Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Verbotene Fassung)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007
Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.    Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013
________________________________


 

Durch Wände gehen. Frank Witzels RAF (3).

Die Geschichte der Philosophie ist somit eine Geschichte des Atomismus. Allein der unglücklich Liebende weiß, daß sich alles um ihn herum auflöst und zu nicht mehr faßbaren Punkten zerstäubt. Es handelt sich dabei um kein Trugbild des Herzens, sondern um den durch den Schmerz der Liebe freigewordenen und geschärften Blick auf die Realität. Nicht mehr lange, und ich werde durch Wände gehen.

Frank Witzel, >>>> DEdRAFdem-dTiS1969, S. 364

[Witzels RAF, 2 <<<<]

Traumschiff│Roman │ mare. Die „offizielle“ Verlagsvorschau.





(Erste Doppelseite)
>>>> Zweite Doppelseite)

(Als pdf: mare_Vorschau_Herbst2015_ANH (pdf, 2,525 KB))

(Siehe auch >>>> dort.)

Katharina Schultens‘ GORGOS PORTFOLIO


[Geschrieben für >>>> Volltext,
erschienen in 4/2014.]

wenn ich einen schlüssel hätte der öffentlich wäre und trotzdem geheim
nichts davon funktioniert. auch das hier hat es schließlich nicht

Zum ersten Mal begegnete ich dieser Lyrik im „ausland“ – einer der kleinen, beinah klandestinen Aufführungs- und ja, Uraufführungsorte neuer Dichtung, die wir in Berlin nicht sehr viele, aber doch bedeutend mehr als andere Städte haben. Das Wort „bedeutend“ ist dabei nicht immer, aber doch oft angemessen. >>>> Sabine Scho hatte mich, die dort ebenfalls las, quasi vorher„gewarnt“ und von der, erinner ich mich, „grandiosen Katharina Schultens“ geschrieben. Bei sowas, erstmal, bin ich skeptisch. Dann zog es mir die Schuhsohlen weg, also daß ich nackter Fußsohlen stehen blieb.
Schultens las ein paar der Gedichte, für die ihr im selben Jahr Leonce & Lena zugesprochen worden war, und dann – aus Manuskripten. Es waren sie, die mich derart benahmen, daß ich nahezu kritiklos nur zuhören konnte. So etwas widerfährt mir sonst nur bei großer Musik. Und jetzt sind diese - „Texte“ dazu zu sagen, wäre blasphemisch, ich sag besser gar nix als Zuordnung... - jetzt sind sie erschienen, und ich konnte nach„prüfen“: >>>> Katharina Schultens, gorgos portfolio, Gedichte, kookbooks Berlin, 2014. Und so geht das los:mein projektleiter stützt abends den kopf in die hände reibt
seine wimpern; er habe mich tagsüber verbrannt ohne not
worauf sie, Schultens, indirekt reimt, geschickt in – ecco! - dem Nichtreim auf lots weib. Damit ist dann schon geschehen, was viele dieser Gedichte wesenhaft auszeichnet: der Arbeitsalltag wird transzendiert, und zwar in einem Maß, daß das „verbrannt ohne not“ etwas Leibhaftiges jenseits allen Dahingesagten bekommt. Und über die „o“-Reihungen, die schon im Titel „projekt“ angeschlagen werden und sich über „losungen“ nach „definitionen“ fortsetzen, wird die Präsentation eines nahezzu beliebigen Projektes zur ontologischen Aussage, also einer über das Sein als solchem. Schultens poetisiert insgesamt die mal schicke, mal nüchterne Technokratie, in der telefonierend der Projektleiter leise meine stiefel streichelt. So daß die Poetisierung zugleich eine Sexualisierung ist, zumindest Erotisierung, und dies aber ständig. Zugleich bleibt sie entfremdet, es wird keine Versöhnung hergestellt: der index hat vergessen was sein ursprung ist. Sogar schlimmer: pandora ist ihm kein begriff.
Bei Schultens wiederfindet das poetische Geschehen allein über die perverse Bewegung auf seinen Meer-, damit „Ur“grund: ich trug die stiefel aus meinem büro

