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Man darf an die Möglichkeit der freien Entscheidung g l a u b e n. Damit ist die Entscheidungsfreiheit am Ende.
(CCCXXXVIII).
albannikolaiherbst - 8. Okt, 20:08- Rubrik: Paralipomena
Cordes, da er keinen Fernseher besaß, hörte sich die Nachrichten über ein InternetRadio an. Abermals Verwüstung, abermals die Drohung des Ostens, man werde keine Einmischung des Westens in die eigenen Angelegenheiten mehr dulden. Und - ein neuer, ein besonders erschreckender Ton – diesmal wurde mit Kungír argumentiert, mit dem höllischen Jenseits der Devadasi und einer Rückkunft der Hundgötter, ja der gesamten durch den Aufbau Ost längst für überlebt geglaubten mythischen Welt. Auch von Thetis war plötzlich wieder die Rede. Wären nicht so viele Tote zu beklagen gewesen, das Ganze hätte, rhetorisch gesehen, einen so großen wie zynischen Witz gehabt. Wer denn wollte von so mythischem Unfug ernsthaft noch wissen? Längst war die Stratosphäre, längst waren die Ozeane in ihre logisch wirkenden Elemente zerlegt und Funktionen der handelbaren Mengenlehren geworden; desgleichen das Geschlechterverhältnis und die Sozialität allgemein. Da nun kamen diese Verrückten aus dem Osten, verrückt wie gefährlich, sie verfügten über modernste Technologien. Woher? Wer gab ihnen die Fähigkeit? Zumal sogar in den geschütztesten Teil Europas vorzudringen, wo sie die herrlichsten Flure zerstörten das Reitspiel den Rosenatem ausgesuchtestes Porzellan und die teuersten Schimmel. Wer hatte sie ausgebildet, diese Krieger, die ihr Leben für eine Sache in den Wind warfen, für die es nicht einmal Rente gab? Nein, Harpyien waren diesmal nicht eingesetzt worden, das stimmt, kein Bionicle hatte seine kriegslogistische Fratze gezeigt: aber man entsann sich. Und kam mit den Selbstmordattentätern nicht zurande: denen waren Ideen näher als ihr Kontoführer ( und) der leasing Vertrag; sie hatten von Zivilisation keine Ahnung, ganz offenbar, waren Analfabeten des Bausparvertrags der Vorsorge Lebensplanung du wirst schneller alt als du denkst. Steuererklärung absetzbare Sonderposten. Mietminderung. Kaufen Sie heute bezahlen Sie morgen. Was wußten die vom novellierten Scheidungsrecht von der GASAG Buenos Aires und einer ausgehöhlten Gewerkschaft? Was von dem drohenden 40-Stunden-Tag? Sie nämlich drohten mit ihrem lächerlichen Lebenspathos, so kamen sie daher und störten einen im lästigen Tagesgang, mehr hatten sie ja nicht und keinen Zierfisch zu verlieren, nicht die schönen Teppiche nicht das Abo der Komischen Oper von Schalke 04. Banden sich den Sprengstoff um den Bauch - einen Tauchgürtel, der in die letzten Tiefen zieht, Ozeanografen sind’s der allerfrühsten allersten Dinge - und dachten an ihre Kinder an ihre Frau, wenn sie an der Verkabelung zogen wie am Leinchen, das einen Fallschirm ins nächste Leben sich auffalten läßt, in das man durch zerrissene Organe nur - und durch Schmerz - und sich zerfetzende Kinder - durch unbeteiligte Passanten - hineinstürzt – noch küßte sich eben ein Paar, da sind in die Zungen schon Plexiglasspäne der Haube einer Auslage für Gesundheitsschuhe gedreht. Auf Fetzen Frau liegen getrost noch Fetzchen des Mannes. Denn wenn eine Plage kommen will, so fürchtet er sich nicht; sein Herz hoffet unverzagt auf den Herrn . Ein Auge baumelt an seinem Sehverv von einem geknickten Gestänge herunter. Spirriges Schmauchgas flattert noch von dem auf. Über dem ganzen zerstörten Bahnhof wehten dennoch Weinen, Klagen, Sorgen, es regnete sie als bachsche Kantate herab, so schwammen sie dem Attentäter durch die von der blutigen Flutwelle aufgeschmetterten vier paradiesischen Türen n a c h.
[Es gilt, den Widerspruch noch in der Katastrophe auszuhalten. Darum muß ich es gestalten. Welche Energie treibt den Attentäter zum Entsetzlichsten an? Wonach verzehrt er sich? Was allerdings gegen ein solches ErkenntnisRecht zu sagen ist, findet sich u.a. >>>> h i e r.]
>>>> ARGO 157
ARGO 155 <<<<
albannikolaiherbst - 8. Okt, 15:44- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT
>>>> Sie irren, was meine Intentionen anbelangt, aus Den Dschungeln ein Buch zu machen. Ich habe das zwar tatsächlich vor, gleichwohl wird es vollständig anders aussehen als das Literarische Weblog. In diesem Fall geht es mir um einen ästhetischen Transformationsprozeß: das heißt, dasjenige herauszuarbeiten, was ein mögliches Identisches wäre, tatsächlich aber die Differenz zu belassen, da sowohl das Weblog selbst als auch die Zwischenschritte zum Buch über das Netz zugreifbar bleiben sollen. Dieses Verfahren, so hoffe ich, macht einerseits das Neue deutlich (die Struktur des Neuen), andererseits bewahrt es Altes; was letzteres insofern nötig ist, als nicht j e d e r neue Prozeß zugleich ein Fortschritt ist: Etwa gehen in der Weblog-Form 'ältere' Gedanken verloren, die dennoch ihr erkenntnistheoretisches und vor allem poetologisches sowie poetisches Recht haben. Was vor allem am strengen Zeitstrahl und der tatsächlich überkommenden Sukzessivität liegt. Simultanität läßt sich derzeit - "zeitgleich" wahrgenommen - tatsächlich noch besser im Printmedium als hier im Netz gestalten. Das heißt aber nicht, es ginge um Rückkehr. So etwas wäre völlig absurd. Sondern es geht, jedenfalls mir, um Gleichzeitigkeiten in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit. Die Vorstellung einer "reinen" Netzliteratur ist für meinen Geschmack ausgesprochen ideologisch, und Ideologie ist i m m e r ein Feind von Wahrheit; es gibt da keinerlei Ausnahme.
Daß wiederum manche Diskussionen bereits vor zehn Jahren geführt wurden, ist für mich wirklich kein Grund, daran nicht anzuknüpfen. Denn wirkliche Kunst-Ergebnisse hat es meines Wissens in der NetzLiteratur bis dato nicht gegeben, also Kunstwerke, die avanciert sind und zugleich nicht den Gedanken (in diesem Fall = die starke Emotion) des Kathartischen verraten. Darum aber ist es mir getan: diesen zu bewahren. Sie finden übrigens b e i d e Bewegungen sowohl formal als auch inhaltlich in meinen Romanen, was mir den heftigen Widerspruch eines ganz ebenso absurden Buch-Traditionalismus eingetragen hat.
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albannikolaiherbst - 8. Okt, 09:40- Rubrik: Litblog-THEORIE
In den Zeiten, in denen die Träger sozialer Dienstleistungen entstaatlicht werden, privatisiert sich die Öffentliche Hand insgesamt. Dadurch wird der verfassungsrechtlich garantierte Schutz des Privaten zu einem Schutz der Unternehmen vor der Öffentlichkeit und öffentlicher Einsicht in Sozialentscheidungen. Die Verletzung der Privatsphäre stellt sich so als eine Gefährdung des Kapitalinteresses dar, - es sei denn, es fände eine Neudefinition des Privaten insofern statt, als daß alles, was keine öffentlichen Folgen zeitigt, unters Persönlichkeitsrecht fiele, hingegen dasjenige, welches direkt oder indirekt signifikante öffentliche Folgen sei es in der sozialen Absicherung, sei es in ökologischen, sei's in ästhetischen Hinsichten zeitig, als Privates zwar anerkannt ist, dennoch aber nicht als vor Einsichtnahme und Publizierung geschützt betrachtet wird.
[In THETIS. ANDERSWELT etwa ist der Gedanke der Privatisierung von Behörden der Öffentlicher Hand bereits 1998 so weit vorangetrieben worden, daß selbst die Finanzämter unterdessen Privatfirmen sind. Die Realität hat das nun fast eingeholt: Längst betreiben die Arbeitsämter, die die ehemaligen Aufgaben der Sozialämter qua Hartz IV übernommen zu haben scheinen, eine Delegation ihres Auftrages an Firmen des Privatrechts. Bereits in der Umbenennung zu Agentur für Arbeit ist dies ganz bewußt erkennbar gemacht; denn Agenturen arbeiten auf Provisions-, bzw. Courtagebasis. Das von Der Dschungel betriebene Projekt Privatheit wird auch und sehr bewußt in d i e s e m Zusammenhang gestaltet.]
albannikolaiherbst - 8. Okt, 06:49- Rubrik: Arbeitsjournal
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Neu erschienen August 2008
Herbst & Deters - Fiktionäre
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NEUES
albannikolaiherbst - 6. Okt, 20:34
@stabigabi.
Warum immer dieser furchtbar überschätzte, schreckliche und uneigentliche Lüricker Gernhardt? Das will ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:51
die robertkur
R. Gernhardt
Siebenmal mein Körper
Mein Körper ist ein schutzlos Ding,
wie gut, daß er mich hat.
Ich ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:35
das tun sie wohl nicht gern, was? ...
das tun sie wohl nicht gern, was? es gibt ja auch noch den wirtschaftsteil, heute mit großem mäzen der ... stabigabi5 - 6. Okt, 19:21
ich flog mal von irgendwo nach irgendwo, ...
ich flog mal von irgendwo nach irgendwo, auf der letzten teilstrecke unterhielten sich zwei informatiker ... infopessimist - 6. Okt, 19:12
nein, nein, so aber dann auch nicht. ...
nein, nein, so aber dann auch nicht. die vermuteten, prognostizierten, befürchteten radikalen umbrüche ...
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