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Zunehmend lauter wurde eine öffentliche Erklärung Ungefuggers gefordert. Der schwieg dazu aber ebenso; die allabendliche so genannte Kaminansprache an seine Bevölkerung hielt er allerdings weiter, worin er von den Schwierigkeiten im Osten und den Projekten sprach, die sie auflösen sollten, von Weiterungen bei der Sicherung des HARFA-Bedarfes, von den Fortschritten, die die Bebauung der großen Westbrache machte, und von dem Lichtdom. Das schien ihm sein angelegenstes Projekt zu sein: Ein Gebäude rein aus Licht, höher als die Midham Towers und derart stahlend, daß man es noch in den tiefsten Osten werde sehen können: Ein Versprechen denen, die an Buenos Aires und Europa glaubten, ein Licht des Vertrauens und der Zuversicht, - für jene aber, die Nullgrund verschuldet hatten, für die Terroristen drüben - aber auch für die Rebellen hier – die unumstößlichste Drohung. Denn dort werde er auch errichtet werden, der Lichtdom, dort auf dem vernichteten Gelände der ECONOMIA, und er werde es einfassen g a n z: über die sechzehn Quadratkilometer klaffenden Trichter weggeschlagenen Wände werde er, der Dom, die Trümmerlagune des unreinsten Todes mit Leben und Licht überstrahlen. So sagte er es, der Präsident, und seine Hörer staunten. Oder, schlimmstenfalles, erregten sich: Welch eine Geldrausschmeißerei! Aber diese Stimmen waren wenig. Nur die Opposition, natürlich, protestierte lautstark, und ein paar Umweltschützer taten das auch, auf die hörte sowieso keiner. Insgesamt war die Bevölkerung mit der Vorstellung beschäftigt, wie solch ein Lichtdom denn aussehen könne, ja es gab sogar Begeisterungsstürme, und einige Zeit lang versammelten sich Schaulustige rund um den Natodraht, hinter dem unterdessen eine ziemlich selbständige Vegetation über das geschundene Areal gekrochen war. Man sah von den Trümmern fast nichts mehr, durfte aber auch nicht nahe an den Zaun heran, weil einen patrouillierende Milizionäre ziemlich unerbittlich von ihm fernhielten.
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albannikolaiherbst - 23. Aug, 20:32- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT
[Stenhammar, Zweites Streichquartett.]
SPRECHER 3 Vor den weißen anderthalbmannshohen Säulen, deren runde Bögen, jenseits derer alles Meer ist, sich, tritt man vorm Haus unter sie hin, über schmalen Kapitellen gleichsam an den Schulterkugeln halten, stehen Büsten auf verzierten Konsolen: Das ist die zu den langen Kolonnaden überführende, von wiederum steinernen Bögen überdachte Pergola; ein schwerer marmorner Tisch darunter, dessen Platte aus zu verzierten Kreisen gehämmerten Steinchen besteht und den orientalische Beinsäulchen tragen, auch sie mosaiken: schwarzblaßrotweiße Wege, von elliptischen, sanften Wulsten eingefaßt, die die Serpentinen leiten, führen in ihnen zur Platte hinauf; ein Jupiterkopf; der Kopf eines römischen Jünglings; eine Hera-Büste; eine hüfthohe Pallas Athene so erhoben aufgestellt, daß sie dir in die Augen schaut, und so schwarz wie der junge Mann auf seinem weißen, gleichsam polierten Marmorfelsen, der, die Füße locker übereinandergeschlagen und ein wenig vorgebeugt, den Kolonnaden wachträumend seinen Rücken zeigt. Schräg daneben ist ins Mauerwerk das kleine weggebrochene Fundstück einer Marmorfreske getan.
SPRECHERIN Das alles hat Tiberius dir hinterlassen – und, im Vertrauen, vor d e m schon einmal jemand i h m. Und davor - verstehst Du n u n? – auch diesem einer, der vorausging. Oder e i n e, ich weiß das nicht mehr.
SPRECHER 4 Und alles ist voll Himmel. Und alles ist voll Meer.
SPRECHERIN Luce.
Musik.
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San Michele 12 <<<<
albannikolaiherbst - 23. Aug, 13:36- Rubrik: HOERSTUECKE
[Stockhausen, Prozession.]