wenn ich mich drehte, bohrte ich den absatz
immer genau zwischen die zehen seiner tatzen
Nun ist es schrecklich banal, bei Lyrik von „tollen Bildern“ usw. zu schreiben oder sie gar noch zu loben. Denn abgesehen von den rhythmischen Strukturen wäre ein Gedicht gar nichtohne sie. Vielmehr sind sie überhaupt die Voraussetzung dafür, daß wir von Gedichten sprechen können; alleine gebrochene Zeilen machen es nicht. Sondern Schultens dreht ihre „guten Bilder“ in unversehene Konkretion herum. Ich möchte das ein inverses Abstrahieren nennen. Auch hier führt die Bewegung zum Grund zurück, die Hand auf den realen Tisch, und zwischen den Fingern rieselt die Erde:ein bündel roter trauben eine schale roter augen
die schale ist ein tal. den augen wachsen blicke
Genau hier hätten mindere Lyriker:innen aufgehört und die Claquers gejubelt. Schultens indessen nimmt ihr Bild konkret und setzt fort:sie staksen drauf bestürzt durchs grasDazu eine wie verlorene Absage an den Germanistenfetisch Ironie: –/--/- /- haben wir
als eigenkapitaleinlage mehr als ironie.
Das Fragezeichen freilich, es ist ein bitteres, müssen wir uns denken. Scneller noch erfühlen wir‘s aus der Satzmelodie: Dadurch überträgt sich die Bitternis erst. Das ist kein nur-rationaler Akt mehr. Erst recht handelt es sich nicht um pure Rhetorik; nur dann, wäre das Fragezeichen dahingesetzt worden, ließ sich das erwägen. Sondern hier ist überhaupt nichts rhetorisch, vielmehr alles auf eine kaum faßbare Weise „rein“. Das meint insbesondere die formale Durcharbeitung der Gedichte. Immer wieder war und bin ich versucht, Silben zu zählen, bzw. gegen die Hebungen zu halten. Immer wieder lese ich laut, als Klangstruktur. Immer wieder gerate ich dadurch in eine Spannungsverhältnis zu den hier angespielten und oft fast klassizistisch-streng durchgearbeiteten Semantiken, zum Beispiel in „crude“:sag: wer hat mir die liebe endgültig entschieden
auf die temperatur einer großkatze hochgepegelt
nicht schnurren bloß: ein prankenhieb dein kopf ist ab
ein biss: das war dein leib. du krümelst
Wer hat da nicht „Siehe, dies ist mein Leib“ im Kopf? Um so heftiger die Verbindungslinie: „Sexualität ist kein Spaziergang im Grünen“, schrieb Camille Paglia zurecht. Und auch hier wieder die Bewegung aus dem Bild in die Konkretion: die Krümel sind nicht „bildlich“, sondernich müßte dich mindestens eine stunde lang
in wasser legen, um mein kind einen tag zu ernähren (/ - / -)
Hier wird die Sehnsucht nach Erfüllung zu ihrer notwendigen, das ist entscheidend, nicht Enttäuschung, nein: zersetzenden Einvernahme. Sie wird verstoffwechselt, ist ihr eigenes Ende im selben Moment, als Nährstoff. Was Welt ist, findet bei Schultens ihren Ausdruck, und zwar dort, wo sie uns am entfremdetsten zu sein scheint.
Der, ich sag mal, „lyrische Skandal“, ohne den die Größe dieser Gedichte nicht wäre, besteht nun aber darin, daß jedes Gebilde für sich von enormer Schönheit ist. Zu der gehört, bis auf wenige Ausnahmen, ihre stilistische Vollkommenheit. In dieser Weise, für Kunstwerke der Gegenwart, ist mir das bisher allein bei Ligeti begegnet: Es wird, quasi, von Anfang an nicht mehr experimentiert. Das sind keine Versuche; selbst von hohem „Talent“ - nur! - zu sprechen, wäre eine Blasphemie. Und dabei haben wir es nicht etwa mit einer „hauptberuflichen“ Dichterin zu tun, sondern einer Frau, die ziemlich hart und entschieden nicht nur im „Alltags“beruf, dem einer Managerin, „ihren Mann“ „steht“ (:! ah! diese verräterischen Idiome!), sondern überdies alleinerziehende Mutter eines kleinen Kindes ist. Doch, das gehört hierher. Denn es sagt etwas über lebenswirkliche Widersprüche, die solche Lyrik wahrscheinlich erst möglich machen, ihre conditio sind: über persönlich harte, heftige Bedingungen:wer hat mein zittern mit nur einem schnitt
der quantenscharfen kante von mir abgetrennt
und war nicht seele darin die jetzt schwebt
