Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Verbotene Fassung)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007
Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.    Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013

Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.
________________________________


 

Abschied. Auf dem Weg nach Fiumicino. (Entwurf).


Die Augen sehen sich noch einmal satt
an den vorübergleitenden Pinien
und an den kaum begradigten Linien
die nur der irdige Süden hat.

Du nimmst den honigen, kiefrigen Duft sogar
der warmen Macchia und sonnenzerspaltenen Steins
und aus den Hütten sich bleichender Säure des Weins
noch durch die verschlossenen Fenster wahr

des Regionale:
da die Kaper an rissigen Mauern
(den Händen gleichend ihrer Bauern),
dort duftet von Zitronen Schale

gelb aus dem ledrigen Grün ihrer Bäume
und dunkel schimmern die hodigen Feigen
noch süß und bereit ins SichNeigen
deiner verfliegenden Träume


ANH, 31.8./2.9.2015
Regionale Orte-Fiumicino/Berlin

Gygis alba. ANH liest aus Traumschiff. Zehnseiten.de, Langversion.





>>>>D o r t.


(11'10'')


ANH spricht Herbsts Kobold Julian an Bongartz‘ Amanda, une Dame Verte.





aus:
Barbara Bongartz
Alban Nikolai Herbst

INZEST oder
DIE ENTSTEHUNG DER WELT
Der Anfang eines Romans in Briefen

>>>> Schreibheft Nr. 58
Jubiläumsausgabe, 2002
Herausgegeben von
Norbert Wehr


>>>> Bestellen.

Abschied von Umbrien. Quatordicesima Ameriana, Flüchtlinge ff und die Literatur. Lunedì, il 31 agosto 2015. Mit einem Postskriptum für Peter Pisa: persönlich (gesondert als Kommentar).


[Traumschiffs Kamintisch,
6.56 h]



Diotima II, mit der Freundin, tippt in ihr Smartphone und kichert
mir in den Wahn|Sinnen: So | kaut der Mann den Salat
So lutscht der Mann an den Fingern
So bricht sich der Mann
(Kapern sind un|aufgegangene Knospen)              
vom Brot                                                                                        

Die Brüste der Béart, Interludio I


Ich werde nicht schweigen | werd‘ beharren
auf dem Protest & der Zärtlich|keit zugleich
Politisch bin ich immer gewesen aber | Gefolgsmann nie
politischer Moden als | 89 die Mauern fielen
sahen wir‘s | wie die Linke Barkeley entdeckte und
emigrierte seelisch | wohin sie seelisch schon immer gewesen
musikalisch | Sie hatte es bloß nicht gewußt noch
wahrhaben wollen | so wie den Fußball (in dem‘s bekanntlich)
ist nur ein Sport | Korruption nicht gibt
noch jemals gab | aber | und wenn schon
jubelt man mit

Der politische Protest muß zugleich ein zärtlicher sein, auch ein leidenschaftlicher. Meine Besessenheiten. Der Eros. Musik. Und die Mauern. Ihnen nachzugehen, gehört dazu, sie nachzuschreiben
aber zugleich
wissen, wo wir in der Welt stehn
sich fragen: welches Opfer | bin ich bereit
die eignen Vorurteile sichten sie | packen
Vorurteil & Vorteil: Geschwister
Das Persönliche auf das Allgemeine spiegeln,
das Allgemeine auf das Persönliche
sich als Reflex begreifen, der wir sind
wo Es da Ich so | Freud

Dort nun >>>> der inkriminierte Clip: >>>> ANH spricht Fliehende Europas.
(Eine direkte Einbettung krieg ich leider noch nicht hin.)

Seit sechs Uhr fünfzehn über Kriege gelesen und den dort gefunden
als >>>> Kommentar zu den Fliehendenwellen
fliehende Wellen | ich verweigre mich dem Diminutiv
das ling ist heikel selbst in der Liebe
(Manche sagen sogar zur Geliebten | Baby | da schnappt
in mir sich das Klappmesser auf) | So der flüchtende
Ling | So viele Linge! | Tausende Enger|linge
vernichten die Ernte | Es reimt sich zumal auf Ding, das Ling
Hunderttausend flüchtende Dinge -

Gegen Mittag ist hier wieder Sommer | Morgens prickelt
sagt der Freund | auf der Haut die Spätsommerkühle
steht er rauchend vorgebeugt da in der Druckhast seiner Übersetzung
Frühherbstshauche unter den schlagenden
Glocken Amelias | die Loggia die Brust |
Erregung durch eine Erhebung | ich lehne es nach wie vor ab
das Wort Warze wie | Nippel ein Ling ganz genauso
Auffanglager | daß wir Kinder haben | eine Erregung
nach wie vor morgens der Ständer: zeugungswillig Instinkt
sieht schön aus, sehr schön | Nach wie vor: Schönheit
Immer die Schönheit immer | suchen und finden
tatsächlich finden! | Benommenheit und
Schlamm in den Lagern | kein Shampoo ins Meer
„aber was solln wir tun?“ | und bringen den Haß mit
auch | auf den Nachbarn | aus ihnen niemals vergangenen Krals
wie Protestanten aufs Blut zerstritten | einer der andren
Apostat | aufeinandergedrängt in dem Zaunrain
schleichen die Beile nachts um das Zelt
dennoch der Duft Deiner Haut | Wölbung der Hüfte
öffnest Du klaffend, Orfea, den Leib | Orchideenblättchen aus Fleisch
kein Tau ein | Quell -

Regionale um 16.31, Ankunft Fiumicino 18.48 | 20.40 der
Flieger (Boarding 20.10) | Tegel 22.45 | Gegen halber
Mitternacht die Stapel der Post eines Monats
Hätt ich ein Zimmer mehr als nur eines
ich holte mir einen Fliehenden her (eine
Fliehende a u c h)
(Mit लक्ष्मी reden | Könnten wir nicht | Zumindest ein Kind)

Z w e i Filme gestern gedreht (zwei Clips), um nicht aus der Serie zu fallen
Zwangscharakter, sagte die Löwin
Sowas wie >>>> der Tag 29 stellt mir ein ganzes Konzept infrage
Vorbereitung für >>>> die Premiere am 8.
persönliche Einladungen schreiben
Also den zweiten Clip lade ich gegen Mittag hoch und stell ihn noch vor meinem Aufbruch ein.

Nun noch etwas Béart und noch einmal das Städtchen durch die Gassen hinab zu „meiner“ Panetteria für die allmorgendliche Pizza bianca und wieder herauf, wo der Prosciutto bereitliegt, um sie zu füllen: mit, von Hand, dem Messer geschnitten. Dann wird gepackt.
*


(14.25 h,
knapp vorm Aufbruch)

Noch geschafft: >>>> 32. Tag. Julian. Meiner. An Bongartz' Amanda.

(P.S. >>>> für Peter Pisa)

ANH liest Die Unheil (1992/2005). Tag 31.




aus:
Alban Nikolai Herbst
>>>> Selzers Singen
Verlag Kulturmaschinen 2019

Ein erfolgreicher Geschäftsmann in der dreizehnten Ameriana, der mit Youtube auf einem Kreuzfahrtschiff eine Weltreise antritt. Sonntag, 30. August 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
9.34 h]


