Erster Produktionstag. Aus Köln.
(Briefe aus Catania)
Den für 49 Sendeminuten riesigen Text unter Zenkes (wie immer vorsichtiger) Supervision sehr schnell, akzentuiert, rhtyhmisierend gesprochen. Paar Verhaspler und dann zu begreifen, es sind die Sprachen, die sich nicht einfach so aufeinandercollagieren wollen... in diesem Fall das Italienische und Englische, die, versuchst du, zwei solche Wörter in unmittelbarer Reihenfolge zu intonieren, sich unerwartet synkopenhaft zieren... was heißt "zieren"?!: sich w e h r e n. Mein Deutsch als begütigender Adapter war ja nicht da bei den beiden, sie mußten s o miteinander auskommen. Und das wollten sie halt dreimal nicht.
Dann die Montage, der Bellini sitzt, saß von Anfang an, der Berio sowieso, aber das wußte ich voraus. Daß aber Stravinskis Persephone solch eine leitmotivische Schärfe entwickelt, hat mich völlig überrascht... und zwar so sehr, daß ich nixcht einmal daran gedacht hatte, mir eine Aufnahme für hier zu besorgen (völlig untypisch für meine sonstige Arbeitsweise). Nun erweist sich das wieder als Glück, denn das Archiv des Deutschlandfunks hat eine Einspielung unter dem noch s e h r jungen Nagano: Man fliegt aus dem Regiestuhl vor Intensität.
Das alles jetzt mildern, dämpfen, hauchen... angedeutet unter die Sätze legen, fast nur ahnbar, kleine gute Verschiebungen der Wahrnehmung. Die Intensität bleibt dennoch erhalten: wie bei guten Musikanlagen, die, um sich zu entfalten, nicht "drücken" müssen. (Nur die Caballé hab ich einmal ins Stück tönen lassen, ihr aber die Locken weggeschnitten. Mi scusa, Signor Bellini.)
Und es zeigt sich wiederum, daß nicht die theoretische Vorgabe (mein Typoskript) das Kunstwerk schafft, sondern es sucht sich seinen Weg auch aus der Praxis: Sprechverhalten und formales ästhetisches Denken führen zu einer nicht-notierten, aber leitenden Verschränkung des Stücks.
Einer eher müden Toningenieurin, die, glaub ich, noch nicht weiß, was wir da produzieren, und bisweilen die Regler vergißt, zur Seite steht die "plietsche" Technikerin, die oft so sehr voraus ist, daß ich mein Tempo halten kann. Ich arbeite fast nur mit i h r.
Von dreißig Seiten sind jetzt zehn, allerdings grob, "im Kasten".
Den für 49 Sendeminuten riesigen Text unter Zenkes (wie immer vorsichtiger) Supervision sehr schnell, akzentuiert, rhtyhmisierend gesprochen. Paar Verhaspler und dann zu begreifen, es sind die Sprachen, die sich nicht einfach so aufeinandercollagieren wollen... in diesem Fall das Italienische und Englische, die, versuchst du, zwei solche Wörter in unmittelbarer Reihenfolge zu intonieren, sich unerwartet synkopenhaft zieren... was heißt "zieren"?!: sich w e h r e n. Mein Deutsch als begütigender Adapter war ja nicht da bei den beiden, sie mußten s o miteinander auskommen. Und das wollten sie halt dreimal nicht.
Dann die Montage, der Bellini sitzt, saß von Anfang an, der Berio sowieso, aber das wußte ich voraus. Daß aber Stravinskis Persephone solch eine leitmotivische Schärfe entwickelt, hat mich völlig überrascht... und zwar so sehr, daß ich nixcht einmal daran gedacht hatte, mir eine Aufnahme für hier zu besorgen (völlig untypisch für meine sonstige Arbeitsweise). Nun erweist sich das wieder als Glück, denn das Archiv des Deutschlandfunks hat eine Einspielung unter dem noch s e h r jungen Nagano: Man fliegt aus dem Regiestuhl vor Intensität.
Das alles jetzt mildern, dämpfen, hauchen... angedeutet unter die Sätze legen, fast nur ahnbar, kleine gute Verschiebungen der Wahrnehmung. Die Intensität bleibt dennoch erhalten: wie bei guten Musikanlagen, die, um sich zu entfalten, nicht "drücken" müssen. (Nur die Caballé hab ich einmal ins Stück tönen lassen, ihr aber die Locken weggeschnitten. Mi scusa, Signor Bellini.)
Und es zeigt sich wiederum, daß nicht die theoretische Vorgabe (mein Typoskript) das Kunstwerk schafft, sondern es sucht sich seinen Weg auch aus der Praxis: Sprechverhalten und formales ästhetisches Denken führen zu einer nicht-notierten, aber leitenden Verschränkung des Stücks.
Einer eher müden Toningenieurin, die, glaub ich, noch nicht weiß, was wir da produzieren, und bisweilen die Regler vergißt, zur Seite steht die "plietsche" Technikerin, die oft so sehr voraus ist, daß ich mein Tempo halten kann. Ich arbeite fast nur mit i h r.
Von dreißig Seiten sind jetzt zehn, allerdings grob, "im Kasten".
albannikolaiherbst - 19. Jul, 17:24- Rubrik: HOERSTUECKE
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