Zumal „Alltags“- und „Arbeitswirklichkeit“ sehr viel mehr als banale Abläufe meint, sondern durchaus ein ganzes ökonomisch grundiertes Weltgeschehen im Blick hat; auch deshalb ist die Zuordnung „Managerin“ wichtig: Es wird gewußt, und zwar erfahren, wovon man schreibt. Indem Schultens das Persönliche nun aber darauf spiegelt und das global Wirkliche (Wirkende!) umgekehrt auf dieses, ergibt sich ein Prozeß der Wechselwirkung, der seine Transzendierung geradezu verlangt. Es ist eine in diesen Gedichten zugleich feingriffige, wie sehr oft im antiken Sinn tragische: Wonach ich mich sehne, ist das, was es letztlich zerstört. Daher wohl auch dieser ungemeine Eindruck kristalliner Reinheit; noch der Schmerz wird zum Werkstück an der Erfahrung. Nicht grundlos ist ein geradezu unheimliches Gedicht „fatum“ betitelt; ich mag nicht einen Ausschnitt zitieren, und als ganzes wär es hier zu lang. Aber um das Fatale zu bezeichnen, stelle ich wenigstens zwei Zeilen aus dem insgesamt titelgebenden „gorgo“ hier hin:trägt einer sein headset im schlaf
ziehn ihn die kabel zur schlangengrube
Sie können hier auch lesen (und sprechen Sie es bitte!), wie meisterhaft Schultens mit Verkürzungen umgeht, im Übergang von „ziehn“ zu „ihn“, was wiederum die Alliteration von „Schlaf“ auf „Schlange“ ausbalanziert. Oben war es „zittern“ zu „schnitt“, von „quant“ zu „kant“ gefolgt und „scharf“ über, ausgerechnet, „seele“ zu „schwebt“. Es gibt kaum einen Vers Schultens‘, schon gar keine Strophe, der solche Bewegungen nicht eingeschrieben würden. Dies sind die Innenverhältnisse. Die Außenverhältnisse sind sehr oft im ersten Blick die der sogenannten Realität, aber besonders auch der (positivistischen) Naturwissenschaften, mit fast immer gefolgter Transzendierung zugleich ins Persönliche und vor allem Mythische. Wobei es nicht etwa um Überhöhung geht, sondern es ist der Abzug des Konkreten aus einem Allegorischen. So daß, was quasi-analytisch „prism“ heißt, ein also auf ersten Blick technischer Term, bei Schultens zu sogar einem in diesem Fall konkret-religiösen Statthalter werden kann - hier der Sentenz und vergib uns unsere Schuld aus dem Glaubensbekenntnis, aber auf lateinisch, dimitte debita nostra, – um zu schließen:(nobis!) wenn ich niemandem das gerimgste vergebe
und laß mich dennoch nicht allein
Allein in den Gedichttiteln wird solch eine Synthese... nein, nicht bloß angestrebt, sondern erreicht: „projekt“, „massive attack“, „gorgo“, „prism“, „fatum“, „insider trading“, „dysprosium“ usw. Es lohnt sich, die Titelbegriffe nachzuschlagen, wenn man sie nicht zuzuordnen weiß. Etwa hysteresis, für mich ein Herzstück dieses Gedichtbandes, wobei Herz immer auch Kleist meint: „Küsse, Bisse, das reimt sich“... und Schultens versteht, wie Penthesilea, unter Bissen nicht nur Geknabber. Wobei aller Gedichten Frappierendstes ist, daß sie gar nicht spezialgebildet daherkommen, noch solch „Experten“wissen verlangen, um ihr radikales Glänzen zu verströmen. Es ist ein dunkles Irisieren in nur technisch hellem Verlangen. Denn dieses ist zugleich die Versagung des Verlangten. Deshalb können wir mit dieser Dichtung niemals gute Kumpels sein, sondern sie erfüllt uns zwar, gibt uns aber zugleich mit dem Lineal auf die Finger. So daß es oft ausgeführte Doublebind-Strukturen sind, die hier Poetik werden:missversteh meine bilder zu identität
finde mich: bitte finde mich nicht
Aber darin, in der ausgehaltenen Ambivalenz, bleibt es nicht balanziert – schon gar nicht im Sinn einer „harmonia mundi“. Das ist so wenig ein stabiler Orbit, wie die Welt stabiler Ort. Doch anstelle sich in Frustration zu erschöpfen, heizt der permanente, sagen wir, Interruptus das Begehren noch an. Das von Schultens in auch und gerade rhythmisch ständiger Nervösität gehalten wird, in einer nervhaften, sehnigen Spannung, die sich befrieden lassen gar nicht will. Es soll unterm Firmament des Ewiggleichen kein Stillstand sein, den die ersehnte Ruhe bedeuten würde, wär sie erreicht:wir sollten unsre suche in das mondhochland verlegen
wir sollten anerkennen: vor diesem feld kann man nur flüchten
- seltsame erden fürwahr!, in der nur Versagung die Lust erhält, ohne das aber zu betrauern, gar zu bejammern. Sondern mit einer lyrischen Radikalität sondergleichen Hohegesang und Analyse vereint. Daß es bei Katharina Schultens weder poetologisch noch poetisch, noch gar persönlich auch nur die Spur von Banalität gibt, wird sie bei zugleich dieser Formvollendung zu einer der wahrscheinlich bedeutendsten Lyriker:innen unserer Zeit machen, im deutschen Sprachraum jedenfalls unter denen ihrer Generation. Wenn sie es, trotz des bislang vergleichsweise schmalen Werkes dreier Gedichtbände, nicht bereits ist.

ANH
Katharina Schultens
gorgos portfolio
64 Seiten
>>>> kookbooks 2014
>>>> Bestellen.

SENTENCES

ZweiEinsDrei

Wenn du den Vogel in deinem Käfig tötest, bist du in ihm allein.

(>>>.)

T R A U M S C H I F F. Vorab die Fahnen. Bei m a r e.


Die gebundenen Fahnen sind da! (Für Rezensent:inn:en und Veranstalter). Allerdings sind sie noch unkorrigiert. Doch ab Ende Mai wird es auch Leseexemplare, als also fertige Bücher, geben. Wer für eine Rezension oder bei Interesse an einer Veranstaltung solche gebundenen Fahnen oder das Buch haben möchte, melde sich bitte >>>> direkt beim Verlag:

Meine übrigen Leser:innen möchten sich bitte bis zum 11. August gedulden, dem offiziellen Erscheinungstermin dieses Buches.
ANH

Für Slavoj Žižek

Wir reiten - a general joke -
Das Pferd der Geschichte.
Zeus ritt Europa von unten.
Europa meint aber jetzt
Selber im Sattel zu sitzen.

Dear Joseph (XXVI), ...

wenn sie dort oben auf dem Boden im Regen sitzt, dann schaut sie sie sich genau an, hält sie ins Licht und denkt dabei an eine Zeile von Miss TT, einer anderen Textschwester, die sie sofort verstanden und nie vergessen hat:

--> Nachts blühen meine Hände, schrieb sie einmal. Sie wache davon auf.

Ihre eigenen Hände. Ihre riesengroßen blühen jetzt auch. Immer. Fühlen sich grob und rastlos an. Sie will ihn anfassen damit. Will nicht mehr, dass er sie ihr schließt. Will dass er ihr zeigt wie. So wie sich Geschwister manchmal ohne Scheu gegenseitig etwas zeigen, sich einfach die Hand des anderen schnappen, ist eines dem anderen um eine Erfahrung voraus. Oder wie sie es tun, wenn sie sich kabbeln.

Sie will zu ihm gehen. Ihm die Kugel abnehmen. Sie zur Seite legen. Kann doch nicht so schwer sein! Hat doch Kraft! Und doch muss sie deswegen immer aufpassen. Weil er auch groß und grob geraten ist. Obwohl sie sich genau deshalb ja keine Sorgen zu machen braucht ihn zu zerquetschen, wenn sie sich auf ihn legt, um auf ihm abzuhängen. Mit einer Hand seine Brust anzufassen. Sein Herz in die Innenfläche hineinschlagen zu lassen. Ihres zu drosseln.

Koerper

Sie will über ihn gehen. Ihm eine Brust, die in dieser Haltung, der Schwerkraft wegen, zur Zitze wird, in den Mund geben. Stellt sie sich immer vor, wenn sie auf dieses Bild schaut, obwohl sie gar nicht weiß, ob das ein Mann oder eine Frau ist. Auf jeden Fall ist es ein Körper. Vielleicht muss sie heulen dabei. Manchmal muss sie es. Warum weiß sie auch nicht genau. Ist sich nicht sicher. Ist ein unsicheres Wesen. Groß und grob geraten. Wie er. Nur ihre Hände, die sprechen eine andere Sprache. Anders als seine.

Deine Häsin.

Dear Joseph (XXV), ...

… eines jedoch ist sicher, auf Annie ist Verlass, sie meint was sie sagt, selbst wenn sie manchmal den Deckmantel des Scherzes darum legt. Ist dem ganzen Himmelszirkus in gewisser Weise auch nah gewachsen. Schiebt manchmal die Wolken beiseite, um zu schauen ob gerade wieder Jahrmarkt ist. Leider aber wirft sich ihre Witzmaschine immer dann mit Schwung an, wenn es ihr nicht gut geht oder sie müde ist. Sie ist ein Clown, Joseph. Und das ist manchmal auch traurig weil sie dadurch verschenkt, sich ihrer eigentlichen Empfindung entsprechend zu äußern.

