir uns nun, wie in Tirol, abermals.]
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748317
montgelas antwortete am 2006/10/02 10:11:
Betrachtet man ohne Hakenschlägerei
die nackte Blüte ensteht ein Staunen, eine Bewunderung, die Berührung scheut. Im Wissen um Acteons Schicksal fürchtet man um sich selbst und tabuisiert, so geht es mir, die artemiade Knospe.. Courbet - da ist kein Tabu !Ergänzung: Aseptisch, steril wird das Phänomen, wenn es massenhaft in jeder Altersgruppe jenseits einer ästh. Proportionalität auftritt.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748576
ConAlma antwortete am 2006/10/02 10:20:
offen/verborgen
Wie in einem "sündigen Leben" (Sünde nur des Wortkontrastes wegen; sonst: nehmend, gefüllt, ...) die Unschuld gewahrt bleibt, so bleibt auch einem vielfach Sicheren die Schüchternheit erhalten (nein, nichts Komisches ist daran; eine andere, ungewohnte Bloßlegung ist es), und so ist auch im scheint's Offenen stets ein Verborgenes, das sich auch mit ganzer Hand nicht greifen lässt.[Zum Nebstbei: das war auch von mir schon so gedacht worden.]
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748604
ConAlma antwortete am 2006/10/02 10:31:
Kein Tabu
... und doch bleibt der Origine du Monde rätselhaft ... und nicht fassbar.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748638
svarupa antwortete am 2006/10/02 10:37:
Ja – es ist ein Staunen, es ist ein Hinsehen – ein ehrfürchtiges Hinsehen, ein respektierendes und achtendes Hinsehen, es ist Bewunderung – eine ehrfürchtige Bewunderung, eine respektierende und achtende Bewunderung und es ist Berührung - eine ehrfürchtige, achtende und respektierende Berührung. Und – ja… es ist ein „Berühren wollen“… aber ganz vorsichtig und zart, fast nicht berührend einmal fühlen wollen, genau diese Schönheit. Die Intensität eines solchen Augenblickes ist unbeschreibbar – weil man gern berühren möchte, aber es nicht tut.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748654
albannikolaiherbst antwortete am 2006/10/02 10:39:
...und zwar den Müttern möglicherweise selbst. Zu ConAlma.
Das ist die Substanz des Geheimnisses, das sie wahren, oder von dem Männer glauben (fürchten), daß sie es wahren.Die Mütter (...) hängen über das Kinderkriegen einen Schleier des Geheimnisvollen. (...) Die Wahrheit ist, daß sie nicht wissen, was in ihnen vorgeht; (...) dieselben Kräfte, die den Bomben ihren Weg vorschreiben, den Tod von Sternen befehlen, die Wind und Wolkenbrüche lenken, haben sich auf irgendeine Stelle in ihrem Becken gerichtet, ohne ihre Zustimmung, um wieder ein bedeutendes Zufallsereignis herbeizuführen.
Nun entfernen wir uns aber s e h r von der Fragestellung und lassen sie in eine scheinbar alltägliche, die in Wirklichkeit mythisch ist, hinübergleiten. Aber kommen genau dadurch dem 'Wesen' von Schönheit möglicherweise nahe.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748668
svarupa antwortete am 2006/10/02 10:53:
Ich möchte jetzt noch einmal etwas Grundsätzliches sagen: Gerade bei diesem für mich wirklich schönen männlichen Geschlecht war mein Wunsch nach Vereinigung so stark - ich bitte das jetzt richtig zu verstehen - nicht Sex, keine Begierde, sondern der ganz extreme Wunsch nach Vereinigung mit diesem Mann. Es gab Jahre, da habe ich mir nichts anderes als einen Sohn von ihm gewünscht Und nur bei diesem Mann habe ich erlebt, dass der Wunsch nach Vereinigung auch in diesem Bewusstsein gelebt wurde. Es war eine gegenseitige und absolut bewusste Hingabe an den anderen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2744890/#2748727





















