Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 d e

 

"Ficken Sie mich, ficken Sie mich! Aber fassen Sie mich nicht dabei an!"

I
„Ich werde jetzt gehen.“
„Nein, bleiben Sie.“
„Aber dann werde ich hier schlafen.“
„Ja, schlafen Sie bei mir.“
„Sie wissen, was das heißt. Ich werde Sie anfassen.“
„Aber nicht überall.“
„Es ist wirklich besser, wenn ich gehe.“
„Nein, ich will, daß Sie neben mir liegen.“
„Dann w e r d e ich Sie anfassen.“
„Wir können ein bißchen kuscheln. Mehr will ich nicht.“
„Das kann ich nicht, tut mir leid. Dann gehe ich lieber.“
„Bitte bleiben Sie.“
„Sie wissen nicht, was Sie wollen.“
„Ich lege mich jetzt in die Wanne.“
„Das ist schön. Ich sehe Ihnen zu.“
„Nein, Sie legen sich ins Bett. Sie schlafen ein. Dann komme ich irgendwann und lege mich dazu.“
„Sicher nicht.“
„Sicher doch.“

II
„Nicht! Nicht anfassen!“
„Nicht bös sein, aber ich gehe.“
„Nein, Sie bleiben. Sie bleiben bei mir.“
„Verzeihung, aber wenn Sie mich da berühren, muß ich Sie auch berühren. Und wenn Sie mich nicht mehr berühren, dann muß ich wirklich weg.“
„Sie müssen nicht weg. Ich bin so erregt.“
„Ja eben. Und was bin i c h?“
„Das ist doch schön.“
„Sicher ist es schön. Aber es w i l l.“
„Aber warum denn? Es ist doch schön, wenn man erregt ist und die Spannung nicht löst. Wenn man erregt einschläft. Schlafen Sie doch einfach ein.“
„Ich kann nicht einschlafen, wenn neben mir eine schöne Frau liegt, die erregt ist, und wenn obendrein auch ich es bin.“
„Aber warum nicht?“
„Spüren Sie das nicht?“
„Doch, ich spüre es. Bitte näher. Dahin. Nein, nicht das.“
„Pardon, ich gehe.“
„Auf keinen Fall. Sie bleiben bei mir liegen.“
„Das ist nicht auszuhalten, wirklich.“
„Ja, so.“
„Öffnen Sie die Beine. Wie weich das ist.“
„Ja. Aber nicht eindringen. Schön ist das. Nein, nicht hinein. Bitte nicht hinein.“
„Wie kann ich Sie glücklich machen?“
„Ficken Sie mich in den Arsch.“
„Zeigen Sie Ihre Backen. Na kommen Sie, höher.“
„Nein, ich möchte nicht.“
„Aber eben wollten Sie.“
„Ich will. Ja. Ich will.“
„Dann zeigen Sie Ihren Arsch. Höher. Ziehen Sie die Backen auseinander.“
„Nein. Nicht. Nicht lecken.“
„Was ist daran schlimm?“
„Ich schäme mich. Mir ist das peinlich.“
„Na hören Sie mal!“
„Das geht nicht. Das gehört sich nicht.“
„Wie soll ich dann bleiben? Und wer s a g t, daß sich das nicht gehört?“
„Mir ist das unangenehm.“
„Das wissen Sie doch gar nicht. Fühlen Sie doch erst einmal.“
„Ich will nicht fühlen.“
„Sie sind ganz naß.“
„Ja. Aber legen Sie sich nun endlich wieder hin. Schlafen Sie.“
„Ich kann nicht schlafen.“
„Doch, das können Sie.“
„Ich glaube wirklich, ich geh heim.“
„Nein.“
„Doch.“
„Sie bleiben!“
„Nein.“
„Bleiben Sie hier, verdammt!“

III
„Wie schön er ist.“
„Küssen Sie ihn.“
„Nein.“
„Na kommen Sie, Sie möchten das doch. Na sehen Sie. Lecken Sie ihn.“
„Ich mag das.“
„Lecken Sie die Hoden.“
„Nein.“
„Na kommen Sie. Lecken Sie sie.“
„Nein.“
„Na sehen Sie.“
„Ich möchte sehen, wie Sie kommen.“
„Das wird nicht gehen, wenn ich Sie nicht berühren darf.“
„Berühren Sie mich. Ja. Nein. Nicht da.“
„Seien Sie doch entspannt, dehnen Sie sich, f l i e ß e n Sie!“
„Nein. Ich will nicht. Mein Kopf. Ich will mich beherrschen.“
„Nun hören Sie endlich auf zu denken. W a s denken Sie?“
„Daß das nicht geht. Daß ich nicht will. Daß ich nicht kann.“
„Bitte, ich möchte wirklich heim.“
„Nein.“
„Ich bin kein Vergewaltiger. Ich mißbrauche Sie nicht. Sie müssen wollen. Wenn Sie nicht wollen, dann geh ich halt. Das ist doch nicht schlimm. Ich will nur nicht begehren und alleinbleiben dabei.“
„Sie sind doch nicht allein. Ich bin doch bei Ihnen. Legen Sie sich wieder hin.“
„Nein. Ich zieh mir etwas über.“
„Das lassen Sie sein!“
„Ich nehme noch einen Wein. Dann verschwinde ich.“
„Sie verschwinden n i c h t. Es ist tiefe Nacht. Es ist kalt.“
„Ja, es ist kalt.“
„Also kommen Sie gefälligst wieder ins Bett.“
„Ich denk ja gar nicht dran.“
„Aber i c h denke dran. Kommen Sie. Und wenn ich Sie ziehen muß.“
„Was spielen Sie für ein Spiel mit mir?“
„Bleiben Sie. Bitte.“
(Bleibt).

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild