Daß er zuletzt >>>> VERBEEN seine Stimme gab. Und w i e er sie gab! Daß er sagte: „Ich hätte so gerne mehr in diesem Stück gespochen.“ Daß wir uns für Weiteres verabredeten. Wie wir nach der Aufnahme morgens beisammensaßen in Baden Baden. Wie interessiert und hell er war. Welchen Humor er hatte. Wie er dann davonfuhr nach Zürich, flirtend mit Beatrice Keßler. Wie kurz darauf er nach dem Schlaganfall im Koma lag. Daß Frau Keßler mich aus Zürich über Email informierte und auf dem laufenden hielt. Daß er jetzt tot ist.
Wie er die Verkündigungsszene aus Verbeens LICHT ODER DIE VERKÜNDIGUNG intonierte. Als spräche er ein Vermächtnis. Nun ist es das seine.
albannikolaiherbst - 10. Mai, 12:51- Rubrik: Arbeitsjournal
Lieber Herr Käßmann,
die Unterlagen sind hier in Bamberg wohlbehalten angekommen; allerdings fehlt für meine Teilnahme der Honorarvertrag. Können Sie da kurz nachschauen?
Und noch eine Frage. Eventuell brächte ich meinen sechsjährigen Jungen mit. Gibt es die Möglichkeit einer Betreuung über den Tag oder für bestimmte Zeiten?
Herzlich
ANH
Lieber Herr Herbst. Wir hatten kein Honorar vereinbart. Im allgemeinen zahlen wir kein Honorar, deshalb auch ggf. Honorarvertrag. Der Ausgleich ist Übernahme von Reisekosten und Unterbringung. Ich hoffe Sie haben dafür Verständnis. Was die Unterbringung Ihres Sohnes anbetrifft, möchte ich Sie bitten ,sich an "Ihr" Hotel zu wenden. Die Angaben dazu haben Sie ja in ihren Papieren. Bis bald in Gelnhausen.
E.Käßmann
Lieber Herr Käßmann,
nehmen Sie es mir nicht übel: aber ohne Honorar und Spesen trete ich nicht auf. Es sind drei Tage Abwesenheit, die mich aus meiner eigentlichen Arbeit hinauskatapultieren. Ich nehme einmal an, daß auch Sie bezahlt werden. Und mein Bäcker gibt seine Brötchen auch nicht umsonst. Es ist ein absolutes Unding, daß dergleichen von Schriftstellern immer wieder erwartet wird. Selbstverständlich ging ich von einem Honorar aus, alles andere ist auch standeswidrig.
Die übernahme von Reisekosten und Unterbringung sind kein "Ausgleich": wofür denn Ausgleich? Diese Übernahme ist die Übernahme mir ansonsten entstehender Kosten.
Hiermit sage ich meine Teilnahme ab.
Hochachtungsvoll
ANH
Endgültig?
Ich versuche bloß das wenige Geld irgendwie gerecht zu verteilen. Aber ich will mich jetzt nicht rechtfertigen...
Lieber Herr Herbst,
hat es Sinn, dass ich Ihnen €200.00 anbiete?
Es ist auch dies nur ein Freundschaftspreis- ich weiß.
Ich bin auf Ihre Antwort gespannt. Weiter hätte ich Sie als Grimmelshausenpreisträger gerne in Gelnhausen gesehen.
Geben Sie sich einen Stoß.
Herzlich
E.Käßmann
Jetzt muß ich erstmal nachdenken.
albannikolaiherbst - 10. Mai, 12:49- Rubrik: Arbeitsjournal