Doch, es gab auch Grund zur Freude. „Die Österreicher ticken schon anders als wir, oder?“ triumphierte mit Wiener Zungenschlag die Löwin, nachdem sie >>>> Peter Pisas schönen Text im Kurier gelesen hatte. Aber nicht nur >>>> die Löschung bei Youtube, des 29. Tages, setzte mir seit gestern morgen zu und verdarb mir fast die Lust, die Serie überhaupt noch fortzusetzen; nein, auch DIE ZEIT, auf ziemlich infame, in jedem Fall miese Weise schnaubte ihren Schnodder in meinen Caffè. Unter meiner, aufgrund eines Abkommens mit >>>> Zehnseiten.de, auf der Online-Ausgabe der Wochenzeitung eingestellten >>>> Video-Lesung aus dem Traumschiff hat nämlich jemand als Ankündigungstext folgendes verfaßt:
Ein erfolgreicher Geschäftsmann geht auf Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie der seine Mitreisenden wahrnimmt, schildert Alban Nikolai Herbst in diesem Roman.Diese Information ist nicht nur falsch, sondern soll bewußt diffamieren. Weder war Gregor Lanmeister je|mals, der sterbende Erzähler des Buches, ein „erfolgreicher Geschäftsmann“ - in keiner Weise das, was darunter verstanden wird -; vielmehr war er ein Gauner. Noch erzählt das Buch, jedenfalls nicht in seinem Kern, wie er („der“!) seine Mitreisenden wahrnimmt. Das ist nicht der Erzählgund und -zweck. Nein, Lanmeister stirbt, und das Buch erzählt die Wahrnehmungen dieses Sterbenden, seine, meinetwegen, Visionen. Er beobachtet Mitreisende, aber aus einer schweigenden Entferntheit, die er nicht aufzulösen vermag und lange Zeit auch nicht auflösen will. Und doch erfährt er in seinen letzten Tagen Gemeinschaft. Undsoweiter. Erzählt wird eine bis ins Märchenhafte reichende Sensibilisierung dieses „geworfenen“ Menschen. Was DIE ZEIT dagegen insinuiert, ist, daß hier jemand ökonomisch Privilegiertes abfällig über andere Menschen urteilt. Der gesamte Atem des Buches hat davon nichts, überhaupt nichts. Aber man will, daß es sei, wie man meint, daß ich bin - oder wie man es unbedingt hinstellen will.
Der Haß auf oder die Wut über mich muß schon ins Irrationale reichen, wenn ein in seiner Struktur durchweg liebevolles und zärtliches, bisweilen auch liebevoll-komisches Buch derart weggehackt wird. Kurz gesagt, es ist mies. Merken die Leute wirklich nicht, auf wessen Seiten sie sich damit stellen? Nein, zerrend und zerrend rumpelstilzen sie sich lieber das Bein ab, der Wahrheit, als von ihren Vorurteilen zu lassen und vielleicht einfach mal zu sagen: Gut, wir mögen diesen Typen zwar nicht, aber hier hat er etwas geschrieben, das auch uns wert sein könnte. Um dann zu prüfen. Anstelle sofort loszutreten - was mit nur noch einem Bein, die Literaturgeschichte wird‘s zeigen, eigentlich sowieso nicht geht. Man fällt dann nämlich hin. Desungeachtet würde man aus mir auch einen Rassisten machen, selbst wenn man weiß, daß ich das Gegenteil bin. Denn wenn sich ein Vorurteil nicht halten läßt, stellt man die „Wahrheit“ eben selbst her, auch vermittels Lügen. Mauern genügend Leute dran mit, dürfen sie so durchschaubar sein, wie es nur geht; nur noch wenige haben dann ein Interesse an den wirkenden Hintergründen, sondern die meisten greifen zur Kelle noch mit oder rühren zumindest tüchtig im Mörtel.
Ja, es trübte mir den Tag ziemlich ein, auch wenn mich wegen Youtube mein Kampfgeist in der Bewegung hielt. Nebenher kochte ich, der Freund und ich hatten zum Abendessen geladen, und buk zudem ein Brot. Die Gäste schließlich zerstreuten meinen Unmut. Nur daß ich jetzt, von zu viel durcheinandrigem Wein, einige Kopfschmerzen habe. Außerdem will das gelöschte Video noch immer nicht in meine Dropbox hochgeladen sein, wiewohl der Laptop durch die gesamte Nacht rödelte. Ich will aber diese Lesung unbedingt wieder zugänglich machen.
Der Gedicht„mood“ jedenfalls war und ist weg. Ich werde nachher zwar versuchen, wieder etwas hineinzukommen (immer noch sitzt das lyrische Ich in der Loggia zwischen den Frauen, gegenüber dem spöttischen Mann), aber morgen abend reise ich bereits wieder ab: - mit neuen, nächsten Kämpfen erwartet mich, ich spür es in den Fasern, Berlin. Dabei hatte ich so gehofft, mit „Traumschiff“ wenigstens ein Plateau erreicht zu haben, auf dem man mich ein wenig ausruhen ließe; statt dessen hänge ich im Hang wie zuvor. Nein, nicht ganz: Es gab ja gute Stimmen. Ich bin wohl zu empfindlich bei den bösen; mag sein; doch die Kränkungen der vergangenen Jahre haben sich eingeätzt, und man muß nur den Schorf ein bißchen aufkratzen.

Man kann mich töten, nicht aber beugen: Dieses immerhin bleibt.

(11.47 h)
So. Das inkriminierte Youtube-Video des Tages 29 steht jetzt in der Dropbox bereit; einfach >>>> auf den Link klicken. Ich werde es aber gegen Abend noch in einem gesonderten Beitrag annoncieren.

ANHs Stellungnahme zur Löschung des 29. Tages bei Youtube. Bei Youtube am 30.Tag.





Noch ist das inkriminierte Video in die Dropbox nicht hochgeladen; die Netzverbindung ist hier auf dem umbrischen Hügel nicht stark. Sie werden wohl noch bis morgen warten müssen.
ANH, 29.8.2015
Amelia/Tr.


Z E N S I E R T: „ANH spricht Fliehende Europas“. Aus: Thetis.Anderswelt, Fantastischer Roman (1998). Nacht vom 28. auf den 29. August 2015.


Direkte Stellungnahme bei Youtube
jetzt
>>>> d o r t.



Es handelt sich um anderthalb Seiten Romantext aus einem Buch, das in diesem Kapitel die kommende Verelendung großer Menschenmassen vorhererzählt; das immer wieder „apokalyptisch“ genannte Kapitel, quasi eine Allegorie. Ich werde den gestern geschnittenen Clip hier über meine Dropbox zugänglich machen, kann allerdings nicht einschätzen, wie lange es dauern wird, ihn hochzuladen; der Upload ist bereits im Gang. Bitte schauen Sie von Zeit zu Zeit nach.
Zur „Sache“ selbst kann es doch wohl nicht angehen, daß eine ausgewiesen literarischer und überdies mit einem Literaturpreis ausgezeichneter Text unter Zensurmaßnahmen fällt, die allein durch Abweichung von der „politisch korrekten“ Ausdrucksform ausgelöst werden. Die nun geblockte Szene wurde im Clip nicht anders bebildert als durch Abbildung der beiden Buchseiten, sowie, am Ende, des Buchumschlags, und zwar sehr bewußt nur dieses, weil ich das Elend nicht als Illustration mißbrauchen wollte. Aber Mehrdeutigkeiten (etwa durch intentional fehlerhaftes Lesen von Idioten) müssen möglich bleiben, wenn wir die Künste nicht insgesamt aufgeben wollen – Mehrdeutigkeiten gerade auch in der Art, in der die Perspektive gewählt wird, also besonders, für den Roman, auch Rollenprosa, andernfalls jede künstlerische Äußerung zur Harmlosigkeit verdammt würde, zum unverbindlichen Entertainment.
Den eingelesenen Text stelle ich >>>> hierunter in einen Kommentar.

ANH, Amelia/Tr.
29. August 2015


P.S.: Ich verwende hier den Zensurbegriff nicht korrekt; korrekt aber insofern dann doch, als zu befürchten ist, es habe sich unterdessen, so offenbar wie schleichend, auch die staatliche Eingriffsvollmacht privatisiert.

P.P.S.: Ich werde heute den Tag 30 persönlich als Stellungnahme auf den Vorgang einsprechen. Mal sehen, ob man auch das zensiert. Den Tag 29 >>>> der Serie werde ich leer l  a  s s  e  n.


Direkte Stellungnahme bei Youtube
jetzt
>>>> d o r t.


Den Fliehenden: Dodicesima Ameriana. Venerdì. 28 agosto 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
8.18h]




Thy soul
Grown delicate with satieties,
Atthis,
O Atthis,
I long for thy lips.
I long for thy narrow breasts,
Thou restless, ungathered.

Pound, Ίμερρω

50 Leute erstickt im LKW | und „bevor“ sagt der Freund
„sie hier ankommen, brennen schon die Lager“
Sie wolln doch nur weg
ihre Kinder schützen, sich selbst schützen
wollen nicht brennen
nicht die Arme finden ihrer Liebsten, beide
einen rechts, den andren links am Weg mit drei
weggeschnittenen Fingern | wollen nicht
hungern nicht | gekreuzigt werden | wollen
nicht die Hunde an den Hoden | die Brüste abgeschnitten
die Vaginen mit der Kacke der Warlords gestopft | wollen
wie My Lai ‘68 nicht | die Handgranate hineingeschoben
nicht zwei Suren mit dem Colaverschluß | geschnitten
in die Wange und die Zunge | herausgeschält aus der Tochter
O Frieden der Mauern | ihn wolln sie nur auch
während im Hintergrund wieder geschachtert um Umsatz
aus Waffen | melden die Schlepper die Fracht
in Brüssel um Klarheit wie Panzer und Brüssel berichtet
Entkerner für Kirschen eignen sich gut für die
Augen | Extraktion
wollen nicht hungern | schon „Wirtschaftsflüchting“
ein Wort für die Gschaftlbarbaren
und in den Städten (in Tokyo gesehen) Städte aus
Zelten | Wellblech in Mumbai (in Bombay gesehen)
Es floriert die Büchsenindustrie

Gestern sagte ich zum Freund, als die Nachricht von den Erstickten kam, „Europa hat seine (ihre?) Mauer gebaut, was wird denn erwartet?“ Nichts läßt das Illegale besser florieren. Ich frag mich, wer da mitverdient. Und hier die Angst um die Arbeitsplätze für
Nichtausgebildete
die doch ganz selbst keinen deutschen Satz fehlerlos aufs Papier bekommen
und erheben sich über das Elend der andern.

Ich war erschreckt, ein bißchen erschreckt, als ich an >>>> Thetis dachte, womit ich es anfing, was ich drin schrieb vor fast zwanzig Jahren, vorhersah „Europa“, hätt ich denn gesehen, wär nicht nur meinem Instinkt gefolgt, der meiner wohl nicht war – was alles längst geschehen | eingetreten was die Welt werd‘ | ward
und hielten mir die Grausamkeit vor | „das darf man nicht sagen!“
sagte J.Sch., „du bist unmenschlich“ und verhängte die Sperre
Maulsperre | kommt sich noch aufgeklärt vor und human
Was ich nicht sehe, das ist nicht
O altes Lied der Satten
War ja weit weg, die Schlachterei | „sind ja nur Schwarze“:
was man freilich nicht ausspricht, nicht einmal denkt aber
fühlt | wie man Frauen wegen der Titten
undsoweiter | „Die Fernsehsendung mach ich doch nur,
weil ich dann“ (der fette Sack) „Frauen bekomme“: | purer O-Ton
anno zwotausenddrei | halb ein Jahr später zerbarsten die Türme
doch nicht seither, vorher schon Grauen um Grauen
Balkan Sudan | fünfhunderttausend Kinder ein Opfer
das Albright bitter sich selbst bracht‘ | (die eignen studierten,
wert das Embargo, an Williams Columbia, hab ich gelesen)
- is‘ auch egal, war nur das Pech und der Teer in der Wolle
die in die Folter voraus|leuchtet: Man kann den IS
kaum unmodern nennen -

Was da in Gang kam | Europa wird‘s zahlen
müssen | so oder so | „so“ meint den Krieg
und die Barmherzigkeit „so“: wenn wir bereit
sind zu lieben | Der nächste Strom wird übern Pontos
fließen, und „Flüchtling“ ist ein Zungenbonbon | Euphemismus
für Unbe|rührbare | Wie
kann ich da ruhig noch | >>>> Steine sehen? | Sehe
„Mauern“ anders | Als wären Menschen frostiger Wind
und wir mit um uns gebogenen Rücken | kauern im Sommer auf Frühling

ANH spricht Mauern Amelias, Nrs. 1 – 3 (2013).






„looming“ (26. auf 27. August 2015).


Ich habe geträumt | sah den Traum
an wie ein Bild, das Gedicht war:

I am looming
I am looming
I am looming


[Bild einer Frau, die eine Tafel hält,
nicht aber Madonna | ‚meine‘ Frau?
]


Ich werde meine Sklaven töten

Das Bild war als Bild ein Vers des Gedichts,
an seiner Realität war nichts zu bezweifeln
doch looming, looming, was hieß looming?

Ich starrte den Traum an | wartend & vor-
herwissend: | gleich kommt der Schuß -
fühllos wartend, nur den langsamen Fluß des Geschehens
sein | Fließendes spürend | und wie ich, was ich so liebte, verlöre:

O wahres Partizip eins! | (‚looming‘ ist ‚webend‘, ‚drohend‘):
Etwas zeichnet sich ab und ich seh es, ja tu es
alleine, indem ich es sehe | seh ich‘s herbei
als ob ich es passiv ersehnte -

als der Schuß f i e l | die Frau fiel
meine? | fiel ich | aus dem Traum
hinauf – aus dem unbewußten Webstuhl des Schlafs
in den aufgewühlten Tag meines Bettzeugs
und sah sofort nach den Sklaven -

Helmut Schulze spricht Vercelli von Joyce.




James Joyce, Giacomo Joyce
(1914/15)



>>>> edition
taberna kritika

Helmut Schulze
>>>> Parallalie

Sit tibi terra levis: Decima Ameriana – alla romana. Geschrieben am Mittwoch, den 26. August 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
9.37 h]

Roma empfing mich vollkommen still
Selbst an Stazione termini gähnten die Binari | halb neun schon war ich da
trat hinaus
Schwüle Wärme, wie erhofft, leichte Wolkenbedeckung zwar, doch schon quetschten Sonnenstrahlen
durch, und auf der Repubblicà nahmen lethargisch die Antiquare das Holz von den Ständen
mein Klima, zumal immer wieder ein Wind von den Bergen herzog
so gut wie kein Verkehr, gut, Römer auch nicht
nur Esquilina schwarz belebt, dreivier Gassenzüge südwestlich des Bahnhofs schwarz wie Paris mit dem einsamen Hadj meines Sonnenbrillenlädchens, der aufsah von seinem Minikoran wie wenn ich ihn störte, Scusisignore, cherco questo modello, essatto questo modello (mein nur noch einbügliges Ochialidelsolegestell ihm zugehalten): Hamma nich: er in den Bart (auch der zu Rot gefärbt, mindestens zweimal schon Wandererkommstdunachmekka)
aber ich lasse nicht nach, fange selbst an zu wühlen: mindestens tausend Modelle, nebeneinander, wie die Ware halt kam, noch in den Päckchen, nur oben je den Deckel abgerissen
inschallah nimmt der den Blick von den Sur‘chen, vielleicht kriegt er mich los, wenn er mir hilft
braucht keine Minute, ecco!
Vier Exemplare such ich mir raus, zwei schwarze für den Normaltag, eine braune, weil meine andre braune auch schon kaputtging, und eine, das nenn ich Snobismus, für die beiden hellgrauen Anzüge
quanto fanno lo stesso come nel anno scorso come sempre dal, almeno, Giubileo – was nu‘ fuffzehn Jahre her is‘ (seither ist in der Stadt nicht ein einziges Pornokino mehr sichtbar, schon gar nicht sind es die Porno-ja!-hallen, in denen die Römer zeitungslesend oder leis diskutierend einherschritten, bevor sie zurück in die Säle flanierten (an den dunkeln Seiten immer einzwei Nutten auf und ab) – immerhin, was die Sonnenbrillen anbelangt: das nenn ich mal Stabilität.
Sind nicht mehr viele drin in dem Päckchen; sie warten alleine auf mich offenbar. Vielleicht klappt es im nächsten Jahr noch einmal, vielleicht auch noch mal im übernächsten. Dann werd ich die Façon wechseln müssen
„Salam“, sage ich, bevor ich gehe, im michWenden
Er sieht verdattert auf, weiß nicht, ob ich eine Übertretung beging, als Ungläubiger, spürt aber auch eine Hand für den Frieden
schweigt
Jedes Jahr ist es so, es sei denn, einer seiner jugendlichen Gehilfen übernimmt den Verkauf
Früher gab es hier mehr arabisch-islamische Läden; die verbliebenen ziehen sich gleich gegenüber der Westmauer des langen, sehr langen Bahnhofs hin und bieten fast alle nur Speisung
Schwarzafrika, mitten drin das kleine gallische Lädchen des Hadjs. Doch wirklich nur drei Gassen weiter ist fast der gesamte Rione chinesisch, auch jede Bar (also jedes Café), was den Espressi aber nichts nimmt, nichts den Cornetti; ich habe eher den Eindruck, sie sind hier besser als in den römischen Bars, vor denen die Touristen sitzen
die es heute auch kaum gibt; sie ballen sich nur, doch selbst da nicht wie sonst in Kilometerlänge, an den dafür sowieso verdächtigen Orten, zum Beispiel vorm Colosseo, wo heute Gladiatoren stehen, die irgendwie keine Zuschauer haben: niemand will sehen, wie sie sich die Arme abhacken, echt niemand. Sie nehmen die Helme von den tiefgebräunten Köpfen und kratzen sich ratlos die Glatzen, sind wiederum davon zu müde, um ihre Kurzschwerter zu polieren, die aber doch in dieser Schwüle ganz bestimmt Rost ansetzen werden.
Ich mußte zum Colosseo, weil ich für mein >>>> ANHsTfT Aufnahmen brauche; irgendwann werde ich in Berlin die AlmaPicchiola-Erzählung einsprechen.
Da grüßt mich ein Wolf, der aus seiner Wasserstele lugt und möchte, daß ich von ihm trinke.
Drei Autos fahren über die riesige Chaussee, unter ihnen ein Bus. Ich habe sie gezählt, war nicht schwer. Am hohen Bauzaun entlang. Roma bekommt eine dritte, man faßt es nicht, Untergrundlinie: LINEA C, bald wird man öfter mal umsteigen können, nicht nur an Termini. (Dagegen an >>> Châtelet zu denken, das sich bei soziologischem Interesse [Pariser Reiseverhalten in den permanenten Völkerwanderungen von aber kurzer Dauer] für lange Expeditionen unbedingt empfiehlt, schon der neuen Ethnien wegen, die dort im Dunkel entstehen).
Vorher war ich auf dem „nuovo“ marcato Esquilino, um nach Tintenfischen zu sehen, auch Austern hätt ich gerne – gibt‘s auch, aber ers‘ma‘ will‘ch wissen, wie lange die Fischstände offen haben (will ja nicht in der Sonne die gärenden Leiber mit mir tragen).
Bis drei, dassis prima.
Der Inder glaubt mir nicht, daß ich wiederkommen will. Fast alle Fischhändler sind hier Inder. Die Gemüsehändler fast alle auch. Hinterm zentralafrikanischen Rand das ganze Reich der Mitte römischer Cafékultur, und Indien gleich an der Mauer. Die Italiener verkaufen in den umlaufenden Hallen vor allem Schuhe aus Neapel um den dreifachen Preis. Ein Schwarzer versucht zu feilschen und rennt sich die Stirn ein. Denn er kann von dem Schuhpaar nicht lassen.

