Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 d e

 

„Hier, nimm!“

Am Bürgersteig stand vor der ehemaligen Praxis meines Sportarztes ein Krankenwagen, die Beifahrertür geöffnet, halb der Sanitäter sich hinauslehnend, der lachte, als sein Kollege einem Langhaar-Schäferhund ein Stück Fleisch hinwarf. Eben noch hatte er an der Trage hantiert, die im Gefährt festgemacht worden war. Ob jemand darauflag, konnte ich nicht sehen. Aber daß die Haustür zur Praxis noch aufstand.
Ich blieb kurz stehen. Auch der Hund blieb stehen. Fragend sah er von dem Fleischstück, deutlich einem Organ, zu dem Sanitäter. Ich meinerseits sah den Sanitäter nur verschreckt an. Beide Männer lachten. Der Hund zögerte noch immer, schnüffelte nicht mal an dem blutigen Batzen.
„Na nimm doch!“ rief immer noch lachend der Beifahrer. Da kam gemächlich und ohne jedes Entsetzen, auch ohne Erstaunen hinter uns des Hundes Herrchen, ein hochgewachsener, leger gekleideter Mann um die dreißig, heran und erklärte den beiden Männern in durchaus abfälligem Ton: „Wissen Sie, so was entscheidet mein Tier immer selbst.“
Das Organ lag da wie ein Flatschen. Nun beschnüffelte der Schäferhund es doch, nahm aber immer noch nicht davon. Wie er sich schließlich entschieden hat, bekam ich dann nicht mehr mit, denn ich war, angefüllt von einem fahlen Schwindelgefühl, schnell weitergeschritten.

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