arianna meinte am 2006/06/06 10:10:
ich meine das so : alles was Sie schreiben, mag zutreffen. und trotzdem, auch eine katze liebt ihren nachwuchs ;o) ... und können Sie erklären, warum und woraus liebe entsteht und warum sie ebenso plötzlich, ohne jeden anlaß, wieder verschwinden kann ? wie einem jemand, den man einmal geliebt hat, so gleichgültig werden kann und man ihm nicht einmal mehr einen flüchtigen gedanken gönnt ? ihn vernichten wollen, weil er einen (noch) liebt oder weil man ihn einmal liebte ? warum soviele gedanken jemandem zukommen lassen, der einem nichts mehr bedeuten kann ... das hat weniger mit liebe zu tun, mehr mit rachsucht, meinen sie nicht ? grämen Sie sich nicht ...
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2087617/#2124440
albannikolaiherbst antwortete am 2006/06/06 10:37:
Ich glaube nicht an Rachsucht.
Was immer im Einzelfall der Hintergrund sei - das Bedürfnis nach Rache ist ein mir völlig unzugängliches Gefühl. Ich kann es mir kaum abstrakt herleiten und begreife es deshalb als Verschiebung: Es ist ein essiggewordener Wein. Wein (Liebe) aber eben d o c h. Liebe kann verschwinden, weil sie durch uns hindurchgeht; es sind nicht wir, die sie schaffen, sondern sie ist eine Energieform, die uns - siehe Allegorie - immer wieder füllt. Deshalb ihre große Bedeutung für die Kunst. Wir sind Träger, bzw. die Katalysatoren, durch die sie sich in der Welt realisiert. Und sie verläßt uns, wenn wir ihr zu brüchig wurden, um noch als tragfähiges Gefäß zu dienen. Sie ist nicht grausam deshalb, sondern hat einfach keine Moral: wir lieben ja nicht, weil jemand so gut ist. Er kann der übelste Verbrecher sein, lieben tun wir trotzdem. Und wehren uns dagegen, mag sein: dann zahlen wir mit Verkümmerung. Als Verkümmerte sind wir brüchig und die Liebe schweift anderswohin.
Es gibt aber Fälle, in denen sie bleibt, weil wir Liebe auch dann austragen, wenn man sie nicht will. Dann sind wir ein starkes Gefäß. Nur geht das mit unserer Vorstellung bürgerlicher Sicherheiten und Wohlanständigkeiten nicht zusammen - und schon gar nicht mit der Kindersehnsucht nach Harmonie. Liebe ist prinzipiell asozial. Deshalb - genau deshalb - enden nahezu alle großen Liebesmythen mit dem Tod. (Ich spreche, wenn ich von Liebe spreche, immer von Geschlechterliebe, nicht von Menschenliebe, die ein soziales Konstrukt ist, das religiös internalisiert wird und der ebenso dürren Vaterlandsliebe vergleichbar ist.)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/2087617/#2124560





















