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Darf ein Schauspieler, der großartig einen F a u s t gegeben hat, ebenso großartig einen Hitler spielen?
[Bereits das Wort “Untergang” setzt einen Mythos voraus, den es dadurch schafft. Zumal der Begriff gegenwärtig nicht so sehr an Etzel und das furchtbare Nibelungen-Massaker denken läßt als an die T i t a n i c, also an eine moderne Trivial-Ikone. Auf diese Weise wird Hitler-Deutschland insgeheim zu Pop.]
albannikolaiherbst - Mittwoch, 6. April 2005, 19:14- Rubrik: NOTATE
Als er an dem Programmkino vorbeiradelte und im Augenwinkel einen Spielfilm namens 2046 affichiert sah, beschloß er spontan, ihn sich anzuschauen, um im dann eines Tages eingetretenen Jahr überprüfen zu können, inwieweit sich denn alles bewahrheitet habe. Und da er nun fünfzig war, sah er sich noch im selben Moment mit neunzig: einen hageren, etwas vorgebeugten Dichter mit einem Lebenszynismus um die Lippen, doch der alten Trauer in den Augen. Und hatte einige Bücher noch v o r sich – oder endlich zu malen begonnen. (Der Satz hiervor, der sich auf den Alten bezieht, steht mit allem Recht im Imperfekt.)
[Ich entsinne mich einer Erzählung von Borges, in welcher der Autor als junger Mann sich selbst als einem Greis an einer Parkbank begegnet; sie sitzen beieinander und sprechen, und der Alte sagt dem Jungen manches, das diesem nicht gefällt, von dem er aber weiß, daß er es erfüllen wird. Ich weiß aber nicht mehr, wo diese Geschichte steht und ob nicht überhaupt ich selbst sie erfunden habe und - ohne größenwahnsinnig zu sein – ob sie, w e n n ich sie erfunden habe, nicht von Borges stammt. Um ihn variierend zu zitieren: “Ich weiß nicht einmal, wer von uns nun fünfen diese Seite schreibt.”]
albannikolaiherbst - Mittwoch, 6. April 2005, 18:18- Rubrik: Entwuerfe
Damit das >>>> Maß nicht hohl bleibt.
[Die künstlerische Verachtung, die Die Dschungel gegenüber dem Urheberrecht haben, weil es Kunst für Ware nimmt, ist derart groß, daß sie sich im Vertrauen darauf, sie machten es sowieso besser, auch gerne mal bestehlen lassen.)
albannikolaiherbst - Mittwoch, 6. April 2005, 12:42- Rubrik: NOTATE
Lust schöpft Leben, das Leid hingegen bringt nichts hervor als gute Kunst.
(CXXXIX).
albannikolaiherbst - Mittwoch, 6. April 2005, 10:27- Rubrik: Paralipomena
Die Hauptperson ist immer gesichert, gibt sich nie schutzlos (dem Leser), das ist eine Schwäche des Textes; zugleich macht genau das aber die Hilflosigkeit der Frau deutlich, und eben da liegt die Stärke des Textes. Genau dadurch, daß der Erzähler - aus möglicherweise schutzhaft weggesteckter Sensibilität - solch ein Macho ist, gerät die Verlorenheit der Frau derart präsent in den Fokus - also nicht, weil sein Machismo ihr ein Unrecht antut, sondern weil sich die Verlorenheit durch diesen Machismo hindurch erst kenntlich machen kann.
Eingeschränkte narrative Plastizität, dafür starke Gefühlsgewalt.
Makellos war sie, denn sie hatte keine Schuld, sie hatte nie Schuld, sie hatte das beste Leben überhaupt, denn sie selbst hatte nie Schuld. Die Schuld der anderen hatte sie von jeglicher Verantwortung befreit.Im Eis, 112. (Man überlege sich, was so etwas politisch aussagt.)
Der Text hat vor allem anfangs sprachliche Schwächen und hätte gut einen Lektor vertragen, aber in seiner schonungslosen, doch ständig weggedrückten und dadurch fast lapidaren Verzweiflung ist er von einer großen poetischen Kraft. Und dadurch - gegen alle germanistischen Einwände - wirklich gute Literatur. Zumal solche ungeheuren Sätze bleiben:
Glück löscht kein Unglück. Unglück löscht Unglück.
Im Grunde war ich glücklich mit ihrer Vergangenheit. Sie ersparte mir die Zukunft.
albannikolaiherbst - Mittwoch, 6. April 2005, 09:55- Rubrik: Rezensionen
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
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April 2005
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/08 14:34
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