Wir äußern uns immer. Aber sie kann natürlich nicht erwarten, dass ihr Gegenüber ein Übersetzungstalent ist und es auch versteht. Oft denkt sie, dass sie es in den Witz überführen muss, um den anderen nicht zu überlaufen, was ihr manchmal recht schnell passiert. Sie komme sich sonst vor wie eine Menschenfresserin. Oder anders ausgedrückt: eine Cyclopin. Eine, der man intravenös den Wirkstoff Cyclopin verpasst hat. Der sich ein drittes Auge auf der Stirn öffnet. Mit dem sie aber nicht richtig sehen kann, weil es doch zu sehr blendet und wehtut. Das sie sich zuhält während sie ruft: Bitte schließ´ es mir wieder! Schließ´ es, denn da ist nichts! Nichts und Niemand.

Sie hat Odysseus, was die Episode mit Polyphem betrifft, auch immer für ein Arschloch gehalten, Joseph. Von wegen Gastfreundschaft und so weiter. Das sei doch seine verdammte Insel gewesen. Und dass sie sich mit einer Cyclopin vergleicht, liegt auch daran, dass sie grobmotorisch ist. Und irgendwie stimmt es, weil ich sie, jedes Mal wenn sie traurig ist, breitschultrig und riesenhaft die Treppe hinaufsteigen sehe, um sich in ihr Regenzimmer zu begeben. Kommt mir dann vor wie Eine, die sich von der Leine gerissen hat. Am Rücken baumelt sie noch. Ich mag sie, mag diese Wesen sehr.

Deine Häsin.

Die Laudatio auf Christopher Ecker


steht nunmehr >>>> dort.

Dear Joseph (XXIV), …

von Anfang an hat er davon gesprochen. Ohne darüber zu sprechen. So fasst keine Hand ans Herz durch Brustkorbs Felsen, Joseph.

Nicht!

Sie verstand es. Körperlich. Stand vor ihm und blickte dabei tatsächlich gerade auf seinen Brustkorb. Nicht weil sie klein ist. Er ist einfach im Vergleich zu ihr ein wenig näher an die Gewölbe des Himmels herangewachsen.

das Soma - der Blick - die Händeberührung - der Kuss - die Berührung der Brust - der Griff ans Geschlecht - die Umarmung – der Körper - das Weichen

Ist ihr zur einzigen klaren Sprache geworden, die sie noch versteht. Alles andere sind Chiffren. Sind Verschlüsselungen. Sind Bilder.

die Rede - das Wort - : der Körper : - die Gewalten in ihm - die Gewalten an ihm

Solche, die reißen.

(Dich einfach kommen lassen. Dann, wenn du bei dir bist.)

In dieser Haltung verbleibend, sehe ich sie. Auf einem Knie abgestützt. Die Kugel im Nacken. Nicht dazwischen zu funken mit sich. Sich nicht mehr bewegen. Sehen wie es unter der Haut zu schimmern beginnt: Steinblau. Schmerzklar.

Warum sehe ich mal ihn, mal sie in dieser Position? Vor mir. Vor ihm. Und wieso sind die beiden nackt, nackt und haarlos, Joseph?

Deine Häsin.

Der Welten unschlüssigste. Witzels RAF, 2.

Diese Hochhaussiedlung, dieser Himmel, diese kahlen Ulmen, dieser Weg in das Waldstück. Was könnte ich den Kindern wirklich sagen? Vielleicht, daß man den Dingen besser keine Namen gibt, daß man die Krankheit nicht Krebs nennt und das Gehen nicht Spaziergang und das Drehen zwischen den beiden Autowracks nicht Spielen und Gernika nicht Gernika und Liebe nicht Liebe und Zukunft nicht Plan und Vergangenheit nicht Erinnerung und Verstecken nicht Verstecken und Nachlauf nicht Nachlauf und Sinn nicht Form und Form nicht Sinn und Sinn auch nicht Sinn und Form auch nicht Form. Nur der Geruch von Zündplättchen. Nur der Samstagnachmittag mit seiner eigenartigen Stimmung, die vom unschlüssig aufgerissenen Himmel kommt und von den verwaschenen Hochhäusern und eben davon, daß es Samstag ist, dieser unschlüssigste aller Tage in dieser unschlüssigsten aller Welten.
Frank Witzel, >>>> DEdRAFdem-dTiS1969, S.72

>>>> Witzels RAF, 3
Witzels RAF, 1 <<<<

XTC

Die Kunst ist zu einem Spiel geworden,
zu einer Ablenkung von der Tatsache
der völligen Zwecklosigkeit.
Einer solchen Kunst Tiefe zu geben, heißt, einem Spiel Tiefe zu geben.
Einem Spiel Tiefe zu geben, heißt, es ernst zu nehmen,
ernst zu nehmen wie das Spiel der Knochen im Etui des Fleisches,
wie den Flügelschlag eines Condors in geölterer Luft.

Dear Joseph (XXII), …

titainō.

Also haben wir viel gesprochen. Es war ein anderer Tag. Anders als sonst.

Du weichst!

Du kennst also eine der Grundlagen des Kampfsports?!

Ja! Kenne ich …


Wir spazierten durch einen Lichterpark. Das war im Februar. Nachts. In seiner Stadt. In der er geboren wurde. Ich sah ihn das erste Mal mit einer Kappe. Er lief mir hinterher. Holte mich ein. Wie Apoll Daphne, dachte ich.

Ich drehte mich um …

Hallo!

Hi!


(Sah ihn lächeln.)

Ich erkenn´ dich doch sofort von hinten!

… nahm sein Gesicht in beide Hände. Und bemerkte dabei, wie ich augenblicklich checkte ob er tatsächlich auch jetzt knielange Hosen tragen würde.

(Sich gegenseitig checken. Abchecken. Gibt nichts Schöneres, Joseph! Sich dann Abklatschen. Schulter gegen Schulter.)

Und nein, trug er natürlich nicht. Auch er bedeckt seine Bilder. Die in meiner Vorstellung immer verschwimmen. Eines aber nicht. Habe es genau vor Augen. Verschwimmt nie in meiner Erinnerung.

Er wüsste sofort welches ich meine.

Ich spreche gern zu dir in Bildern, sagte er einmal. Weil ich weiß, dass du sie verstehst. Er spricht oft in Bildern. Immer dann, wenn wir beide nicht …
Er lief währenddessen recht schnell. Suchend, wo es langgeht. Hat unaufhörlich gesprochen. Anders als ich. Sonst.

Er hat mir unter anderem den Unterschied zwischen Böttchern und Küfern erklärt.

Ich habe ihm was zu Essen gekauft. Mir nur einen Glühwein.

Heute las ich auf Arbeit auf einem Kalender, der in der Küche hing:

Auch wenn dir etwas fehlt,
genieße alles andere.


Ich versuch´s, Joseph.

Ja, das tue ich.

Deine Häsin.

Dear Joseph (XVIIII), ...

vom Ende der Welt zum Plus Ultra. Weil einer kurz zur Säule wurde, dem dafür zu danken ist.

Habe dir lange nicht mehr geschrieben. Und versuche hier wieder in den Fluss zu kommen. Briefe ins Totenreich. Briefe an dich, Joseph. Diesen, der anschließt an meinen letzten.

Ich habe da etwas verknüpft. Und dann einen Mythos gefunden von dem ich nicht loskam und komme. Atlas und Herakles. Der Atlantik und ein Apfel.

Nun frage ich mich: Was denkst du darüber? Über diesen Mythos.

Ich jedenfalls habe seit gestern weiter über ihn nachgedacht. Und du weißt, ich liebe Mythen. Hätte ein Mythologiestudium absolvieren sollen. Aber das hätte mich vielleicht versaut, weil ich sie eben lese, wie ich sie begreife und wahrnehme. 360°. Möglichkeiten. Einmal rund herum. Je nachdem, wo man selbst steht.

Auf einer Hauswand in meiner Straße z.B. ist ein Haltungsverwandter von Atlas zu sehen. Denn direkt verwandt sind die beiden ja nicht. Atlas ist ein Titan. Und der, der das Jesuskindlein auf seinem Schultern trägt, ist ein Mensch und heißt Hl. Christophorus.

Glaube ist die Suche nach einer Haltung. So, oder so ähnlich hat das hier mal Einer im Netz formuliert. Finde ich immer noch gut den Satz.

Haltungen. Darum geht es. Immer. Um die eigene, die anderer, die angenommene, die innere, körperliche. Gehalten werden. Das kann zärtlich gemeint sein oder ganz anders. Bis hin zu Unräumen, in denen deine / meine / ihre / seine Hände nicht mehr existieren, oder nur noch als Phantomschmerz. Allenfalls. Gilt für Jeden und Jede. Und was dann mit dem Körper ist, ist noch einmal eine ganz andere Sache.

Atlas oder Herakles?

