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Also der Bundeskanzler... äh? w i e hieß er noch? Egal. Der also geht a u c h hin. Das hat mir ehrfurchtsvoll Karin Graf erzählt. Die sicher mit ihm Häppchen ißt, wenn sie sich treffen, die Mädels und Jungs von der Litte-rate-Tour, um Diener zu üben frei nach Hein (der kriegt bei der Begrüßung wirklich seine Stirn bis ans K n i e !).
Also, es es s o. Da kommen Frau Löffler und Frau Auffermann (diese in gestrickten Nylons, logisch, in halbrot, darüber Rock à la Schotte, so absolut mit einer Sicherheitsnadel den Schlitz zugesichert, daß man an Erziehung denkt... a u c h egal... Wurscht, interessiert nicht, kein Mensch guckt da h i n.... ah!! doch!!!! der Kellner: Er zieht die Augenbrauen zusammen und taxiert. In wieviel Metern Entfernung vom Kanzler seien nun diese beiden zu plazieren? Wenn Sie es näher als 5 Meter an den Gottschalk heranschaffen, dann ruft mich morgen Frau Fischer an, weil sie von Sombart angerufen worden sei, der wiederum... korrumpeldipolter!
(Das Essen jedenfalls ist, vom Preis her zu schließen, sagen wir: Diener-Niveau.)
herbst & deters fiktionäre
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 23:50- Rubrik: DieKorrumpel
"Ob gerühmt oder zumindest als Geheimtip literarischer Genießer gehandelt, ob als stilistischer Stümper niedergemacht, verspottet oder gar totgeschwiegen - Herbst hat mittlerweile eine literarische Handschrift entwickelt, die ihn meines Erachtens zu einer der Führungsfiguren der ästhetischen Postmoderne werden läßt."
Wilhelm Kühlmann in EUPHORION, Heft 4, 2003
Das, lach, rockt.
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 23:37- Rubrik: Rezensionen
Nun wird das so doch nichts mit der Funkarbeit. Jedenfalls muß ich modifizieren. Es war ein langes, für beide Seiten schweres Telefonat. Was der Redakteur, den ich mindestens so schätze wie er mich, mir vorwarf, hatte fast dieselben Implikationen, wie das, was ich vor drei Wochen von einem Agenten wegen DLZI zu hören bekam: Diese Arbeit könne so nicht geschrieben werden, sie sei frauenfeindlich (in beiden, einander nahe verwandten Texten wird die Liebesgeschichte mit einer devoten Frau erzählt), überhaupt sei das nicht Kunst... beide Männer, mit fast derselben Verve und nicht frei von Ekel, schienen schockiert zu sein über das, was ich ihnen vorgelegt hatte. Und ich muß mich fragen, ob ich wirklich einen Weg gehe, auf dem ich schleunigst einhalten sollte, oder ob ich – wovon ich doch überzeugt bin – hier eine Spur aufgenommen habe, die geradewegs in die Gründe dessen hineinführt, was ich die anthropologische Kehre nenne und wovon ich theoretisch bereits einige Male geschrieben habe: etwa über das neue Verhältnis zum Körper als einem zu mutilierenden, wie z.B. bei Stelarc, aber eben auch in der Massenkultur des Piercings und wahrscheinlich auch der Tätowierungen. Hinzutritt die von Bongartz und mir so genannte Perverse Bewegung; auch auf unser Buch war ja auf das heftigste reagiert worden... zu Norbert Wehrs Entsetzen sogar mit Abo-Kündigungen langjähriger Freunde usw usf.
Jedenfalls ist die frontartige Gegenwehr gegen diese Themen und ihre künstlerische, notwendigerweise, glaube ich, manierierte – nämlich ganz bewußt nicht-distanzierte – Darstellung so auffällig wie möglicherweise auch begründet. Ich weiß ja selbst sehr gut, daß man, hat man einmal mit der SM-Szene genascht, nie mehr ganz davon loskommt. Aber ich glaube, daß das gestaltet werden muß.