Romas Düfte.
Erwärmte Koniferen. Dazwischen Kernseife, immer wieder. Jemand tritt aus dem Haus, das Kind an der Hand, und riecht nach dieser aseptischen Seife.
Pasticcerie.

Die Bassariden von Henze ab Oktober in der Oper Rom. („ab Oct“ notiere ich und notiere dazu: „in die Gedichte meine Privatabkürzungen übernehmen“, ubw z.B., oder daß ich „Über“ nie ausschreibe, sondern bloß, zweites Beispiel, „Ue“, wenn ich „Übersetzung“ meine; mir selbst sind diese Kurzformen später oft kryptisch); La Traviata in S. Paul‘s Within the Walls; geht aber erst um 8.30 h los, da trink ich schon längst wieder Wein in Amelia
Romas Düfte...

Zum Campo Cestio (L'antico cimitero per stranieri non cattolici), >>>> Helmut legte‘s mir nah, Piramide (halb senkt sie sich in den Friedhof hinein), mit meinem „BIRG“ hab ich die Fahrten von und nach Orte und sämtliche Öffentlichen Verkehrsmittel frei, grad zwei Stationen von Colosseo entfernt, ich erkenne den Platz: hier bin ich früher im Autowühlen immer abgebogen, wenn ich nach Fiumicino wollte.
Acht Autos heute, ich hab sie gezählt (auch unter ihnen ein Bus); immerhin fünf Vespe, aber, romungewöhnlich, nacheinander. - Viereinhalb Touristen in zwei Gruppen. Man erkennt Touristen prinzipiell an ihren Kopfbedeckungen; haben sie keine auf, erkennt man sie an den Shorts unter zu dicken Bäuchen und über zu dicken Beinen. Sie tragen auch gerne Birkenstocks- ob man „Schuhe“ dazu sagen kann, darüber bin ich mir uneins. Aber zu Schuhen nachher eigens noch, ich lache noch jetzt.
Als mir der Engel begegnet, Böcklin über und vor ihm. Zypressen sind unheimliche Bäume, sie zeigen alle zum Himmel, die Krone ist ein Zeigefinger, der mit seinem Duft hinauflockt. Pinien dagegen schützen uns vorm Himmel, passen auf, daß wir im Anblicken Zeus‘ nicht verbrennen. Pinien betten uns den Boden. (Noch ein Bild: Im nun „gesäuberten“ Park der Piazza Vittorio, bei den Chinesen also, allerdings hinter Gattern, schlafend Obdachlose – viele, auffällig viele, ohnedies in Rom. Aber hier hat einer auf dem Rasen ein Bettlaken, ein richtiges Bettlaken, ausgebreitet. Darauf liegt eine richtige Bettdecke, Daunen, bei dem Wetter, und ein Kopfkissen. Und zwischen Laken und Decke, den Kopf auf dem Kissen, liegt er selbst und schläft. Auch ihn schützen Pinien, an deren Stämmen andre Obdachlose, doch auf Pappen, liegen. Ich spür es sofort: Stünden Zypressen statt dessen dort, der Mann wäre lange schon tot.)
Als mir der Engel begegnet.
Ich kannte ihn, eine Frau, herzklemmend schöne Frau. >>>> Isolde Ohlbaum schenkte sie mir, für das Titelbild der Fenster von Sainte Chapelle:


Konnte ich ahnen, daß er mich herlocken würde? Daß sie mich herlocken würde? Ich habe solch eine Grazie nur sehr selten als Steinfigur gesehen, bei Klinger etwa, sonst fast nie: wie die Bewegung Stein ward!
Man kann sich in Engel verlieben. Das habe ich gestern gelernt. Man bekommt sie nicht mehr aus dem Herzen und weiß das. Und man beginnt, traurig zu werden und zu begreifen, was Umumkehrbarkeit bedeutet. Denn ich werde der Frau, die dieser Figur das Modell war, niemals begegnen. Sie ist ja schon tot seit 1895, und vielleicht ist das Urbild ja selbst nur eine anima mea Orfea gewesen. Außerdem gibt‘s keine weiblichen Engel.
Ich liebe diese Sohlen, die Arme, liebe den Schwung der um sich gelegten Flügel. Es ist etwas anderes, vor der Figur wirklich zu stehen, ihrem ungeheueren Eros, als eine Abbildung zu betrachten. Meine Güte, ich habe gar nicht gewußt, was mir die Ohlbaum auf mein Buch geprägt hat, wie präzis sie offenbar wußte.
Ihnen nur ein Detail:


Hätte ich hiervon vorhergewußt, ich hätte doch nie, nie, n i e ! keine zehn Meter davon weg in einen Busch gepinkelt. Gut, es war niemand außer mir da, und außer dem Gärtner, der es nicht anders halten wird, wenn‘s ihn drückt -
Ich hätte weinen können vor diesem Engel, nicht der Pinkelei wegen, die hätt ihn wahrscheinlich sehr amüsiert, sondern schönheitswegen weinen, darüber, daß es so etwas gibt, vor Dankbarkeit, daß ich es sehn darf -
Und es war alles so ruhig.
Abgesehen von den Zikaden.
Sie jubelten.
Der Pinienduft stand in der Luft wie ein verdunstender, mit Weihrauch aromatisierter Honig.
Jenseits der Umfriedung stritten sich Möven.
Immer mal wieder brummte oben ein Flugzeug.
Sogar bisweilen war ein Mopedhupen zu hören.
Manche Verkniffenheiten, Béart, Deiner Lippen.
Du müßtest diesen Engel sehen.
Ich besuchte noch die Gedenkplakette für Axel Munthe und legte ein klitzekleines Steinchen drauf.
Ich war erschrocken, als ich vor August Goethens Grab stand, ich war auch angeekelt, erbost über so viel Unmenschlichkeit. Nicht einmal seinen Namen hat ihm der Schatten seines Vaters gelassen. GOETHE FILIVS steht auf dem Stein PATRI ANTEVERTENS OBIIT ANNOR[VM] XL / MDCCCXXX. „Dem Vater vorangehend“, immer ihm nachgehend -
Wie du hießt, ist uns völlig egal | sei vergessen.
Aber wenn du nach links schaust
tu‘s mal
Vielleicht daß diese Frau, daß dieser Engel, anima mea Orfea – nachts zu dir spricht und du schlüpfst zu ihr unter die Federn? dahin sie den Vater nie nähme? -
soll der bei seinem Gretchen bleiben oder unter der Stilettospitze der Königin von Saba -
autsch
muß zurück zum Mercato, Fisch kaufen, blutigen Fisch kaufen,
küß Dich, Emilyn Story
paß mir auf Böcklin auf, Orfea
ah! nun d o c h etwas Verkehr! - und gut, daß ich im Sommer immer ein Handtuch über der Schulter trage, es duftet so nach meinem Schweiß, eiweißig etwas, drei Piniennadeln haben sich drin verhakt | und ich laß sie

(War noch im Palazzo delle esposizone, banalreligiös überhobener Popkitsch
wär halt auch gern ein Künstler | doch bleibt wasser is‘
David Lachapelle
Erzjackson Michael
paar witzige Schwänze unter der Sintflut, auch diese Stümpfchen von Dicken
fotorealistische Fotografie surrealbombastisch aufprogrammiert
drei Säle voll von diesem Zeug
ich brauchte dringend Blut
dieses Fischblut
und daß die Händler drin | bis zu den grünen Gummischuhwaden waten)

„Wie?! Siebenundzwanzig Euro für acht Austern???“
Er gab mir schließlich drei für drei.

Und dann, noch zwanzig Minuten, dann fährt mein Zug, sah ich

ich lache noch jetzt | einen Priester

dunkel im Habit | im Nacken die Kapuze
saß da und tippte ins Handy
vatikanisches Facebook & Chucks an den Füßen
gelbe, zitronengelbe Chucks -
„shoes are boaring“ las ich in Kapstadt
und sah auf den Knöcheln der Convers den Heilige Stern:
Sacerdoti, dimentichiamo i sandali!


So also nicht nur verliebt in die ruhige Roma, sondern erheitert | verließ ich ihre Pinien.
Schrieb im Zug >>>> dieses Video schon.

Der kleine Wagen brütete auf dem Parkplatz.
Fenster runter. Kurven fahren.

„Ich wollte vor dem Wein zurücksein.“
Der Freund ging, um ihn zu entkorken.

„Wir essen eine Dorada nachher und eine Spigola. Dazu blanchierter Spinat. Und zur Vorspeise Austern. Die Totani hier sind für morgen.“



*


Nun noch die letzten fünfeinhalb Tage:



ANH liest Roma (2015).




[Gedichte ohne Worte, 1]

Keine Ameriana heute. Bin

in Roma.

A.


(Immerhin, indessen, >>>> dieses hab ich noch geschafft.)

Pathos, una volta di più. Nona Ameriana, zur Pivecka ff. Dazu vor Rom: Birgit Koß und die Allegorie. Lunedì, il 24 agosto 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
8.24 h]


Liest du mit, Ansgar?
Pivecka, >>>> Punk Pygmalion, 49.


Der Untertitel täuscht, täuscht vor: Es ist kein Roman in, sondern einer mit Briefen, die aber nicht einmal sein eigentlich entscheidendes sind. Entscheidend – bislang – sind die ineinander geschmiegten Sphären aus Hochprivatem, objektivierend Projeziertem, objektiv Fiktivem und vor allem die Unmittelbarkeit der ins Sofort publizierten Vorgänge – etwas, das Irrtümer zuläßt und literarisch auf eine ganz andere Weise Fallen stellt, als wir es von „normalen“ Büchern gewohnt sind. Hinzukommt etwas erzählerisch völlig Traditionelles, nämlich – Spannung.
Ganz ganz toll, wie Pivecka das hinbekommt, auch den anfänglich eigenen Urteilen (feministischen) unversehens den Boden wegzieht, es zuläßt, daß ihr Boden zittert, zu zittern zumindest anfängt.
Noch weiß ich nicht, worauf es hinauslaufen wird, da ist einige Gefährdung, die andere Leser:innen als ich vielleicht gerade für Sicherheiten hielten, kann sein, in jedem Fall hatte >>>> parallalies Bemerkung recht, man wolle unbedingt wissen, wie‘s weiter- und auch, wenn, ausgehe.
So les ich nun das auf den Stufen:


