[Zur Erholung zwischendurch: Stefan Wolpe, Erste Sinfonie.]
Was ausgerechnet Die Dschungel derzeit tun, hat einen ziemlich perversen Witz: Sie hören sich im Internet durch die Charts, weil das Eingangskapitel von “Skamander” im SILBERSTEIN spielt und also musikalische Untermalung braucht. Im Text führt das zu mitunter komischen Konstellationen (weil zumal die Songtexte oft derart schlecht und, wenn es gut geht, unbeholfen sind); aber sich das Zeug anzuhören, hat etwas von ständigen Ohrfeigen. Unfaßbar, welch schlechte Musik es gibt, Rosenstolz etwa. Das Bedürfnis der Menschen nach banalstem Kitsch muß enorm groß sein. Man kann ihnen das sicherlich nicht verübeln; es fragt sich aber, woher dieser ausgeprägte akustische Masochismus rührt.
Interessant ist dabei übrigens, daß nahezu jede Stimme elektronisch verändert, zumindest aufgemotzt ist. Als genügte das Menschliche, das sich ja durch Gesangsausbildung verfeinern und strahlend kultivieren läßt, nicht mehr. Der Prozeß ist ein anderer als der in elektronischer Musik, auch Techno würde ich (wenn auch ungern) ausnehmen; in diesen Fällen wird ja bewußt affirmiert. Aber im Pop stellt die elektronische Verfremdung den Vorschein von Echtheit her; es soll
natürlich klingen, was höchste Manipulation ist. Das muß den Fans eigentlich bekannt sein. So daß sich nur der Schluß ergibt, daß sie drum bitten, auf diese Weise betrogen zu werden. Von der Primitivität der gesamten Richtung einmal ganz abgesehen. (Rock, Punk etc. war noch als begriffsloses Aufbegehren zu begreifen,als musikalischer, wenn auch nicht künstlerischer Ausdruck von Wut. Pop hingegen ist die Musik des in alles ergebenen Konsumenten.)
Das müßte irgendwie in den SILBERSTEIN-Kapiteln deutlich werden.
Zum Beispiel das hier:
Berlin city girls
Wir rocken den Scheiß, jeder weiß unser Style ist heiß
Berlin city girls
man sind wir smooth, something you can´t touch
und wir sorgen dafür dass ihr klatscht
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albannikolaiherbst - 7. Jan, 10:13- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT