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- da hätte die Lamia als N i a m-wieder gerne g e s c h l a f e n, hätte den Kopf in eine Schulterbeuge gedrückt und in die Achselhöhle geatmet, bevor sie laminar davon- und zurückhuschen würde, um ihr Opfer zu nehmen: zu spät doch, was sie nicht wußte. War schon weg.
„Du willst“, fragte EA Richter unvermittelt, sah aber immer noch nicht auf, „daß ich mich nachher zu dir lege?“
„Ja“, antwortete Shakti, ebenfalls ohne einen Blick auf den Mann zu werfen.
„Wir möchten nicht ausgeschlossen sein wie er“, konstatierte Richter. Vielleicht war dies die pragmatischste Liebeserklärung, die jemand einer Frau machen kann. Und Shakti mußte nicht fragen, um zu wissen, daß er Kignčrs meinte, dessen Traum unter die noch und noch rufenden Seufzer den tiefen Baß eines weinenden Schnarchens mischte. Wovon Sola-Ngozi hilflos gerührt war in ihrem Alleinsein, dessen AmazonensStolz es sich aber versagte, dem gequälten Mann wenigstens wieder die Decke über die rechte nackte Schulter zu ziehen; als eine Mutter einem Kind.
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albannikolaiherbst - 8. Jul, 21:29- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT
Die Hälften liegen wieder aufeinander.
Zwar braun der Anschnitt wird dem Apfel bleiben.
Legt aufs verletzte ein Vertrauen drum, das weiß.
Nimmt den süßen Schluck Ich liebe dich
aus dem bittren Fluß Vergiß:
Wie alle Flüsse mündet er,
wir wissen’s, im Erinnrungsmeer.  [Döllnsee.
Bei Paolo Conte und Tim Hardin.
Dann bei Verdi, Otello.] (Die Morgenfassung:
Nun legen wir die Hälften wieder aufeinander.
So braun ist ihr Anschnitt das wird dem Apfel bleiben.
Achtsam geben wir auf verletztes Vertrauen
Ein Vertrauen drum, das weiß.
Es spricht sich unser süßes Ichliebedich
im bitteren Tonfall eines Schlucks
aus dem weißen Fluß des Vergessens.
Wie alle Flüsse aber mündet auch der,
wir wissen’s, im Erinnerungsmeer. )
albannikolaiherbst - 8. Jul, 12:40- Rubrik: Gedichte
Künstler zu sein, formuliert >>>> Zschorsch, ist nicht so sehr die Wahl eines Berufes, schon gar nicht die eines Jobs, den einer, der über Fantasie verfüge, sich zum Gelderwerb kultiviere. Sondern es sei eine Haltung, eine Lebenshaltung Lebens form. Er hat damit recht. (Weshalb sich alles vorgeblich ‚neue’, moderne usw. Kunstverständnis erübrigt, das die Erschaffung von Kunstwerken in gesellschaftssoziale Bezüge setzt oder verlangt, sie müsse sich etwa den industriellen Produktionsbedingungen der medialen Welt anpassen - das genau muß sie weder, noch kann sie es).
Lebensform bedeutet, ich verstehe die Geschehen der realen Welt immer auch als Material für Geschichten (für Gedichte, für Musiken, Bilder usw); Haltung bedeutet, dem stelle ich mich. Wiederum heißt ‚immer a u c h’, daß zugleich die Geschehen-selbst nicht uneigentlich werden: sie geschehen n i c h t, damit man eine Geschichte schreibt. Sondern sie geschehen, vorgängig, tatsächlich und mit allen persönlichen Konsequenzen, allem persönlichen Glück, allem persönlichen Leid. Die Geschichte dann wird hinzugeschrieben, das Bild hinzugemalt, die Musik hinzukomponiert. Kunst kommt immer zum Leben h i n z u: sie füllt Welt um eine weitere Realisierung von Leben an. D e s h a l b, n u r deshalb, macht sie die Welt reicher. Es ist ein Irrtum anzunehmen, Kunst setzte sich an die Stelle von Leben, sie sei entweder Substitution oder Bewältigung. Bewältigung ist sie a u c h, aber Bewältigung trifft nicht ihren Kern: Sie könnte nämlich gerade auch k e i n e Bewältigung sein, sondern die Konflikte noch verschärfen. Nur spielt dieser Aspekt bei ihrer Entstehung - immer vorausgesetzt, sie gelingt - keine andere Rolle als die eines, sagen wir, dynamischen Katalysators: persönliche Betroffenheit ist der drängende I m p u l s in die Form. Doch je strenger diese beachtet wird, um so weniger spielt schließlich persönliche Betroffenheit im Kunstwerk noch eine Rolle. Es wäre eine Geschichte sonst auf ihre Leser gar nicht übertragbar. Wir können das Leid und das Glück eines anderen nicht als eigenes empfinden („wir sind immer allein“), wir können es aber sehr wohl bei Gestalten der Kunst („wir sind n i c h t immer allein“): gerade, weil ihnen die Form das Eigene nimmt und zu etwas Allgemeinem werden läßt:: etwas, das andere a l s Eigenes in sich hineinnehmen und miterleben können::: die Kunstfigur wird zum Introjekt des Rezipienten.