Aus dem Gedichtmood bin ich grad, doch nicht nur deswegen, hinaus. Der SWR hat für das Traumschiff >>>> nachgelegt. Freilich gilt immer noch das ungesagte Gebot, ein Autor habe sich zu Kritiken nicht zu äußern, sondern müsse stille erleiden (oder, je nach Lage, genießen), was über seine Arbeit gesagt wird, ma tempora mutantur - oder, mit Marx gesprochen, das Netz gibt uns zumindest die Möglichkeit, in die Produktionsmittel mit einzusprechen, und hier scheint mir ein Wort nötig zu sein.
Carsten Otte ist nach wie vor begeistert, enthusiasmiert, das tut wohl; Birgit Koß allerdings, seine Gesprächspartnerin in der Besprechung, keineswegs; fast ist es wie bei einem sehr jungen Mann, dem dauernd die Stimme der Mutter in die Freude hineinfährt, um sie zu dämpfen; fast widerstrebend stimmt sie ihm zu, daß der Roman sprachlich meisterhaft gebaut sei; sie hätte am liebsten auch das nicht, und sie mochte sich nicht einlassen, findet, die Ebenen gingen nicht, letztlich nicht, ineinander, und sie hätte gerne den Focus direkter auf die, so sagt sie, Demenz der Hauptperson gelegt. Es fehlt ihr also die pragmatische Konkretion – abermals: Diktum des Realismus. Für die Schönheiten der Wahrnehmung hat die Frau keinen Sinn, jedenfalls nicht bei mir (ich sah andere Besprechungen von ihr, in denen ist es anders), und eine meiner gewiß allerschönsten Findungen, ist ihr geradezu lästig. Sie will endlich zum Punkt kommen (als wüßte sie, was der Tod ist) und nichts mehr von der zu einer hochagilen, liebevoll spöttischen und rundum selbstbewußten Greisin gewordenen Feenseeschwalbe wissen, die vor allem auch romanstrukturell für Lanmeisters Abschied geradezu notwendig ist. Frau Koß mag die flirrende Auflösung nicht; ausgerechnet da, wo andere nicht mehr aus dem Text kommen, noch wollen, empfindet sie Längen. Interessanterweise bezieht sie sich >>>> auf mein Hörstück, worin sie genau die Konkretion findet, von der ich im Roman gerade wegwollte.Frau Koß‘ Problem mit dem Buch ist, daß sie es als „Allegorie“ liest - „Allegorie“ im banalen Verständnis, nicht in meinem von wirkenden Strukturen, sondern bei ihr, Frau Koß, „steht“ das Schiff für etwas, bzw. „soll“ für etwas stehen. Dabei ist das gar nicht der Fall. Diese Frau braucht einen Interpretationshebel, will nicht mitströmen. Sie muß über dem Text stehen, um sich auf ihn einzulassen. - Kurz, ich wollte und will etwas anderes als sie und habe das geschrieben; ihr aber ist das utopische träumende Moment grundsätzlich fremd. Wohl deswegen wird auch Senhora Gailint nirgends erwähnt, die ich zu Anfang des Buches ja nicht grundlos als Walküre eingeführt habe – ein Hinweis, den es ganz absichtsvoll nur ein einziges Mal in dem Buch gibt. Wer die Geschichte des Kreuzfahrthörstücks in meinen Arbeitsjournalen mitverfolgt hat, weiß, wie sehr ich schon in ihm gegen das redaktionelle Primat des Dokumentarischen angekämpft habe, mehr und minder vergebens.
Seltsamerweise hat mich Frau Koß‘ Ablehnung nicht so runtergezogen wie andere Stimmen (daß der Roman nicht auf die Longlist des Buchpreises kam, hat mir mitten im sonnigen Italien eine ziemliche Depression verpaßt), sondern mich in dem geradezu bestätigt, was ich tue, mir neu das Bewußtsein gegeben, etwas Wichtiges zu vertreten, auch wenn ich damit ziemlich alleinstehe oder den Eindruck habe alleinzustehen.
Es geht ums Pathos. Nur deswegen äußere ich mich heute zu dieser Kritik.
Wirklich schlimm an der Buchbesprechung ist leider die Lesung aus dem Buch. Die Stimme des Sprechers ist erstens viel viel zu jung. Zweitens betont er die Sätze falsch, so daß der Eindruck entsteht, sie hingen nicht wirklich zusammen. Er liest drittens zur sehr nach außen; als Regisseur hätte ich ihm gesagt: „Bitte die Bauchstimme nehmen, sprechen, indem Sie von unterm Herzen die Luft holen, probiern Sie‘s bitte mal.“ Sprich: sein Vortrag hat keinen Klang. Hätte Otto Mellies dies gesprochen oder „mein“ geliebter, die Dichtung hat ihn selig, Peter Lieck, eine ganze Welt wäre entstanden, von der sogar ich selbst mir keine Musik machen kann. Es ist bei dem jungen – oder jung wirkenden – Sprecher keine Empathie. So, wie er aus dem Traumschiff vorliest, bestätigt‘s Frau Kossens reservierte Abwehr, illustriert sie gleichsam. Vielleicht fürchten sich beide vor der Anteilnahme, vor der Bereitschaft, sich einzulassen – womit ich bei eben meinem Thema wäre.
Das deutsche Verdikt der Pathoslosigkeit.
Hitlers Erbschaft, die fast alle bereitwillig angetreten haben, anstatt sie auszuschlagen.
Dabei gibt es ein Bedürfnis nach dem Großen Gefühl, und es wird auch befriedigt, man holt‘s sich – doch aus dem Ausland. Keinem Popstück würde je sein Pathos vorgeworfen werden, man saugt‘s sogar in sich ein, wenn man auch besser Abstand davon nimmt, die unterlegten Texte ins Deutsche zu übersetzen. Auch der Spielfilm lebt vom Pathos. Im Deutschen wird es surrogiert von einer brüchigen fahlen Ironie oder dem „dokumentarischen“ Gestus der „Aufklärung“. Schon Syberberg sah das, Botho Strauss ebenfalls – und schon backte man ihnen Faschistoides an.
So erreichte mich gestern von >>>> Werner Söllner zu den Brüsten der Béart ein Brief, der ebenfalls den Finger auf die Wunde legt, freundschaftlich warnend „Du weißt, was du tust“:
Du schreibst in diesem Manuskript einen sehr hohen Ton und verlangst von Deinen Lesern sehr viel. Wenn sie im Text bleiben wollen, müssen sie Dir folgen, wohin Du sie auch führst. Das Parlando auf manchen Strecken kann nicht darüber hinwegtäuschen. Dieses „eng bei Dir/dem Autor bleiben“ kostet sehr viel intellektuelle und emotionale Kraft. Das ist ein Risiko. Das stimmt, und genau darum geht es, einmal abgesehen davon, daß doch kein Mensch ein Buch lesen wollte, um dem Autor/der Autorin nicht zu folgen. Tut man‘s dennoch, kann man gar nicht anders urteilen, als Frau Koß tat. Bücher, denen ich nicht folgen mag, lege ich beiseite; schon gar nicht schreib ich über sie (es sei denn, ich fände sie gefährlich oder verderblich; das ist dann aber eine politische Frage, bzw. eine der Ideologie).
Der Pathosvorwurf kommt auch von Freundesseiten; eine nahe Freundin schrieb mir „vielleicht etwas zuviel Pathos“, indessen ich denke: immer noch zu wenig, noch immer noch nicht heiß genug in die Sätze gebracht. Ich will ja auch nicht distanziert lieben, sondern will berauscht lieben, rauschhaft. Ich will umfaßt sein, hochgeworfen werden wie Kinder, die dann jauchzen, und wenn ich falle, falle ich schmerzhaft. Auch das will ich nicht mindern. Nichts, gar nichts mindern.
Aber wenn es so denn i s t, daß anders, als ich je geglaubt hätte, sogar das Traumschiff auf Abwehr und Widerstand stößt (mir restlos unbegreiflich, wie man solch einen Text „mühsam zu lesen“ finden kann; ja wie gehen die Leute denn mit Hölderlin um??? den sie doch rühmen..?), - wenn es also denn so ist, nun gut, vielleicht gerät dann wenigstens etwas in die Diskussion, vielleicht bewegt dann dieses Schiff etwas anderes, als ich gedacht habe - aber etwas eben doch. Wenn man sich über das Buch streiten würde, wär ja schon manches erreicht, käme zur Sprache, was weggedrückt wird. Jetzt hoff ich also da hin.

Ach, bin ein Südherz, das leider nur Deutsch spricht und niemals eine andere Sprache so tief sprechen könnte wie dieses; so ist es mir manchmal wie ein Gefängnis, aus dem ich aber nimmer hinauskann, dem ich verfallen bin, weil ich jeden Ameisengang hinter den Wänden kenne und in jedes Versteck hineinsehen kann. Hier, wo mein Temperament sein darf, was es ist, kann ich das nicht. Wo keiner auch nur auf den Gedanken käme, mir mein Pathos vorzuwerfen.
Ich spürte es gestern abend wieder, im italienischen Kreis. Wir sitzen draußen im Rundknick einer Gasse unter der nackten Hauswandlaterne vor einem verborgenen Garten. Die Menschen berühren sich ständig; es gibt keine Kommunikation, die nicht körperlich wäre, nicht sinnlich wäre. Sie fassen die Schultern, die Schenkel der anderen an, der Junge von vierzehn spielt liebevoll mit dem Ohrläppchen seiner Mutter, eine schmale, mädchenhaft wirkende Frau von vierzig umgreift von hinten die Brust erst eines der Männer, dann eines andren, schmiegt ihre Wange an. Schon die Kinder sind so. Auch die Männer streicheln einander. Man dunstet in der anderen Körper und atmet aus ihnen aus – sogar noch, wenn man streitet, und die Streits sind heftig, kurz, dann geht ein Sinnenwind über die Gesellschaft und wärmt sie, und die Leute lachen. Drüber zickzackt ein Fledermäuschen. Der Rotwein sei zu kalt, wird befunden, na jà, aus Plastikbechern: Man findet sich drein, und man trinkt ihn.

Und „natürlich“ wird in der Besprechung wieder auf meiner Herkunft geritten und „natürlich“ unter Absehung dessen, was eigentlich ist; nachgekäut wird munter, ich sei Joachim von Ribbentrops Neffe, einfach vielleicht, weil man‘s so will. Das Darmstädter Echo >>>> formuliert sogar, ich versteckte mich hinter meinem Pseudonym, wie auch Benjamin Stein. Das sind alles ziemliche Unerträglichkeiten. Denn suggestiv wird unterstellt, ich trüge an etwas schuld, das ich verbergen wolle. - Tut mir leid, bin ich nicht, schuldig. Ich bin lange n a c h Hitlers Unheil geboren, trage auch nicht ein Gran der deutschen politisch-menschlichen Schuld seines Volksmordregimes. Ich trage Verantwortung, das allerdings – aber Schuld? Es gibt zu büßen für mich keinen Anlaß, auch nicht durch den Verzicht auf mein Pathos und schon gar nicht wegen meines Geburtsnamens.
Und wer kam zuerst auf den Gedanken, ich sei in Bensberg geboren? Sowas stand nie in meinem Paß. Da stand „Refrath“ drin, auch „Köln-Kalk“ stand mal drin, nie aber, noch heute nicht, „Bensberg“. Damit ging‘s erst vor dreivier Jahren los, nachdem ein Hanserl den Eintrag bei Wikipedia geändert hatte. Egal unter welchem Namen man von mir spricht - wird immer nun Bensberg genannt, bin ich dem Ribbentrop fremder als jemals zuvor, und ANH schließlich auch. Wo‘s sowieso schon, das Ich, schwer hatte und hat, sich anders als über die Dichtung zu wissen, geht nun auch das in die Mündung und verliert sich in der See.


