|
|
Wiederum elf Seiten nachher: So ist die Bildung zwar stark gesunken, doch jedem zugänglich. Sie ist kein Vorrecht von Schichten mehr. Desgleichen der Komfort – was früher die Kornverteilung oder der freie Zutritt zu den Spielen, das ist heute der Anteil an der Energie, der Anschluß im Strahlungsraum. Man kann doch sagen, daß sich das alles seit den ersten primitiven Formeln wie 'Sozialismus plus Elektrifizierung' stark vereinfacht hat. Der einzelne hat eine Reihe technischer Formeln, die ihm das Leben sowohl erleichtern wie verständlich machen und fühlt kaum das Bedürfnis, darüber hinauszugehen. Man darf behaupten, daß der Heliopolitaner sich, vor allem in den ruhigen Phasen, in hinreichendem Besitz der Freiheit fühlt. Es fällt kaum eine wichtige Entscheidung, die nicht plebiszitär gesichert ist. Im Gegenteil – Sie sehen Kriege gegen den Willen der Armee beschlossen und Führer, die nur dem Demos wohlgefällig sind. Es mag das daran liegen, daß, wie die Bildung, so auch das Bewußtsein zwar im Niveau gesunken, doch allgemein geworden ist. Auf diese Weise hat es Formen angenommen, die dem Instinkt recht ähnlich geworden sind, und es verschmelzen die kollektiven Triebe mit einer automatisierten, berechenbaren Intelligenz.
Heliopolis, 347.
>>>> All dies sagt in dem Roman de Geer, der selbst nicht ohne Gegenredner bleibt, so daß sich das Buch als ein sokratischer Pluralog darstellt, dessen Schlüsse (Entscheidungen) ein Leser selber ziehen (fällen) muß und dessen Grundlagen eine nicht immer angenehme Herkunft restatuieren – in direkter Gegenbewegung zu den verschwiegenen Beweisgründen, die - als Recht und ontologisch - behauptete Gründe sind, des demokratischen Glaubens an autonome Emanzipation. Hier liegt das Unbehagen, das Jünger zumindest in diesem Buch für den aufgeklärten, profanen Gegenwartsbürger nicht ausbläst, sondern, wie die Alten ein Feuer, wahrt.
albannikolaiherbst - 8. Aug, 15:58- Rubrik: Zitate
„Serner, der für die Formenwelt der späten Demokratie ein gutes Auge hatte, das ihre selbstverständlich gewordenen und kaum bewußten Zusammenhänge scharf erfaßte, hatte sich in seinen Studien auch mit dem Phonophor beschäftigt, und zwar in einer seiner kleinen Schriften, die unter dem Titel „Die drei Stufen zur Gleichheit“ erschienen war. Die Reihenfolge der drei großen Revolutionen der Neuzeit war nach ihm fortgeschritten vom Religiösen über das Politische zum Technischen. Die erste dieser Unwälzungen war gegen den Priesterstand gerichtet; der einzelne erkämpfte sich in ihr das Recht, unmittelbar zu Gott zu stehen. Der zweite hatte der alten Aristokratie gegolten und die Privilegien der Lehensordnung umgestürzt, zugunsten der bürgerlichen Freiheit und des Händlertums. Und endlich war der Arbeiter erschienen und hatte die bürgerlichen Rechte in Funktionen des Übermenschen umgesetzt. Im Laufe dieser Wandlung war die Freiheit dahingeschwunden; sie hatte sich in Gleichheit aufgelöst. Die Menschen glichen sich wie Moleküle, die nur durch die Grade der Bewegung unterschieden sind. Und diesen Zustand nannte Serner die kinetische oder Arbeitswelt.
In dieser Untersuchung kam er zu dem Schlusse, daß sich im Phonephor ein ideales Mittel der planetarischen Demokratie entwickelt habe, ein Medium, das jeden mit jedem unsichtbar verband. Die Gegenwart der alten Volksversammlung, des Marktes, des Forums war hier auf ungeheure Räume ausgedehnt*. Vor allem war der Phonophor ein ungemeiner Vereinfacher. Es hatten, seit er in die Perfektion getreten war, die Volksabstimmung und die Volksbefragung jede technische Schwierigkeit verloren; der Wille, die Stimmung der großen Massen war unverzüglich zu erfahren und abzumessen, fast durch Gedankenkraft. Im Punktamt war eine der Maschinen aufgestellt, die wunderliche Rechenkünste meisterten. Das Ja, das Nein, die Unentschieden der Legionen summierte sich in ihr in Funkenströmen und wurde im Augenblick ablesbar.“
Heliopolis, 336/336.Und einundzwanzig Seiten davor: „In diesem Zustand konnte das Erwachen nicht ausbleiben. Es trat im gleichen Augenblicke ein, in dem die rationalen Wurzeln den Mythengrund erreicht hatten.
Heliopolis, 305.*) nämlich wie bei einem bei sich getragenen, interaktiv befragbaren Internet (!).
albannikolaiherbst - 8. Aug, 14:57- Rubrik: Zitate
|
|
Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Herbst & Deters - Fiktionäre
August 2007
Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
|
|
|
|
|
|
|
6 |
|
|
9 |
|
11 |
|
13 |
14 |
|
|
17 |
|
|
|
21 |
|
|
24 |
|
26 |
27 |
28 |
|
|
31 |
|
|
|
|
|
NEUES
cellini - 6. Jul, 22:45
richtung westen
... das war ein langes abendrot heute, die sonne den halben nachmittag von einem halo umrandet, der sich ... knotscher95 - 6. Jul, 18:37
abschweifung zur liebe
Also für mich hat liebe und sexualität eigentlich grundsätzlich nichts miteinander
zu tun – also kann ... albannikolaiherbst - 6. Jul, 16:42
6. Juli 2008.
Wie lebt man eine Liebe, die auch eine i s t, in der es aber von Anfang an, seit sie wieder zusammenfand, ... chatnoir (anonym) - 6. Jul, 15:32
oinos,
ist ein kleiner kritischer fehlgriff wirklich immer so flott ins aus zu stellen? ich habe hier das gefühl, ... cellini - 6. Jul, 13:18
es geht mir wieder besser...
.... da kam aber wirklich alles auf einmal. die neumondphase, in der mein energiepegel immer gnadenlos ...
DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT
ist seit 1485 Tagen online,
zuletzt aktualisiert am 6. Jul, 22:46
IMPRESSUM
Die Dschungel. Anderswelt
Herbst & Deters Fiktionäre
Redaktion:
Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
ViSdP: Alban Nikolai Herbst
Technische Betreuung: Michael Geiger.
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Der Autor diese Weblogs erklärt hiermit
ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen
Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren. Auf die aktuelle
und zukünftige Gestaltung, die Inhalte oder die Urheberschaft
der gelinkten/verknüpften Seiten hat der Autor keinerlei Einfluss.
Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten
aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung
verändert wurden. Diese Feststellung gilt für alle innerhalb
des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für
Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Gästebüchern,
Diskussionsforen und Mailinglisten, insbesondere für Fremdeinträge
innerhalb dieses Weblogs. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige
Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung
oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen,
haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde,
nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung
lediglich verweist.
|