Ist eigentlich nicht wichtig, oder? Denn irgendwie gehören die beiden ja auch zusammen. Dennoch finde ich den mit der Kugel auf dem Rücken tendenziell reizvoller. Fühle mich von ihm mehr angezogen. Körperlich. Der Haltung wegen. Besonders aber weil ich mich frage, was denkt er eigentlich, bei dem, was er tut. Und was nimmt er dabei an, während er es tun muss. War ja nicht seine, aus sich allein heraus getroffene, Ent:scheidung. Vereinfacht gedacht ist er ein Schraubstockgewinde, das etwas spreizt. Nämlich auf. An dem gedreht wurde und wird. Die Verkörperung der Distanz. Ein Dis:Tanz. Oder eben ein Kind zwischen Mutter und Vater. Dazwischen gegangen in einer Situation stemmt er ihn von ihr weg. Dabei kann er auf sie schauen, auf ihn nicht. Herakles sehe ich da, wenn ich mir diesen Mythos vorstelle und ihn versuche einfach nur auf mich wirken zu lassen, nur entfernt, irgendwo hinter mir, im Hesperidengarten herumspringen. Zwischen diesen, wie ich sie jetzt seit Berlin nenne, Eichelborntöchtermädchen (Tolles Wort, oder?! Eichelborn ist eine Ortschaft, die auf dem Weg liegt.), die gerade sämig herabgetropft sind und sich noch im Fall zu Körpern gewandelt haben, die da nun, eher wie hingegossen, auf Gaia, in Hebammensprache ausgedrückt: känguruhen (Ist son Bindungsding. Immerhin das! Sonst wären die verloren. Zumindest in diesem Phall.). Auf die er auch schaut. Zumal die, ganz nebenbei bemerkt, alle gleich jung aussehen. Und gleich.

Was denkt er, wenn er auf sie schaut?

Dennoch: Müsste ich mich entscheiden, wie beim Handball z.B., würde ich Atlas auf mein Feld holen. Vom Gefühl her, von der Aufstellung her, wissend, dass das ganz ohne Vorstellungsaufwärmspiel passt. Auch weil sich mein oberster Halswirbel immer mal wieder meldet. Und ich genau weiß warum. Denn ich denke mir das bereits als Frau mit einer riesigen Kugel im Nacken. Ich würde mit ihm spielen wollen. Was reißen. Was denn sonst! Nicht weil’s mir generell ums Gewinnen geht. Das war einmal. In diesem aber Fall schon. Lange her bei mir. Bin nur dann ein guter Teamplayer, wenn es drauf ankommt. Ansonsten nicht. Deswegen habe ich meinen Handballverein damals auch verlassen, weil die sich nicht auf mich verlassen konnten. Ob ich komme oder nicht. War halt Schwimmerin.

Einmal Joseph,

kurz,

Schulter an Schulter. Sich abklatschen.

Dann

Seite an Seite stehen,

sehen wie der Ball… Anpfiff:


Zeit.

Aber so kommt man nicht zur Welt. Kein Mensch. In keinerlei Hinsicht. Und doch einmal. Kurz. Und ich frage mich, wieso ich das so verknüpft habe, nachdem ich das Gemälde Atlas und die Hesperiden von John Singer Sargent sah. Denn eigentlich es sind ja seine Töchter, nicht die des Vaters. Und irgendwie doch. Aber an sich ist es genau das, was ich an diesem Mythos und dessen Abbildungen nachvollziehe. Arg interessant. Für mich jedenfalls …

Auf jeden Fall muss ich jetzt immer, wenn Einer auf Eine ejakuliert, an kleine Hesperiden denken.

Die meisten Menschen reagieren auf Entzug. Daraus kann sich auch eine Autoerotik entwickeln. Atlas als Eros? Nur anders gefasst als bei Platon. Anders als der, der entstand als es trennte. Weltlicher. Umfassender. Geprägter. Vom Kampf. Die Kugel im Nacken.

Von wegen Himmelsgewölbe, Joseph.

Deine Häsin.

Profanierung vs. Hoher Ton. Von Pfaller (5).

