
Du sollst mir nichts verweigern
Du sollst mir nichts verweigern.
Ich will den letzten Rest.
Geht eine Lust zu steigern,
Ein Schurke, wer es läßt.
Gehabtes Glück hilft sterben.
Der Tod, er soll nichts erben
Als blankgeleckte Scherben
Und Schläuche ausgepreßt.
Der Vater der Genüsse,
Der alte Knochenmann,
Hängt an die tiefsten Schlüsse
Doch seinen tiefern an.
Boviste und Planeten
Das Schicksal der Poeten ...
Er drückt uns an die Gräten,
Mein Liebchen, und was dann?
Drum glaubt den tausend Zeigern
Der Welt, die nimmer ruhn.
Du sollst mir nichts verweigern.
Wir müssen lieben nun,
Bis einst aus freien Stücken,
Gesättigt mit Entzücken,
Wir unsrer Füße Rücken
Still voneinander tun.
Er bearbeitete Aristophanes, mochte die Klassik, hasste die Romantik, schrieb Kinderbücher, Dramen und Essays. Er liebte die Vögel und das Vögeln. Er hielt die DDR für das klassische Weimar und Walter Ulbricht für die Inkarnation Carl Augusts. Die Rede ist von Peter Hacks, der am Karfreitag 80 Jahre alt geworden wäre, und dessen Stücke in der Theaterlandschaft unseres Beckmesserdeutschland wenig oder gar nicht gespielt werden. So sind sie halt die Deutschen. Dass ein Großer nur groß irren kann, will ihren kleinen Hirnen nicht in den Sinn. Ins deutsche Feuilleton der Bürger ist er dank der Vorarbeit >>>Martin Mosebachs, >>>Schirrmachers und >>>Daths zurückgekehrt. Jetzt muss man ihn nur wieder zu unserer aller Freude spielen.
Objektive (geschichtliche) Tragik entsteht für einen Täter dort, wo er vollen Umfanges Täter i s t, in ebenso vollem Umfang aber auch Opfer. Das läßt sich für den deutschen Nationalsozialismus und seine maßgeblichen Protagonisten wie für seine Mitläufermörder aber nicht sagen; Tragik ist hier allenfalls auf der Seite jener jüdischen Opfer, die bis sprichwörtlich zu allerletzt an Deutschland geglaubt haben, das heißt: nicht der deutschen Nation, aber der deutschen Kultur geglaubt und sie mit der deutschen Nation verwechselt haben und die sich, wenn sie überlebten, oft noch über das Unheil hinaus von Deutschland, das ist: von seiner Kultur, nicht lösen konnten - ein tiefer, lebenslang anhaltender Leidensgrund vieler jüdischer Emigranten.
Weil nun ein Massenmörder von Kiew, Auschwitz und Treblinka n u r Täter gewesen ist und eben nicht auch ein Opfer, eignen sich Figuren wie Maximilian Aue nicht zur Darstellung von Tragödien. Die Vernichtungaktionen der Nationalsozialisten sind depersonalisiert und folgen negativ den Gesetzen der industriellen Produktion. Ästhetisch gesehen ist diese Depersonalisation der Grund, aus dem sich ein wie immer auch kathartisches Drama aus Täterperspektive nicht wird gestalten lassen – darin völlig anders als bei den antiken politischen Großmördern und völlig anders als bei jenen der shakespearschen Renaissance. Das waren, immer, Individuen. Unter Hitler gab sich alles Individuelle der Täter an die Struktur ab, so daß selbst Personen wie Eichmann letztlich Anonyma blieben. Was sie allenfalls noch „auszeichnet“, war kleinbürgerliche Gemeinheit; es gab niemals eine Größe der Tat. Es gibt kein Drama, sondern nur, daß ein Verbrechen auf das andere folgt: reine Sukzession.
Littell zeigt das am Beispiel Aues in der einzigen Form des Protestes, die dieser Typ noch auszubilden versteht: in der Psychosomatose seines nahezu permanenten periodischen Übelseins und Erbrechens. Psychosomatosen haben sich von ihren eigentlichen Gründen gelöst und chronifiziert, es sind ihrerseits depersonalisierte Erkrankungen, die ihren Herd nicht kennen, sondern sich wie unabhängig von ihm austragen können. Weshalb es in Aues Fall eben nicht zu politischem Widerstand kommt, sondern dieser Widerstand ist in die Psychosomatose abgespalten. Umgekehrt wird, w e i l an die Stelle des Widerstands die Psychosomatose tritt, der Widerstand prinzipiell unmöglich: der Erkrankte trachtet nicht mehr wie Lady Macbeth, sich das Blut von der Hand zu waschen. Es wurde so unkonkretisierbar, wie es die Ursache der psychosmatischen Erkrankung braucht. Deshalb ist unter Hitler keinem Täter jemals eine Verzweiflung zuteil geworden. Niemand unter denen war gesegnet – und wär es denn mit einem Fluch. Denn Flüche segnen - ästhetisch - auch.
Littell 4 <<<<
>>>>> Zwischenbemerkung im Arbeitsjournal, neun Tage später.
Weil nun ein Massenmörder von Kiew, Auschwitz und Treblinka n u r Täter gewesen ist und eben nicht auch ein Opfer, eignen sich Figuren wie Maximilian Aue nicht zur Darstellung von Tragödien. Die Vernichtungaktionen der Nationalsozialisten sind depersonalisiert und folgen negativ den Gesetzen der industriellen Produktion. Ästhetisch gesehen ist diese Depersonalisation der Grund, aus dem sich ein wie immer auch kathartisches Drama aus Täterperspektive nicht wird gestalten lassen – darin völlig anders als bei den antiken politischen Großmördern und völlig anders als bei jenen der shakespearschen Renaissance. Das waren, immer, Individuen. Unter Hitler gab sich alles Individuelle der Täter an die Struktur ab, so daß selbst Personen wie Eichmann letztlich Anonyma blieben. Was sie allenfalls noch „auszeichnet“, war kleinbürgerliche Gemeinheit; es gab niemals eine Größe der Tat. Es gibt kein Drama, sondern nur, daß ein Verbrechen auf das andere folgt: reine Sukzession.
Littell zeigt das am Beispiel Aues in der einzigen Form des Protestes, die dieser Typ noch auszubilden versteht: in der Psychosomatose seines nahezu permanenten periodischen Übelseins und Erbrechens. Psychosomatosen haben sich von ihren eigentlichen Gründen gelöst und chronifiziert, es sind ihrerseits depersonalisierte Erkrankungen, die ihren Herd nicht kennen, sondern sich wie unabhängig von ihm austragen können. Weshalb es in Aues Fall eben nicht zu politischem Widerstand kommt, sondern dieser Widerstand ist in die Psychosomatose abgespalten. Umgekehrt wird, w e i l an die Stelle des Widerstands die Psychosomatose tritt, der Widerstand prinzipiell unmöglich: der Erkrankte trachtet nicht mehr wie Lady Macbeth, sich das Blut von der Hand zu waschen. Es wurde so unkonkretisierbar, wie es die Ursache der psychosmatischen Erkrankung braucht. Deshalb ist unter Hitler keinem Täter jemals eine Verzweiflung zuteil geworden. Niemand unter denen war gesegnet – und wär es denn mit einem Fluch. Denn Flüche segnen - ästhetisch - auch.
Littell 4 <<<<
>>>>> Zwischenbemerkung im Arbeitsjournal, neun Tage später.
albannikolaiherbst - am Montag, 24. März 2008, 07:21 - Rubrik: NOTATE
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