Für die Abwehr spielt selbstverständlich das bei traditionellen Lesern gehobener Literatur ausgesprochen ausgeprägte Mißtrauen gegen die Neuen Medien eine Rolle, allen voran gegen das Internet. „Briefe müssen abgeschickt werden, man muß auf die Antwort w a r t en, der Absender darf die Antwort nicht sofort bekommen“, wandte mein wirklich innig geschätzter Redakteur ein. „Aber die beiden schreiben einander per Internet!“ rief ich. Darauf er, sinngemäß: „Das Internet taugt nicht für Tiefe. Es ist nur flach!“ – Es hat an diesen Stellen gar keinen Sinn zu argumentieren, die Ablehnung ist irrational und beruht letzten Endes auf mangelnder Kenntnis...aber „letzten Endes“ nur, denn tatsächlich muß ja, um sich aufs Netz einzulassen, so etwas wie Kunstwille mitgebracht werden. Da ist Unsägliches beiseitezuräumen immer wieder, all der „Chat“, die nur-Privatheit, vor allem aber auch eine Sprache, die zwischen Alltagsjargon und Unbeholfenheit hin- und hertrudelt und sich selten bewußt ist, was sie tut.
Ich werde also das Feature auf einen Sprecher herunterfahren und nur erzählen, was der Protagonist beobachtet... nicht aber, was er erlebt. Es wird dennoch eine gute Arbeit werden, aber das, was Foucault die „Überschreitung“ nannte, fehlen.
herbst & deters fiktionäre
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 21:54- Rubrik: HOERSTUECKE
ein- und Telepolis ausatmen.
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 14:50- Rubrik: Links
Schon erstaunlich, mit welch agiler Mischung aus Hochmut, Spott und dominantem Sexismus ich über meine Finanzmisere hinwegspringe... und wie mich geradezu plötzlich die Arbeitslust aus der immer wieder hochsteigenden, wirklich verfluchten Depression herauszieht, so daß ich binnen zweier/dreier Tage eine Erzählung verfasse, dann ein Hörstück bearbeite, Schwarzmitschnitte archiviere, allgemeine poetologische Überlegungen und solche cyberspezieller „Natur“ skizziere... außerdem diese häßlichen Aufschub-Briefe ans Finanzamt, an die Krankenkasse, an den Steuerberater, an die Bank usw. formuliere und schon mal einen Sekt in den Kühlschrank stelle, falls der Gerichtsvollzieher dennoch auftauchen sollte... ah, mein Psychoanalytiker bekommt von mir einiges serviert, das kann ich Ihnen sagen! (Ja, ich h a b einen und werde den Teufel tun, so etwas nicht zuzugeben.) Und dann hab ich sogar einen Brief an meine Mutter schreiben müssen, ich meine, das war von allem das unerträglichste... diese Frau und sei es nur, wie getan, um eine Information bitten zu müssen, es ist wirklich erniedrigend... obwohl ich ihr einiges danke: meine Energie zum Beispiel, meine Disziplin - und natürlich die Frauen, die mich lieben oder bloß mögen oder als ihr Sexualobjekt umschwirren und an denen ich mich an meiner Mutter räche. Knoten.
P.S. 19.6., 0.50 Uhr: Es wäre mir s c h o n lieb, würde die Formulierung begriffen: "als i h r Sexualobjekt"... nicht, daß i c h es nachher wieder bin, der den Machismo (falsches Wort in diesem Zusammenhang) vertritt.
Der ganze Komplex (!!) gehört aber eigentlich h i e r hin.
Und findet hier seine Traurigkeit, da seine Kraft und dort die Semantik.
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 14:28- Rubrik: Tagebuch
Nämlich zu Frauen und Männern. Und nicht ins Tagebuch.
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 14:26- Rubrik: FrauenundMaenner
... gut, hierfür für einen Spinner gehalten worden zu sein; der Auftrag war von der Frankfurter Rundschau gekommen, die den Text so dann nicht akzeptierte. Der Freitag aber nahm ihn. Etwas mehr als zwei Jahre später kam es im "Atamé" zu folgendem Gespräch (Punkt 2), das, wie zu erwarten war, selbstverständlich zu k e i n e m Auftrag führte. Vielmehr sagte mir der designierte Auftraggeber: "Oh, da muß ich wohl besoffen gewesen sein."
S c h o n heftig...