Alles, was an den Zauber der Kunst erinnert – das Extravagante ihrer Formen, ihr Glamour, der Starkult, das Ekstatische, Exzessive, Auratische, Überraschende, Hinreißende, Obsessive, das Charisma, die Ansprüche auf Größe und überzeitliche Geltung – all das wird nun mißtrauisch beäugt, wenn nicht bekämpft und aus dem Betrieb ausgeschlossen; ganz so, als hätte man soeben zum ersten Mal in der Geschichte erkannt, daß es sich dabei nicht um Wahrheiten, sondern um Mythen handelt. Die früheren Habitusformen der Kunst werden nunmehr als autoritär und übertrieben feierlich betrachtet, und darum erlebt und feiert man jenes Programm, das der Kunstheoretiker Wolfgang Ulrich unter der Maxime „Tiefer hängen!“ treffend zusammengefaßt und analysiert hat, als eine Befreiung.
(…)
Die Strategie der Postmoderne bestand im Versuch, dem Prinzip der Autorschaft auszuweichen (z.B. durch kollektives Arbeiten oder Publikumsbeteiligung). Denn sie erblickte in der inividuellen Autorschaft eine narzißtische Pose – und Anspüche auf eine selbsttransparente Subjektivität, die durch die Kritiken von Psychoanalyse und Strukturalismus philosophisch überholt schienen (…).
Die Moderne der klassischen Avantgarden (…) hatte jedoch zuvor bereits das Gegenteil bewiesen.; gerade durch indiviuelle Autorschaft wird „kopfloses“ Gestalten (das die Gruppe um Georges Bataille als „acéphale“ bezeichnete) möglich. Zum Autor werden heißt hier daum, sich als Autorenperson auflösen und unpersönlich werden – wie es Giorgio Agamben in einem schönen Essay über das Genie bemerkt hat (…). Wenn man in der Kunst der Avantgarde (selbst) spricht, dann um (von etwas anderem) gesprochen zu werden. Und nur wenn jemand die Rolle des Autors übernimmt, kann das zustande kommen, was Roland Barthes den „Tod des Autors“ genannt hat (…): eine unpersönliche, von jeglicher Individualität abgekoppelte artifizielle Stimme, die (in welchem Medium auch immer) einen bestechenden Text spricht.
(…)
Alles, was einen solchen Effekt erzeugt, was so stark „einfährt“ und spontan den Eindruck erweckt, daß es nur so sein kann, wie es ist, besitzt diese Qualitäten (…) deshalb, weil es „überdeterminiert“ ist: in einem einzigen solchen perfekten Zeichen sind mehrere Gedankenlinien zusammengeführt. Darum sind sie nicht paraphrasierbar – jedenfalls nicht ohne Verlust. Man kann nur der Reihe nach die einzelnen Linien fomulieren, aber dann geht eben das Großartige ihre Kopräsenz in einem einzigen Zeichen verloren.
Der Triumph, den solche Herrensignifikanten auslösen, rührt daher, daß sie mehrere, oft sogar einander widersprechende Bedeutungen in sich vereinen. Sie setzen sich damit, wie es eben die Art von richtigen Herren ist, über alle Regeln hinweg: sie sagen, anders als die Sprache es sonst fordert, in einem Moment nicht nur das eine, sondern auch noch etwas anderes; sie ordnen sich nicht dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten unter und behaupten nicht nur etwas, sondern zugleich auch noch dessen Gegenteil. Sie sind „perfekte Kompromißbildungen zwischen den verdängten und den verdängenden Vorstellungen“ (…).
Wenigstens im Moment blitzt darum in solchen perfekten Zeichen das Totale einer Wuncherfüllung auf, die alle mäßigenden Einschränkungen jeglicher symbolischer Ordnung überschreitet (…): Die perfekten Zeichen erlauben uns eine totale Bejahung (denn mit ihnen sind wir mehr als dafür; wir sind zugleich auch dagegen (…), denn alles, was an einschränkenden Vorbedingungen bedacht werden müßte, kann nun vergessen werden).


Robert Pfaller, >>>> Das schmutzige Heilige
und die reine Vernunft
, S. 243, S. 281-283.

Meerestaufe. Von Ecker.

(...) Schließlich tauchte ich unter, streifte mit beiden Händen Sand von der Haut und hielt dabei unter Wasser die Augen geöffnet: Lichtfächer im Türkis, treibende Algenfäden, die Schönheit der Schattenspiele, ein Krebs mit drohend erhobenen Scheren.
Erschöpft wie ich war, argwöhnte ich, dies alles schon einmal oder zumindest Ähnliches erlebt zu haben, doch das mußte eine Täuschung sein: Niemals zuvor hatte ich mich derart mit Schlamm abgerieben – und nie hatte ich mich nach einem Bad im Meer nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich derart gereinigt gefühlt. Kopfschmerzen und Übelkeit waren verschwunden.
Im Mysterium der Taufe, erkannte ich, verbirgt sich eine tiefe, von geflügelten Sanduhren und Jahrhunderten des Pfaffenwesens fast völlig vernichtete Wahrheit.

Chistopher Ecker, >>>> Die letzte Kränkung, S. 93

Mösenkathedrale (Traum vom 16. auf den 17. März 2015).

>>>> Dort.
 

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