„Wir werden allein geboren“, hat meine Mutter einmal gesagt, „wir sterben allein, alles dazwischen sind Verbindungen auf Vorläufigkeit.“ Genau dem setzt Kunst ein emphatisches NEIN entgegen und macht sich zum radikalen Vermittler zwischen Du, Ich und Wir. Sie macht das Eigene, das dem Anderen real fremd ist, zu dem Realen Inneren des Anderen. Insofern ist sie immer auf Entindividuation aus, auf Verschmelzung: das hat sie mit dem erotischen Akt gemein. Deshalb sind Kunst und Eros verwandt. (Adorno sprach von Eros & Erkenntnis und diagnostizierte ein selbes für die Philosophie). [Poetologie.
Döllnsee, Küchentisch.
Nebenan schläft der Junge, und
der Profi hantiert ordnend herum.]
albannikolaiherbst - 8. Jul, 09:09- Rubrik: Arbeitsjournal
Was dich zur F o r m treibt. (I).
In der Diskussion um das verbotene Buch wurde stets übersehen - und s o l l t e übersehen werden (das zeigt der gerichtlicherseits nachdrücklich verweigerte Vergleich des Kunstaspektes zu etwa Billers EZRA) -, welcher Transformationsprozeß etwa sprachlich geleistet wurde, aber auch schon in Sachen Konstruktion eines Romanes – wie aus einem zugrundeliegenden Geschehen ein Geschehen der Literatur gemacht worden ist, das so nur in einem Roman möglich ist. Der Kläger ist blond, und ich habe ihn als blond geschildert. Doch selbst, hätte ich das nicht getan, er wäre dennoch von denen, um die es offenbar ging, als Urbild erkannt worden, weil den mit den Umständen Vertrauten jede Verstellung so oder so bemerkbar gewesen wäre. Deshalb verzichtete ich darauf: um keine künstlerische Unnötigkeit zu begehen.
Die Frage ist eine andere: Wieso reiste ich etwa zu Recherchen in ein anderes Land - in zwei andere Länder sogar -, weshalb suchte ich nach passenden Orten einer Handlung, die sich anderswo und schon deshalb anders abgespielt hatte? Ich tat es, weil die tatsächlichen Orte der Handlung dem Roman nicht angemessen, weil sie nicht glaubwürdig gewesen wären – für den Roman nicht glaubwürdig; dem Leben ist Glaubwürdigkeit egal. Kunst brauchte einen ästhetischen Hof, in dem sich abspielen kann, was sich de facto nie abgespielt hat, was aber wirken sollte, als hätte es sich so abgespielt: Noch Fichtes Höllenpaläste wirken nun derart real, daß gerade der fiktive Character der Handlung den Gerichten das Gefühl völliger Authentizität vermittelte. So daß der Prozeß nicht – sagen wir: nur – wegen vorgeblicher Realitätsnähe verlorenging, sondern gerade wegen der bis an umfassende Glaubwürdigkeit hochgetriebenen Fiktivität. Noch die Paarung mit einem Delphin bekam dadurch den Character eines realen Geschehens, das die Vorwürfe des Klägers ganz besonders glaubhaft machte. Gerade daß es sich um gelungene Dichtung handelt, unterstrich die W a h r h e i t der Schilderungen. Daß es nicht ihre Wirklichkeit unterstrich, spielte dann gar keine Rolle mehr, sondern ganz im Gegenteil. Eine Formulierung eines der Urteile bestätigte das: Es komme nicht darauf an, steht darin zu lesen, ob etwas wirklich geschehen sei, sondern ob ein Leser verführt werde, eine Schilderung dem Kläger zuzurechnen – ob er also annehmen müsse, etwas sei so und so geschehen. Dies genüge, ein Buch verbieten zu lassen. Das bedeutet: Wenn der Roman es geschafft hat, daß etwas Fiktives im Kopf des Lesers als Reales entstehe, dann ist das ganz besonders der Einwand gegen ihn. Damit ist gesagt: wird Kunst perfekt, dann ist genau das der Einwand gegen sie. Indem die Jurisprudenz der Kunst auf die Schippe sprang, verlor die Kunst den Prozeß. [Döllnsee bei Verdis Otello, Carlos Kleiber in Mailand. Poetologie.]
albannikolaiherbst - 8. Jul, 08:24- Rubrik: Buchverbot
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Neu erschienen August 2008
Herbst & Deters - Fiktionäre
NEUES
read An - 7. Sep, 02:25
@femme100tetes
Vielen Dank für den aufschlussreichen Kommentar aber ich will meine Überlegung mit den Zahlen unter der ... knotscher95 - 6. Sep, 21:28
also femme, bis zur der stelle wo ...
also femme, bis zur der stelle wo sie stabigabi recht geben - bin ich doch imgrunde auch völlig widerspruchslos ... g.emiks - 6. Sep, 20:34
so, so, liebe dioti ...
... sie würden also niemanden küssen, der nicht bedingungslos ist? ich stehe - lassen sie mich nur noch ... knotscher95 - 6. Sep, 20:23
ach mensch, readAn ...
readAn was meinst du wie ich teilwiese hier an sachen fitzle.
deshalb dachte ich auch anfänglich :
melville ... User Friendly - 6. Sep, 20:09
Herausgekramte, leicht angefaulte ...
Habe ich doch noch eine Kritik gefunden, war von annodazumal 2004, als das Buch auf das Schafott gelegt ...
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