|
|
(...) In der Verlagsbranche gilt Herbst, der als Autor das Risiko nie gescheut hat, offenbar als der Leibhaftige; nur sein Verleger Nikolaus Hansen von Mare ist mit ihm treu, aber ohne Erfolg den Instanzenweg gegangen.
Herbst hat dennoch Haltung bewahrt - und ist ins Internet ausgewichen. Dort bietet er derzeit beim Internet-Auktionator Ebay eine Romanfigur an. Dem Höchstbietenden verspricht er eine Rolle nach eigenen Wünschen und mit eigenem Namen: „Sie können etwas sein, was Sie immer schon sein wollten.” Erscheinen soll die Figur im Roman „Argo”, dem abschließenden Band der „Anderswelt”-Trilogie. Bei Geboten unter 1000 Euro will Herbst eine „liebevoll gestaltete Nebenfigur” schreiben, wer spendabler ist, kann es bis zur tragenden Person bringen. Wer bietet mehr?>>>> FAZ, 27. Januar 2006 <<<<
Die Romanfigur >>>> bei ebay, sich bietend.
albannikolaiherbst - 27. Jan, 18:53- Rubrik: Arbeitsjournal
„Der Kaffee ist fein“, sagte Andreas. Noch immer hielt er die Gitarre. Jetzt erst legte er sie wieder hin. Eine mitteltönig dunkle, etwas metallische Resonanz rührte davon, die, so schien es Brem, allezeit in der Stimme des Jungen mitschwang, auch vorher schon, auch jetzt wieder. Das hatte in der Tat etwas Erstaunliches, etwas, das nicht innen entstand, sondern von außen kam, als wäre es nicht eine Eigenart der Stimmbänder, sondern G a b e vielmehr, und zwar im Wortsinn: Der Junge schläft, vielleicht nach einer Flucht, er ist vielleicht ohnmächtig umgesunken, ein Haus im hintersten Osten, dachte Cordes, das die Schänder überfielen eines Nachts. Metzeln nieder, was da atmet, links rechts schwingen die Krallen durch Hals, Gesicht und Brust. Oder: MANN ERSCHIESST FRAU UND KINDER, doch ein Kind überlebt, ein schwarzer Vorhang fällt ihm über die Augen und bleibt zwischen Blick und Erinnerung für Jahre, Jahrzehnte unten oder hebt sich n i e mehr, dachte Brem. Denn aus irgend einem Grund riß eines der Ungeheuer das Kleine an sich und schleppte es mit, setzte es aus, man weiß nicht warum, vielleicht sind selbst die Schänder bisweilen ihres Blutrausches müde. Vielleicht nur gesättigt. Und da liegt dann der Junge. Er will nicht mehr schreien, will nicht mehr weinen. Nichts als schlafen will er und rollt sich zusammen. Da erscheint die Jungfrau Maria, persönlich, phantasmatisch indes, selbstverständlich, in einer Aura barocken gelben Lichts. Die Aura schwebt, sie berührt nicht den Boden. Das ist das Geheimnis aller Heiligkeit. Doch sie berührt die Stirn des Jungen, der ihr – außerdem hält sie ihr eigenes Kind – zu schwer ist, um ihn zu tragen. Und es ist nicht der Vorhang, der gütig von der Erinnerung fernhält, auch wenn man merkt, dahinter sei das Entsetzen versteckt, sondern ein Licht: der Funke, ebenso gelb wie die Aura, der sich vom Zeigefinger der Gebenedeiten löst wie ein Tropfen Wasser aus den Millionen Geschwistern, so e r von den göttlichen Zellen, den anderen, und er verschmilzt dem Jungen mit der Stirn.
Es war sehr seltsam, Brem kniff die Augen zusammen, dort, an Andreas’ Stirn, gab es in der Tat einen hellen Fleck, eine Pigmentstörung, selbstverständlich, und doch ein Drittes Auge, nicht in der Mitte der Stirn, ein Muster muß nicht perfekt sein, sondern ein wenig versetzt. Dort, dachte Brem, war der Funke eingedrungen und hatte den Geist des Jungen zur Gnade verwirrt. Zur Gnade und, offenbar, zur Musik. Hätte Brem, wie Kignčrs, Gedichte gelesen oder auch nur ein wenig von Rilke gekannt, er wäre deshalb gewarnt gewesen und hätte gewußt, wer das ist, der unversehrt, wenn auch allein, aus dem Hades zurückkehren kann. Aber vielleicht, dachte ich, weiß Andreas ja selbst nichts davon und nicht, woher er stammt und wer ihm seine Gabe vererbte? Wer hat ihm denn von seinem Vater erzählt? Wo wuchs er auf und bei wem? Bei seinem Vater nämlich nicht, ganz sicher nicht. Und die Mutter? Ach, die Mütter! Letztlich, dachte Cordes, war Andreas nach ihrem furchtbaren Tod wie Deters in seiner Archivdatei zu sich gekommen: tastend, die Augen völlig weich, ja die Augen, nicht etwa die Konturen der äußeren Gegenwart, mochte sie software sein, wie sie wollte, die A u g e n waren es, denn sie hatten jeder das opale Opake des heiligen Tropfens, in dem zu Straussens Zarathustrafanfare sich das Kind mit riesigem fötalem Blick dem Zuschauer zudreht am Ende dieses ungeheueren Films.
>>>> ARGO 195
ARGO 193 <<<<
albannikolaiherbst - 27. Jan, 12:00- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT
Sich einen runterladen.