Für Pivecka. Ottava Ameriana: Diotima filia. Am Sonn(en)tag, dem 23. August 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
9 h]

Habe geträumt, doch was,
ich darf‘s hier nicht sagen
(nicht publizieren ungefiltert)
aber gibt einen wunderbaren Gedichtanfang her
Von meinem Machismo wird man wieder mal
sagen: schaut her, so ein Unhold
(Ich entdecke die „|“ als Zeichen für Rhythmen,
was mir immer gefehlt hat: daß die Betonung erkannt wird
etwa Synkopen: Sätze mit Vor|halten beginnen
Erschien >>>> eine schöne Kritik in Wien,
an der mich der Sub|titel begeistert:
ein „fast | fröhliches Buch“ übers Sterben,
und er versteht‘s auch, Herr Ascher (von Poe?),
wie man erzählt und doch nicht verrät,
nicht die Pointen und nicht gar die Fabel,
dabei war der Traum von Zartheit,
ich willenlos selber genommen
als eine, wie ich gern sage, Struktur,
seh noch die , schmeck noch die ,
Reflex auf >>>> Confessio, wie ich jetzt glaube,
fünf vor Mitternacht stand das Ding drin,
der Laptop hatte heftig zu rödeln
kam an die Grenzen des Arbeits|speichers,
lief beinah heiß;
so gingen wir nicht, wie vorgehabt,
in Boccarinis Kreuzgang|kino zu Birdman
und der Freund wärmte sich auf | was vom Vortag
(ich von mittags und Blicken noch satt)
Morgens stehen wir gleichzeitig auf
meist
er an den Tee, ich den Espresso zur Latte (lacht)
über ein „Mor‘ng!“ geht‘s nicht hinaus.
Schon die Stufen und Sinnen | heute kein Pound
sondern die eigenen Zeilen | rechts mit der wellen-
wiegenden Hand in die Luft des Cortiles geschrieben:
so Demeter nahe gewesen, nachdem unsre Einsiedelei
mich beinah schon von den Müttern entfernt hat
Ich dachte den Rückzug, dachte das Land,
dachte Steine, Erde, Holz und wie | Wasser hier
unzivil niemals ein Unglück | geht es daneben
(den Kaffeesatz geb ich direkt auf die Pflanzen)
In Berlin allerdings, bleibt vom Fleisch etwas übrig,
geh ich hinaus nachts und fütter die Füchse;
trotz|dem ist's hier leichter, im Einklang
ein Umklang zu sein: ich spüre Verschmelzung
(nach der, freilich, Erschöpfung, dem Ausbruch,
schwarze Wut als ein Sandsatz gesunken | schmeckt
wenn mit Zucker genügend versetzt | zum Beispiel der
Frauen Blicke: Frauen|blicke zu Männern – Confessio)
Am Katholizismus das Gute ist, daß man ihn umgraben kann;
er wird naß; der Protestantismus hingegen bleibt selbst
nach ausgedehnten Regen ein Sand, dem nichts wurzelt;
er kennt keine Menses: identifiziert | Schuld nur mit Schuld,
nie mit Vergebung zur Welt -

Anders als der Freund (wiewohl er das Buch
nachher sehr mag), find‘ ich, Pivecka fängt
g l e i c h | gut an (gleichgut):
Hängengeblieben sofort, als die zwei Frauen sich über Männer austauschen:
“Wenn ich liebe“, sagte Emmi, „dann interessiere ich mich für alles, was den interessiert, den ich liebe. (…) Umgekehrt gilt das nicht.“ „Wie meinst du das?“ „Sie interessieren sich nicht für das, womit wir uns beschäftigen.“ „Stimmt. Sie interessieren sich für das, was sie aus uns machen können.“ „Pygmalion“, sagte Emmi. Ich mag mir das nicht anziehen (für Regine liebte ich sogar den Klang der Klassischen Gitarre, die mir zu schwach war im Klang, für Do las ich mich in die psychoanalytische Theorie ein, der Löwin folg‘ ich auf Künstlerinswegen, Κίρκη, soweit ich’s vermag, planier ich den Weg und bang jeden Tag um Diotimas Sehnen; nur लक्ष्मी, indes, hielt, was sie rührte, vor mir geheim);
nein, ich mag mir das nicht anziehen;
aber es ist etwas dran.
Manchmal genügt eine Warze, kaum sichtbar;
sehen wir Männer sie doch, sind wir frei -
(: auch dies ein Themenschatten, Béart, meiner Hymnen
- Hymnos, gestern nacht | fiel es mir ein, als ich das Video schnitt
- Hymnen sind diese Verse
(Wer noch wagt sie außer mir?) -

>>>> Pivocka bestellen,
Punk Pygmalion bestellen
„unter dem Schutzmantel der Anonymität den Stillstand aufheben“
muß man sich merken unter dem Wasser,
war es denn nicht ein Seenfrauenmantel?
„Frau Doktor, Frau Doktor, helfen Sie mir | aber so
daß sich nichts ändert“ | erzählte Do und sie lachte
Bodensatz der Wünsche im Kitsch | so die Musik
so auch Adornos Kritik: nach wie vor gültig
(aber gleich kommt das Scherentier wieder mit Zappa) -

Chelebidache >>>> dirigiert rückkehrend Bruckner

und ich, mitdirigierend, geh ans Gedicht:

(Was nicht stimmt | Bei Prosa hör ich Musik
Gedichte erlauben das nicht
aber ich könnte nur das Bild laufen lassen
und meinen Ton hineintun):

ganz ohne Wissen die Jüngre | Diotima II
voll von dem Willen der Mädchen
in denen aus Ahnung die Sonne | warm auf
ging | von ihrer steigenden Macht

(meiner steigenden Nacht:
fast | fröhlich
...)
*

ANH liest Im Wind hat der Abend sein Haus (2008/09).



[>>>> Der Engel Ordnungen.>

Hölder & Heine ODER Susette Gontard und das Fräulein am Meer. Settima Ameriana: venerdì, 21 agosto 2015.


[Traumschiffs Kamintisch,
9.45 h]


Dieses Liebesverhältniß, von beiden Seiten mit
gleicher Leidenschaft betrieben, konnte nicht lange
währen, und Hölderlin mußte endlich auf eine höchst
unangenehme Weise das Haus verlassen, da es der
Gemahl seiner Diotima bemerkte.

Waiblinger, 1831 w.u.

Nun bin ich selbst scardanell -
wie ging das, Freund, so schnell?
Nein, ich stimm in die Klage

der unsren nicht ein, deren Tage
sich selbst von ihren Händen zählen
und das Entferntsein eigens wählen.

Doch stehe nun selbst am Geländer
und sinn in die treibenden Ränder
der Lebenswetterlage

Ich habe keine Frage,
rauche und sehe den Mädchen zu
und liebe sie noch immer

doch wird mein Rücken schlimmer
und möchte seine Ruh.


