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Dem Interviewer, der mich wegen des verbotenen Buches nach meinem Machismo befragt, auseinandersetzen, daß der ein reiner, wenn auch maskierter Feminismus sei. Einer nämlich, der Frauen l i e b e.
(LXVII)
albannikolaiherbst - 4. Aug, 20:05- Rubrik: Paralipomena
Und in die Hölle, ganz ergeben, zurück. Es trug mich die Sprache durch beides. Benommen tauchte ich aus dem Buch. Doch noch immer läßt das Wasser nicht los.
[Robert HP Platz, 1. Streichquartett.]
1
Ich sitze im Park auf einer Bank, mir im Rücken die abfallende Weinbergstraße, neben mir drei Obdachlose, die sich erstaunlich gebildet in meine Lektüre hinein unterhalten. Es riecht nach Bier. Es riecht nach Gras. Eine noch sehr jugendliche Frau legt sich mit allem, was sie anhat, in das von Kleinkindern durchwuselte Wasserbecken. Manchmal trägt ein Vater, die Hosenbeine hochgekrempelt, sein Kind dazu. Die Sonne scheint kräftig, ich habe das T-Shirt ausgezogen und neben mir über die Mittelstange des Fahrrads ausgehängt, habe auch meine Hosenbeine bis über die Knie heraufgezogen, bin aus den Schuhen geschlüpft, bekomme staubig schwarze Füße, überall, nicht nur an den Sohlen, zwischen den Zehen, auf dem Spann. Nachdem ich meine Füße abgeklopft habe, um sie einigermaßen rein zurück in die Schuhe zu stecken, hab ich schwarze, klebrige Hände, das b l e i b t die Stunden nachher so, auch der Schmutz unter den Nägeln.
Er preßt die Knie zusammen, er schwankt, er muß sich anlehnen. Fuß für Fuß rückt er nach hinten, wo er die Wand vermutet, ganz langsam, vorsichtig. Der Offizier springt auf, er schreit, „don’t move“ und dann „let’s go“, leise, brummig. Es trifft ihn in den unteren Rücken, ein scharfer Doppelstich, zwei Schläge auf einmal, rechts und links neben der Wirbelsäule, er kippt nach vorn, dann einer in den Bauch, direkt unter die Rippen, er kippt nach hinten, das Gesicht vor seinem Gesicht ist breit und rot, er kennt es, es sind seine beiden MP’s, sie sind bei ihm geblieben. *** keucht nur, er krümmt sich und hustet und muß nicht mehr pinkeln.
2
Mit den Wespen, während ich über eine Eidechse lese, und Gottfried Keller fällt mir ein...
Ich hielt mich reglos und mit lindem Druck
Fühlt ich den leisen Puls am Halse schlagen;
Das war der einzige und schönste Schmuck,
Den ich in meinem Leben je getragen!
... mit den Wespen also zu Mittag gegessen, im Pratergarten nun, Kastanienallee, das Praterbier vor mir, mein Gesicht in das Buch gesenkt, die schmutzigen Fingerkuppen stempeln immer wieder das Papier, man wird identifizieren können, wer hier das Paradies nach einem mißglückten Selbstmord betrat (junge duftige Frauen, ein Schwarzer, der die langen Holztische unter den Kastanien leert, pesende Kiestrittchen von Kindern).
Betäubt schiebt sich *** durch die Erd- und Kunstfarben, den Chor aus harschen Sprechlauten und jammernden Singstimmen, die fließenden Körper, vorbei an aufgesperrten Kammern, herabbaumelnden Warengirlanden und vollgestopften Behältern, Körbe, Regale, Holzfächer, Metallkessel, Vorratsgläser, Säcke, Kisten, Plastikwannen, eine Höhlenwelt voll Reichtum und Rauch, Essen und Musik, Kitsch und Rausch, der Souk, die dunklen Eingweide der Stadt, ihre prallen Adern, ihr dumpfer Puls.
3
Es ist Abend geworden. Der Pratergarten hat sich gefüllt. Ich schaue auf. Bin ertaubt fast, notiere automatisch ein paar Zeilen, ein paar Zeilen ins Buch, automatisch, ins Innencover, wie immer, in mein Notizbuch, automatisch, in den durchlaufenden Text des Romans, lese den Vorspann erneut, sehe meine unterdessen zur Gänze schwarzen Füße, überfliege abermals das grandiose, von nahtlosen Schritten rhythmisierte erste Kapitel, radle dann heim, setze mich noch vor der Dusche an den Schreibtisch, formuliere und höre immer wieder dieses lả ilảhe illallảh...
[Es gibt Zeitungen, die es nicht schätzen, wird vor Erscheinen einer Rezension bekannt, wer welches Buch bespricht. Darum hier kein Wort, um welches es sich handelt. Darum sind die Zitate noch nicht ausgewiesen. Hat mein Text in der Zeitung gestanden, werde ich diesen Eintrag revidieren, bzw. ergänzen.]
albannikolaiherbst - 4. Aug, 19:33- Rubrik: Arbeitsjournal
Das ist – zumal bei diesem Wetter – eine der Privilegien meines Berufes. Ich schließe also gleich die Weblog-Sitzung für ein paar Stunden, begebe mich mit dem Buch hinaus und werde wohl die knapp 160 Seiten bis heute abend ausgelesen haben. Leider flattern mir solche Aufträge nicht mehr oft ins Haus, seit sich herumgesprochen hat, daß ich keine Verrisse schreibe – oder nur dann, wenn es um eine eindeutige poetologische Positionierung geht, also um Kampf. Den tut jemand, der auf sich hält, namentlich jungen Autoren nicht a n. Und auch nicht denen, von denen er von vornherein weiß, anderer poetischer Meinung zu sein. (Es sei denn, sie bestimmen, etwa wie Härtling, machtpolitisch das Geschäft.)
Deshalb habe ich es mir zueigen gemacht, Rezensionen von Büchern nur dann zu offerieren, wenn ich sie kenne, wenn zumindest die ersten 20/30 Seiten mich hineingesaugt haben. Die Marktwirklichkeit will es aber, daß es dann meist zu spät ist und der jeweilige Auftrag oft schon vor Monaten vergeben ist, weil Kritiker es lieben, Verlagsprogramme zu fleddern. Wer da nicht mitmacht, sondern seine Stimme nur dann erhebt, wenn er weiß, auch etwas zu sagen zu haben, wird schließlich damit entgolten, daß er kaum noch um etwas gebeten wird.
albannikolaiherbst - 4. Aug, 12:01- Rubrik: Arbeitsjournal
die meisten sachen im leben sind sehr langweilig,
weil ihnen das moment der überraschung so fremd ist wie einem fisch
der angelhacken.
[Ein Vertipper? Aber Die Dschungeln lassen ihn, den Vermeintlichen, wegen des widerhakig zutretenden Doppelsinns stehen.]
albannikolaiherbst - 4. Aug, 11:15- Rubrik: Korrespondenzen
[George Antheil, 1. Sinfonie.]
Eine fantastische, verlorene. Denn im Lauf der Ermittlungen stellt sich heraus, daß er, der Dichter – er sei hiermit Hein genannt – es d o ch war... nein, nicht er, aber ein Taucherflossen-Hyde in ihm, von dem der poetische Jeckyll-Hein bei Tage nichts weiß. Aber dann findet er Spuren, ja, er selbst, es riecht verdächtig nach Gummi im Keller, morgens erwacht der Mann mit Talkum an den Fingern, womit man bekannterweise nicht nur Haut, sondern auch Tauchflossen schützt. Also fährt er persönlich zu der Bank, bei der der Betrüger in ihm das Konto eröffnet hatte... und hebt das Geld ab. Hein muß nur vor dem Automaten stehen, schon fällt ihm die Geheimnummer ein. Ihm ist schwindlig, er sieht fassungslos auf die Scheine. Als er die Bank verläßt, wird er verhaftet.
So weit, so schlecht. Das Problem, das für ein psychologisches gehalten werden könnte, entsteht indes eigentlich erst dadurch, daß Hein, kaum ist er in der U-Haft eingeschlafen, bei sich Zuhause erwacht: zerschlagen und noch die schmerzenden Spuren der Handschellen an den Gelenken. Da er die Angelegenheit schon deshalb nicht für einen Traum halten kann und sowieso moralisch hoch bewegt ist, begibt er sich umgehend ins Gefängnis zurück, wo man ihn sofort wieder in Gewahrsam nimmt. „Wie bist du hier herausgekommen?!“ Ein derber Stubs, man stößt ihn, findet er, ganz berechtigterweise in seine Zelle zurück. Doch abermals erwacht er Zuhause, jetzt schon etwas verärgert. Daß er bei seiner abermaligen Rückkehr ins Gefängnis zu sagen wagt: „Nun passen Sie doch besser auf mich auf!“ bringt ihm den dauernden Groll des Personals ein. Was jedoch weder diesem noch ihm selbst etwas hilft. Denn wieder... –
Hein ist nicht dumm und kann erkennen, wann etwas ausweglos ist. So daß er seinen Hausstand auflöst, sein eigenes, tatsächliches Konto räumt und seinem Arbeitgeber ein Kündigungsschreiben skizziert, das er auf dem Weg zum Flughafen – zwischenzeitlich hat man ihn noch dreiviermal wiederverhaftet und ins Gefänggnis gesteckt; er nimmt diese Unterbrechungen mittlerweile mit melancholischer Gelassenheit, wenn nicht sogar gelangweilt hin – in den Briefkasten wirft. Nach einem etwas längeren Flug läßt er sich in Venezuela nieder, Spanisch spricht er ja. Und die Kontakte seines inneren Hydes zu russischen Schieberorganisationen funktionieren auch hier. Nun zögert auch der Hein in ihm nicht mehr, sie in Bewegung zu setzen. Denn seinem Schicksal – so es eines ist - entgeht man nicht.
(Soeben ruft mich der nun bereits vierte fast-Geschädigte an, es sind alles Händler, die aber wohlweislich n i c h t bezahlt haben, sondern sich bei mir, dem vorgeblichen Verkäufer, rückversichern wollen. Gregor in der Besprechung gestern: „Ach, kümmer Dich gar nicht mehr darum. Sag jedem Anrufer, er soll Anzeige erstatten. Und Punkt. Lästig, aber mir zu dumm, um da überhaupt tätig zu werden.“)
[George Antheil, 1. Sinfonie. --- Nee, das mach ich wieder aus, ist mir zuviel belangloses Musikgetüddel.]
albannikolaiherbst - 4. Aug, 10:59- Rubrik: Arbeitsjournal
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Neu erschienen OKtober 2008
Neu erschienen August 2008
Herbst & Deters - Fiktionäre
August 2004
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NEUES
k-gruppeggr (anonym) - 2. Dez, 05:38
aus den kontrollmechanismen auszubrechen, ...
aus den kontrollmechanismen auszubrechen, das ist doch die essenz.
fragt sich bloss wie das geht,
das ... albannikolaiherbst - 2. Dez, 05:28
Aufräum- und Strukturierungsjournal ...
4.59 Uhr:
[Am Terrarium.]
Pünktlich auf: Äußer(lich)e Strukturierungsaktionen wirken auf mich sofort, ... Reh Volution - 1. Dez, 23:38
gloria kennt die musik
sie summt ...
gloria kennt die musik
sie summt traurig
mit den fischen
vom los des lassens Bramann (anonym) - 1. Dez, 23:31
Wo bleibst Du?
Gloria, wo bleibst Du? Gähn. Reh Volution - 1. Dez, 23:23
telegramm eines aus der furche gekommenen ...
blasenfische
durchkämmen die strähnigen
maschen des drahtmannes
ein vogel schlingert am schillernden ...
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