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der Stecker fürs Ohr,
den du hierließt, als das Schräubchen fiel
(nicht wiederzufinden, als wollte vielleicht will es bleiben);
gestapelt das Herz
zwischen eingetrockneten Tassen und Büchern
(in Sätze gewickelt, auf Blätter zu schreiben).
Deiner harrt deiner, vom Nikotinmißbrauch,
selbst die verstreute Asche.
Auch.
albannikolaiherbst - Sonntag, 1. Oktober 2006, 11:58- Rubrik: Gedichte
>>>> Menninghaus konstatiert mit Darwin und Freud folgendes: Die Entfellung des menschlichen Körpers, führt, verbunden mit entsprechender Sensibilisierung von Zärtlichkeitsreizen, zur Schönheit der Haut, zugleich aber auch - wegen des aufrechten Gangs - zu einer Entfernung der sexuellen Ornamente von den primären Geschlechtsorganen und ist damit wesentliche Grundbestimmung der menschlichen Kultur als einer Erscheinungsform von Sublimierung. Die Theorie einer Hinten-vorne-Mimikry der weiblichen Sexualreize in der Emergenz von aufrechtem Gang und Kopulation von vorn - die genitalen Labia kehren als erogene Gesichtslippen, die Symmetrie der an sie genzenden Hinterbacken als Brüste wieder - unterstützt die Freudschen Spekulationen. Bei beiden Merkmalen der Mimikry nämlich wird der neue und spezifisch menschliche Pol sowohl buchstäblich nach oben verlagert als auch strukturell sublimiert. (…) Musik und sprachliche „poetry“, so Darwin, sind kulturelle Transformationen von Werbungspraktiken, deren ‚Urbild’ die Tanz- und Gesangskünste balzender polygamer Vögel sind. Nur beim Menschen haben diese Künste sich von direkten Paarungssituationen ablösen können. Sie bewahren gleichwohl eine Erinnerung an ihren archaischen Ursprung, da sie auf der Rückseite ihrer Sublimierungsleistung das Denken selbst sexualisieren. (S. 211 ff.) Der letzte Gedanke ist, Dschungelleser wissen das, der hier vertretenen Poetik extrem nah. Doch was mich im Zusammenhang mit Eros & Erkenntnis besonders interessiert, ist, daß Menninghaus immer wieder auf folgenden Satz Freuds Bezug nimmt: „Es ist bemerkenswert, daß die Genitalien selbst, deren Anblick immer erregend wirkt, doch fast nie als schön beurteilt werden (…).“
Meine Erfahrungen sind da andere, sowohl an mir selbst beobachtet wie aus Äußerungen von Frauen gewonnen, die nicht selten beim Anblick des Phallus sagten: „Oh, ist der schön!“ Das ist ein Ausdruck der ästhetischen Wahrnehmung, die sogar leicht ritualen Character hat. Ähnliches scheint mir nunmehr mit der ästhetischen Wahrnehmung der Möse vonstatten zu gehen – aber, und das ist das Spannende, ganz offenbar seinerseits Hand in Hand mit „Entfellung“. Bereits >>>> dort wies ich auf D’Annunzio hin und wiederhole das Zitat hier noch einmal: Il piacere, 1889: „Nun, Giulia Moceto ist eine wunderschöne Blondine, aber wenn du, was ich dir wünsche, das Glück hättest, le drap de la blonde qui dort zu heben, würdest du gewiß nicht das Goldene Vlies finden wie bei Philippe de Bourgogne. Sie ist, wie man sagt, sans plume et sans duvet, wie der Marmor von Paros.“ Es scheint mir so zu sein, als ginge der neue, projektiv ‚verschönernde’ Blick auf das primäre Geschlechtsorgan tatsächlich mit einer Enthaarung des Schambereiches einher. Dessen Abbildung, besonders des weiblichen, die bis vor etwa zehn Jahren noch rein der Pornographie überlassen war, hat unterdessen längst Einzug in die ‚bürgerlichen’ Hochglanzmagazine gehalten. Das scheint mir ein deutliches kulturelles Datum zu sein: das von >>>> Camille Paglia so oft beschworene Dunkle des Ursprungs der Welt wird durch Enthaarung ‚aufgeklärt’, also apollinisiert.
Meine Damen, meine Herren, fühlen Sie bitte nach und zurück: Wie n a h m e n und wie n e h m e n Sie heute das primäre Geschlechtsorgan des anderen Geschlechts wahr? Unterscheiden Sie nach ‚schönem’ und nicht-‚schönem’? Und welche Rolle spielt das für Ihre ästhetische Erregung? Und lassen sich kulturelle Verschiebungen in der ästhetischen Wahrnehmung primärer Geschlechtsorgane möglicherweise nach Generationszugehörigkeit differenzieren? 
albannikolaiherbst - Sonntag, 1. Oktober 2006, 10:21- Rubrik: Arbeitsjournal
Verträgt die Offenbarung ihrer Machart; sie hält Entzauberung ebenso aus wie Liebe. Daß wir wissen, wie sehr etwas evolutionsbiologisch bedingt sei, chemisch, physisch, nimmt der Erfahrung-selbst nichts, sondern gibt ihr sogar noch etwas bei: gerade d a ß wir wissen und dennoch etwas empfinden, das über dieses Wissen hinausgeht. So auch bei Dichtung und bei Musik. Hier wird Kunst überhaupt erst offenbar, sowie jedes Moment von ‚Überraschung’, ‚Überrumplung’ usw. ausgeschöpft ist. Ob etwas ein Roman der Kunst sei, wird deshalb meist erst dann erfahren, wenn er beim Wiederlesen und Wieder-wieder-Lesen hält. Dann erst wird ein Geheimnis spürbar, das nicht-konstruiert ist und hinter dem k e i n Marktwille steht. Wenn sich die gesamte Fülle einer Sinfonie - irgend eines anderen Musikstücks, eines Gedichtes - überhaupt erst nach mehrmaliger Rezeption einstellt. Bisweilen ist solcher Kunstcharacter einer ersten schnellen, ergriffenen Wahrnehmung sogar abträglich; was mitgeteilt wird, versteckt sich sozusagen – und zwar eben nicht hinterm Handwerk. Die Forderung an ein Kunstwerk, es möge unmittelbar zugänglich sein, ist insofern die Aufforderung: s e i keine Kunst!
Schnelle Zugänglichkeit entspricht den Anforderungen der Information im Sinne eines definierten Gehalts von Information. Sie ist einwertig, punktuell, genau, funktional. Das eben ist Kunst n i c h t. Das Gegenteil von Information ist Aura. Information entertaint, Aura läßt erschauern, und zwar - das ist wichtig - auch den Künstler. Etwas Fremdes Fernes ist durchs Handwerk hindurchgestoßen, das Handwerk hat bloß die Membranen geschleift, man merkte es gar nicht, plötzlich steht das Andere da und sieht einen an. Deshalb läßt sich Kunst nicht erlernen. [Poetologie.]
(Es gilt hier dasselbe wie in der Philosophie: Man kann das Fach studieren und auch seine Examen cum summa laude darin absolvieren; doch wird man dadurch nicht Philosoph. Aber man könnte es werden. Wer sich auf Kunst einläßt, hat genau dieses Risiko zu gegenwärtigen: daß man scheitert oder daß einem vielleicht nur einmal etwas gelingt. E s gelingt, wenn es gelingt.)
albannikolaiherbst - Sonntag, 1. Oktober 2006, 08:33- Rubrik: NOTATE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
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