Und nun also... ach, ich hätte mich s o gern getäuscht!:
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ad inf
P.S.: Liebt Europäer. (Und Europa.)
herbst & deters fiktionäre
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 13:27- Rubrik: Krieg

Provokationen 1 ( Projekte der Selbstüberschätzung )
21. Juni, nachmittags: Ich sehe gerade, das "Selbst" stammt von mir. Schade. Und zugleich: Wie bezeichnend! *lacht*
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 13:04- Rubrik: Tagebuch
Was hat ein bloggender Dichter im Sinn? Also abgesehen von der wirklich zweifelhaften Hoffnung, er könne seinen Buchumsatzsteigern? Bekommt er wirklich direkt Kontakt zu dem, was ein idealer Leser ist? Tatsächlich stellt sich in mir das Gefühl h e r... und zwar besonders deshalb, weil die langen Zeiten, die mormalerweise zwischen der Gestaltung einer Prosa und ihrer Publikation aus rein materialen Gründen vergehen, wie bei einem Hypersprung überwunden zu werden scheinen. Selbstverständlich spricht man in einen sehr vollen Raum, aber ebenso selbstverständlich sind die Empfänger so weit wie Sternensysteme voneinander entfernt, und die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu „treffen“, kommt Begegnungen mit Kometen gleich. Und dennoch. Ich schrieb einmal im Flirren im Sprachraum: Wer einen Chat betrete, betrete einen Raum. Den wiederum nannte ich anderswo „unausgedehnt“, also „raumlos“, das heißt: ohne Ausdehnung, was der Definition von Raum an sich widerspricht. Interessanterweise wird der Raum im Cyberspace zeitlich (ganz im Gegensatz zum postmodernen Bezug auf Wagner: „Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit“; er wird ein Nu )– oder, mit Whitehead gesprochen, eine „entity“, ein „Ereignis“. Ich glaube, hierauf beruht die Unmittelbarkeit der Netz-Erfahrung (eine junge Autorin sprach einmal von „Netz-Bürgerschaft“). Hinzutritt, daß man meinen könnte, es würden direkt Synapsen im Ganglion mit dem www verschnitten, was einem wiederum den idealen Leser sich sehr nah vorkommen läßt; er ist nun von einer Vor-Stellung, die objektiviert, in die Gedanken direkt hineingenommen, also subjektiviert worden.
>>>2
herbst & deters fiktionäre
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 12:47- Rubrik: Litblog-THEORIE
Zwischenlilith, 11 Uhr
Seltsam, daß ich seit dem verbotenen Buch, worin sich ästhetische Anstöße wesentlich Anselm Kiefer und Arnulf Rainer verdanken, derart oft mit Bildender Kunst beschäftigt bin. Das hat fast den Charakter eines Paradigmenwechsels; bis auf seltene Ausnahmen war es doch immer Musik, die mir Anlaß einer Erzählung oder Grundlage fomaler Überlegungen gewesen ist. Schon deshalb kann mich der formal restringierte – und restringierende! - Pop nicht erreichen; er kommt strukturell ja nicht über das Reimschema a-b-a-b hinaus. (Ob sich ABBA d e s halb so nannte?)
Nun also abermals Kiefer und abermals eine Lilith, nachdem schon Auf ein Bild von John Collier einer  Lilith gewidmet war. Ich frage mich, was mich an dieser und ähnlichen Frauenfiguren so reizt? Sie sind ja in meinen Texten alle irgendwie miteinander verwandt, ob nun AlmaPicchiola (DOC, 36 KB), ob Lena Ponce, ob Aldona v. Hüon aus dem Wolpertinger. Im verbotenen Buch, meinem vorgeblich realistischsten (ein Link darauf ist mir verboten ), hat sich dieser Typus sozusagen verwirklicht, die Allegorie wurde sozial und Natur, in diesem Roman also Frau. Wenn ich das s o sehe, dann wird A.’s Vorwurf, Irene (die geliebte Heldin des Buches) sei letztlich nichts als eine männliche Wunschprojektion, durchaus stichhaltig. Man darf sie nämlich – literarisch – so wenig realistisch lesen wie Alma Picchiola.
Lilith über Berlin: Dein aschenes Haar.
>>>weiter
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 11:37- Rubrik: Arbeitsjournal
Daß man mein New-York-Buch hier listet, ist nun wirklich fein. (Gesehen bei Debussy zwischen Lilith und Frühstück. Dann mal hinein in den Tag.
P.S.: Ob mir jemand den Freudeanfall verübelt? Lachend: Gaaaaanz sicher.
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 08:05- Rubrik: Tagebuch
albannikolaiherbst - Freitag, 18. Juni 2004, 06:26- Rubrik: Arbeitsjournal
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
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