(CCCLXVI).
albannikolaiherbst - 27. Jan, 10:13- Rubrik: Paralipomena
>>>> Hierdurch zeigt es sich, daß Öffentlichkeit, wie ich >>>> anderswo schrieb, tatsächlich zur Mutter w i r d, einer symbolischen, selbstverständlich: auch dies ein >>>> autopoietischer Prozeß, eine sich, weil man sie w i l l, geradezu selbsterschaffende Bewegung. Mit einem Mal sind die Leser d a, und zwar als reagierende, nicht bloß konsumierende. Die Reaktion reicht von der Strafe ( mobbing) bis zur Belohnung (die Miete des Autors wird für ein Jahr von Lesern bezahlt, andere senden ein wenig Geld, damit die flatrate nicht gefährdet wird und also ihr Lesestoff - symbolisch: ihr Kind – nicht darbt); es gibt gute und mahnende Ratschläge („man muß im Leben einen Brotberuf haben“; „andere arbeiten a u c h für ihr Geld!“: ein Satz, der wie in guten Familien als selbstverständlich unterstellt, daß Kunst zu schaffen Arbeit nicht s e i, sie zumindest für ein Hobby hält, das sich einer leisten können muß usw.). Insgesamt wird ein ernsthaftes Sprechen daraus. Der Schritt hier ist einer in die Realität: das literarische Weblog treibt Schnittstellen wie Knospen, sei es bei >>>> ebay (was ja die Idee einer LeserIn war), sei es durch die Anweisungen aufs Konto; mehr noch: sogar Liebesgeschichten können sich realisieren, solche, die aufgrund einer poetischen Rezeption begannen und auf andere Bereiche des Netzes, semi-realistische wie zum Beispiel Webcams, übergreifen und ihrerseits, wiederum, zu neuen Gedichten führen. Auch für diese ist lektorierender Ratschlag parat und greift ins Literarische Weblog selber ein: ebenfalls von außen. Eine enge Verknüpfung von Geist (Internet) und Körper (Cam, Telefonate, Besucher) hebt an, es geht also n i c h t um community, n i c h t ums illusorisch Abtrakte. Dennoch ist Literatur immer Grundierung und bleibt es; wieder zu ihr, letztlich, wird ein jedes Gespräch. Inniger – sofern die Türen, die die genannten Schnittstellen sind, durchschritten werden – läßt sich Familie nicht fassen. Was dem Buch unmöglich ist – nämlich ein wechselwirkender Austausch – findet im Literarischen Weblog s t a t t; Texte werden, während sie noch entstehen, aufgrund von Einwänden verändert, und zwar durch ihre Leser, aber auch die Personen-real unterliegen der Wandlung: einer vorsichtigen, gewiß, aber einer, die sich durchs Argumentieren und, im Literarischen Weblog eben, durchs Lesen begibt und ihrerseits in das Literarische Weblog hineinstrahlt. Die spezielle Form von Nähe ist es, was die tektonisch grundsätzliche Verschiebung erreicht. Der belletristische Literaturbegriff-selbst wandelt sich. Möglicherweise erhält die Dichtung so ihre verlorene (gesellschaftliche) Relevanz zurück.
>>>> 61
59 <<<<
albannikolaiherbst - 27. Jan, 09:39- Rubrik: Litblog-THEORIE
|
|
Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Neu erschienen August 2008
Herbst & Deters - Fiktionäre
Januar 2006
Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
|
|
|
|
|
|
1 |
|
|
|
|
6 |
|
|
|
|
|
12 |
|
|
15 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
NEUES
albannikolaiherbst - 6. Okt, 20:34
@stabigabi.
Warum immer dieser furchtbar überschätzte, schreckliche und uneigentliche Lüricker Gernhardt? Das will ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:51
die robertkur
R. Gernhardt
Siebenmal mein Körper
Mein Körper ist ein schutzlos Ding,
wie gut, daß er mich hat.
Ich ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:35
das tun sie wohl nicht gern, was? ...
das tun sie wohl nicht gern, was? es gibt ja auch noch den wirtschaftsteil, heute mit großem mäzen der ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:21
ich flog mal von irgendwo nach irgendwo, ...
ich flog mal von irgendwo nach irgendwo, auf der letzten teilstrecke unterhielten sich zwei informatiker ... infopessimist - 6. Okt, 19:12
nein, nein, so aber dann auch nicht. ...
nein, nein, so aber dann auch nicht. die vermuteten, prognostizierten, befürchteten radikalen umbrüche ...
DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT
ist seit 1577 Tagen online,
zuletzt aktualisiert am 6. Okt, 20:34
IMPRESSUM
Die Dschungel. Anderswelt
Herbst & Deters Fiktionäre
Redaktion:
Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
ViSdP: Alban Nikolai Herbst
Technische Betreuung: Michael Geiger.
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Der Autor diese Weblogs erklärt hiermit
ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen
Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren. Auf die aktuelle
und zukünftige Gestaltung, die Inhalte oder die Urheberschaft
der gelinkten/verknüpften Seiten hat der Autor keinerlei Einfluss.
Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten
aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung
verändert wurden. Diese Feststellung gilt für alle innerhalb
des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für
Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Gästebüchern,
Diskussionsforen und Mailinglisten, insbesondere für Fremdeinträge
innerhalb dieses Weblogs. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige
Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung
oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen,
haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde,
nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung
lediglich verweist.
|