[Produktionsverhältnisse 5.]
Hinzuzudenken sind, neben der Musik, die sonnendurchfluteten Kolonnaden auf Anacapri, ein völlig unaufgeräumter Schreibtisch mit Zigaretten, schmalen Zigarren und überall herabgefallener Asche, Calassos Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia sowie Raumschiff Orion, Schiff aus der Zukunft von Hans Kneifel und Munthes aufgeschlagenes, am Rücken längst gebrochenes Buch von San Michele, eine angebrochene Tafel Schokolade,ein Aphorismenband von Ulrich Hostmann, die bronzene Alda-Statuette auf dem bißchen Eichenplatte, die noch durchschaut, das schwarze Notizbücherl (peinlicherweise ein Moleskine), aufgefaltete Landkarten und Haus-Grundrisse, die mich jetzt blind anstarrende Webcam auf der Reihe von Lexika und mythologischen Enzyklopädien, worauf auch die ungeöffneten Mahnungen liegen, darunter ein fingergroßer bronzener, Ausschau haltender chinesischer Krieger, ein kleines Messer von Opinel, die Stifte in ihrem Steingutbecher, darin zudem der elegante, lanzettartige Jugenstilbrieföffner, der mir meist als Dirigierstab dient, und die Suche nach einem Zitat, das mir einfiel und das ich bereits in Die Dschungel s t e l l t e:
verlaß die Grate
wo Vermischung weichDiese Leere also, plötzlich nicht mehr zu wissen, woher es stammt, und doch trägt man’s in sich, eng unter der Haut. Goethe könnte es sein, wahrscheinlich Faust II, was ja zum San-Michele-Hörstück paßte. Aber egal. Denn das alles i s t. Ja! Vermischung! Vermischung!
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albannikolaiherbst - 23. Aug, 12:01- Rubrik: Arbeitsjournal
Es ist interessant, daß ausgerechnet einer meiner anspruchsvollsten Vorträge, der erst Jahre nach seinem Entstehen in einer kleinen Literaturzeitschrift erschien (vorher aber schrieb jemand für einen eigenen Aufsatz, der, in einem bei J. B. Metzler erschienenen Reader, s o f o r t herauskam, ziemlich rigoros daraus ab; mich stört sowas indessen nicht, das rückt sich schon irgendwann grade) – daß ausgerechnet diese mythologische Spekulation über Hans Henny Jahnn und Medea derart oft von der fiktionären Website heruntergezogen wird. Ich schrieb und hielt diesen Vortrag auf einem Jahnn-Symposion 1994 in Frankfurt am Main.
[Es hat keinen sehr eitlen, sondern einen google-Sinn, daß solche Bemerkungen in Die Dschungel eingestellt werden. Es fordert zu weiterer Rezeption - wie zu Widerspruch - auf. Und zwar selbst dann, wenn hier, wie so oft, mit versteckten Links gearbeitet wird. Was Die Dschungel durchaus a u c h metaphorisch meinen]
albannikolaiherbst - 23. Aug, 10:37- Rubrik: NOTATE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Herbst & Deters - Fiktionäre
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NEUES
knotscher95 - 19. Jul, 22:15
der jet fliegt bestimmt dorthin ...
In dieser Bar ist nie ein Gast wenn ich in ihr bin.
Ein Chef sitzt mir immer an seinem Tischchen gegenüber ... Melville - 19. Jul, 13:05
Bd2
" >>>Ein Atom-Pils!"
– Da strahlen Trunk und Trinker. cellini - 19. Jul, 09:42
ich fahre erst heute mittag....
.... wollte wie beabsichtigt gestern abend fahren, tat es aber nicht. der elbtunnel war schon wieder ... albannikolaiherbst - 19. Jul, 08:08
Arbeitsjournal. Sonnabend, der 19. ...
7.58 Uhr:
[Arbeitswohnung. Händel, Orlando.]
Tief und gut verschlafen. Tief und sehr geträumt, nur ... findeiss - 19. Jul, 01:50
See/Nacht
regen auf pechschwarzer see
orpheus´ kopf taucht auf:
pupillenlose augen
in denen sich nacht spiegelt
ein ...
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