|
|
Ich habe, wie Sie wissen, gegenüber erotischen Texten eine höchste, wenn nicht d i e höchste Anspruchshaltung. Wer sich poetisch in diese Gefilde begibt, braucht sowohl die Kraft der Formulierung als auch eine enorme Empathie; er (oder sie) muß sich selbst gefährden, darf nicht "gesichert" in entfremdeten Termini arbeiten, sondern muß versuchen, ohne Ansehung eigenen Vor- oder Nachteils sowohl schonungslos (mit sich selbst) als auch zärtlich und eben obsessiv sich seinem Stoff hinzugeben, als wäre es eine geliebte Frau (oder ein geliebter Mann). – (...) Es geht ja nicht um i r g e n d einen Stoff, sondern um einen, der uns alle am tiefsten faßt und dessen Wirken letztlich unsere ganze Art entstammt. Damit nicht angemessen umzugehen, ist ein Verrat.
(...)Texte, die sich auf den Sexual-und Liebesakt, gleich welcher Spielart, einlassen, haben das schwierigste, anspruchsvollste aller Sujets... sofern sie nicht auf Konkretion verzichten. Das zu tun, ist ein weiblicher Weg, der Männern, wollen sie nicht heucheln, verschlossen ist. Oder sie sind, wie etwa Proust, mit ungewöhnlich viel Östrogen ausgestattet. Wenn nicht, müssen sie direkt sein - und dann gilt,was ich oben schrieb.
[An eine nahe Freundin.]
albannikolaiherbst - 30. Dez, 10:37- Rubrik: Korrespondenzen
Es war keine Minute zu früh, denn die ersten Arbeiter, auch der Wachschutz stand jetzt, hatten sich an die Maschinen geschleppt; an den Zufahrten gingen die Schlagbäume hoch, hier und da starteten Motoren röhrten donnerte Mahlwerk feuerten sich Schachtöfen auf, über den Essen fackelte gestiegenes Gas. Da waren die Goltz und Borkenbrod noch nicht ganz an den Abhang heran, wurden sofort entdeckt, jemand rief heisere Schreie Bewaffnete rannten Gebrülle Sirene Anruf aus dem Lautsprechertrichter. Doch die beiden hörten das nicht, hörten das Säuseln kleiner lippiger Wellen, die den Sandstrand kraulen. Sie merkten nicht, daß man versuchte, sie noch zu erwischen, wie eine Kettenreaktion kleinster Prozesse lief der Alarm rund um den monströsen Linzer Schlackenherd, lief in Skamanders ohrlose Ohren, und das Ungeheuer, das in der Gestalt einer Kröte vor einem Silo im Unrat schlief, weil ihm das Blubbern angenehm war, und es mochte den faulen Geruch, hob den Warzenkopf, den es streckte, damit es b e s s e r hören konnte. Streckte insgesamt den Körper, um schnell zu sein. Begriff noch gar nicht, da schoß es schon los wie eine Ratte, die wuchs, den nackten Schwanz noch in der Suhle. Skamander wechselte nicht nur Gestalten, nein, auch die Art. Es wuchsen ihm die Zähne, dolchten an den Lefzen vorbei; wenn er aggressiv war, hatte er bohrenden Hunger. Der trieb. Wütend peitschte er den Schwanz aus der zähen Suhle frei, Karnophagen sind intelligenter als Vegetarier, das macht sie furchtbar. Aller Geist ist aus der Mordlust entstanden, Benjamin hat völlig recht. Hohe Kultur fußt auf sublimierten Pogromen, die ihren Endsieg verklären und daran weich geworden sind; sie haben, indem sie sich schlechten Gewissens nicht mehr ihres Grundes entsinnen, ihr aggressives Potential blockiert, weshalb sie schließlich verfallen. Nicht aber Skamander, der zurückkehren konnte und das auch tat, immer wieder, dieser zivilisierte, feinsinnige Mann, als der er, nachdem Ungefugger seinen Adlatus Schulze ihn hatte rufen lassen, nun vor dem Präsidenten stand: aufgeschossen, das Aristokratengesicht eine Spur zu fahl, die Augenbrauen gezupft, an den feinen langen Fingern rechts einen Goldring, ganz außen, und links am vierten das Wappen des Systems, dem er diente. So lauschte er den Worten seines absoluten Widerparts und war bereit, ihnen zu folgen aus keinem anderen Grund, als weil er es genoß, das eigene Prinzip zu pervertieren. Derart kultiviert war dieser Mann.
>>>> ARGO 91
ARGO 89 <<<<
albannikolaiherbst - 30. Dez, 09:35- Rubrik: ARGO-ANDERSWELT
|
|
Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Neu erschienen August 2008
Herbst & Deters - Fiktionäre
Dezember 2004
Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
19 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
31 |
|
|
|
|
|
NEUES
read An - 7. Sep, 02:25
@femme100tetes
Vielen Dank für den aufschlussreichen Kommentar und ich dachte schon Sie wären weg, aber ich will meine ... knotscher95 - 6. Sep, 21:28
also femme, bis zur der stelle wo ...
also femme, bis zur der stelle wo sie stabigabi recht geben - bin ich doch imgrunde auch völlig widerspruchslos ... g.emiks - 6. Sep, 20:34
so, so, liebe dioti ...
... sie würden also niemanden küssen, der nicht bedingungslos ist? ich stehe - lassen sie mich nur noch ... knotscher95 - 6. Sep, 20:23
ach mensch, readAn ...
readAn was meinst du wie ich teilwiese hier an sachen fitzle.
deshalb dachte ich auch anfänglich :
melville ... User Friendly - 6. Sep, 20:09
Herausgekramte, leicht angefaulte ...
Habe ich doch noch eine Kritik gefunden, war von annodazumal 2004, als das Buch auf das Schafott gelegt ...
DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT
ist seit 1547 Tagen online,
zuletzt aktualisiert am 7. Sep, 02:42
IMPRESSUM
Die Dschungel. Anderswelt
Herbst & Deters Fiktionäre
Redaktion:
Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
ViSdP: Alban Nikolai Herbst
Technische Betreuung: Michael Geiger.
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Der Autor diese Weblogs erklärt hiermit
ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen
Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren. Auf die aktuelle
und zukünftige Gestaltung, die Inhalte oder die Urheberschaft
der gelinkten/verknüpften Seiten hat der Autor keinerlei Einfluss.
Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten
aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung
verändert wurden. Diese Feststellung gilt für alle innerhalb
des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für
Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Gästebüchern,
Diskussionsforen und Mailinglisten, insbesondere für Fremdeinträge
innerhalb dieses Weblogs. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige
Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung
oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen,
haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde,
nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung
lediglich verweist.
|