Hölderlin kam nun nach Weimar und Jena, eben als sich der großen Männer so viele daselbst aufhielten. Er gühte von Ruhmbegier, von Drang, sich auszuzeichnen. Seine vollendetsten Gedichte fallen in diese Zeit. Ein so seltenes Talent, verbunden mit der Grazie seiner Erscheinung, konnte nicht anders als Eindruck machen. Jetzt kam alles darauf an, daß sein Ehrgeiz befriedigt wurde. Wund wie er war, gereitzt und verbittert, konnte ers nicht ertragen, wenn ihm Hindernisse in den Weg traten. Man sagt, daß seine geliebte Diotima durch Verbindungen, die sie mit einigen ansehnlichen Männern hatte, für ihn wirkte. Der edle Schiller hatte ihn äußerst lieb gewonnen, achtete sein Streben ungemein und sagte, daß er weit der talentvollste von allen seinen Landsleuten sey. Er suchte ihm Gutes zu thun, und zu einer Professorenstelle zu verhelfen. Wäre dies geschehen, so hätte Hölderlin einen bestimmten Wirkungskreis gehabt, er hätte sich beschränken lernen, wäre gesund geworden, wäre nach und nach erstarkt, seine geistige Überspannung hätte nachgelassen, er wäre nützlich geworden, und ein Weib zu seiner Seite hätte vollends jede unnatürliche Richtung seiner Geisteskräfte zerstört und ihn gelehrt, wie man leben, arbeiten und sich behelfen müsse, wenn man mit Menschen menschlich leben wolle. Aber Hölderlins unglückliches Schicksal und die Mißgunst seiner Feinde lenkte es anders. Es wurde ihm ein anderer vorgezogen, und er sah sich hintangesetzt. (…)
Diß war ein entscheidender Schlag für Hölderlins ganzes Wesen. Er sah seine besten Hoffnungen vereitelt, fand seinen Stolz, sein lebhaftes Selbstgefühl beleidigt, sein Talent, seine Kenntnisse hintangesetzt, seine Ansprüche als unzulänglich erklärt, und fand sich abermals wieder aus dem Traum einer wirksamen thätigen Zukunft (…) hinausgestoßen.

Wilhelm Waiblinger, Friedrich Hölderlins Leben, Dichtungen und Wahnsinn
Leipzig 1831




(Der Abend, gestern,
bevor wir zur megalithischen Mauer gingen,
die Sterne zu betrachten:
Scorpio & Cassiopeia)

Es ist eine Behaupt-
tung der Menschen,
daß Vortrefflich-
keit des innern Men-
schen eine interessan-
te Behauptung wäre. Es ist
der Überzeugung gemäß,
daß Geistigkeit
menschlicher Inner-
heit der Einrichtung
der Welt tauglich
wäre.

         Scardanelli 1841


Kommentar >>>> D.E.Sattlers, 2004:
Wie Hölderlin : Scardanelli hinten das V von Vortrefflichkeit unterstrich, unterscheidet er hier seine Überzeugung – seine tiefere Einsicht von der allgemeinen, die pragmatischer Konsens einer Welt ist, in der grundsätzlich alles nach dem realen Nutzen beurteilt, so auch das ihr Fremde – Geistigkeit zum Beispiel – nur zu gebrauchen ist als Deckblatt für die geltenden Maximen.



Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

"Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."

Heinrich Heine, 1844


Bevor ich ins Eigene schaue,
Milch ist zu kaufen,
Waschpulver Brot

Morgens die Luft ist schon kühl nachdem sich die Regen
auf die dunklen Steine besonnen, die nachts
wehrlos ausgebreitet (uns gleich im Traum)
liegen: alleine für sich jedes unter den gelben

Lampen: glänzend schimmernde Pflasterköpfchen
Hilfloses Licht, das die Wärme nicht gibt, um das Naß
himmelwärts aus sich auszudunsten; die Stadt
weicht sich nachts auf und bereitet dem Herbst seine Moore -

(fehlen noch die beiden Terzette)

dafür, gestern über den Tag:

(Ich find‘ Deinen Schultern kein Wort,
nicht dem Handwurzelknöchel, der vorspringt.
Nicht dem Zahnweiß, wenn‘s herblitzt und leuchtet
Nicht der Lippenkron‘ und | ihrer Aufrinn zum Steg
Deinen Nasenflügeln nicht,
Béart
Nicht der Hand mir hinten am Schädel,
wie sie ihn um | schmiegt
Denn ob Deine linke | ich weiß es nicht mehr)


Die gewagten Wörter, wie „Aufrinn“, bringen mir Freude
und für die Béart darf man gerne Diotima setzen - anima mea Orfea, wie's in dem Zyklus heißt -

deren Brüste jetzt 18 Seiten haben | ‘s wird
Zeit sie auszudrucken | morgen
musses alles weg

Schießlich, >>>> dies vor Feierabend. Das Blöde war, daß, was ich eigentlich gebraucht hätte, in Berlin auf der Hörstückfestplatte liegt
So behalf ich mich mit wenigen Fotos
Und bei den O-Tönen hab ich getrickst


Nachtrag
Diotima wurde literarisch als Deckname für zeitgenössische Damen
verwendet, denen eine an das antike Vorbild erinnernde Rolle
zugeschrieben wurde.
(Wikipdia)


(17.25 Uhr)
>>>> Daran hab ich fast den ganzen Tag gesessen. (Sauschwer das, Heber, festgeschriebe Silbenzahl und den Sinn in Einklang zu bekommen.)

Und jetzt ans heutige >>>> Video. Aber ich werd' mir allmählich unsicher, ob sich bei so wenig Zugriffen der riesige Aufwand lohnt.

ANH liest Vucciria. Aus: Eine sizilische Reise (1995).



[>>>> Eine sizilische Reise]

In die Erschöpfung/Schöpfung. Sesta Ameriana: Gioves Tag, den 20. August 2015. Immer wieder neu die gehöhlte Hand in das Wasser, das immer durch die Finger zurückrinnt. Nur Tropfen erreichen die Lippen.


[Traumschiffs Kamintisch.
7.50 Uhr]


O lynx, keep the edge on my cider
Keep it clear without cloud

Pound, Canto LXXIX

Müde, mein Puma, des Klagens
mein innerer Puma erheb‘ sich
clearing my cider from clouds
faucht er ins Leere und drückt sich
rück an den Fels, die Ohrn flach am
Schädel Schädel
nicht einen Schritt wag‘ näher!
Der Katz‘ auf den Schwanz treten
wieder
und
wieder
und
sich beschwern, wenn sie zuhaut
solang zum Brunn‘ bis es beißt geht das Tier
so lang um Achtung gebuhlt
„doch würde ein bißchen Respekt ja schon reichen“
O Verschwimmen im Kopf
stundenlang im Kreis gewirbelt
und angeschlagen wieder
und
wieder
mit der Stirn‘s schon janz blutich
kieck maa‘ ‘n Dellrich
Puma? ick lach mir ‘n Rührei
Dit machen wa aus Dir!
Erstes Gebot: sollst nich‘ öffentlich klagen
Zweites Gebot: geh dran unter
Drittes bis zehntes Gebot: Das Flüchtling soll nicht klagen
Das Vergewalt‘gte soll nicht klagen soll nich‘ das Judle
klagen Das Gemobbtle soll nicht Verhöhntle Ausgestoßle
alles dat soll nich‘ klagen Das Hungerndle nich‘ Wir wolln auch
vom Foltern nix wissen, sind schließlich unsre Vabündetn
wollen nix wissen Die Schweine solln die Schnauzen halten,
auf die wir sie schlagen Das sind sie uns schuldig
Da müssen sie wegsehn Könn‘ eh nich‘ mehr kucken
Hübsch, die geschwollenen Augen
Hübsch die gesprungene Braue
Selbstmitleid, alles nur Selbstmitleid:
Der rechte Mensch erträgt, verdammt
Gib mal den Hammer, dem schlag ich das Hirn ein!
Soll endlich schweigen, das Arsch!
Solch eine selbstmitleidige Sau
Kriegts von ers' richtig den Bolzen
Bisse
still is‘
(Wir lieben die Stille
Wir lieben das Schweigen
der uns ergebenen Nichtdenkungsart)
still
still, Puma, still
in dem Blutmatsch
Keep the edge on my cider
Jeder Blues eine Klage, di Lasso:
Hieremiae prophetae lamentationes
Bernstein (Leonard) Symphony Number One
alles Selbstmitleid, die ganze Kultur
entsichert schon selbst die Pistole
Schließlich sind‘s alles nur Bilder
Is‘ ja nur seelisch Hätt doch ‘n annern Beruf
Wen man nich‘ will, der soll abhaun
Zieh Leine Stör nich‘ unsre Schieberkreise
sonst machenwa dich kalt
Sollste maa sehn, wennde nich‘ kuschst
Allet nur Bilder
Alles, Puma, Bilder
Is‘ nur ein Bild, das Messer
schneidet dem Otter den Schwanz ab
bildlich, restlos bildlich
Du bildest das Blut dir nur ein
(It makes you even stronger)
Soll das verdammtnocheins ertragen
Wenn aber eine solche Titten!
klar lad ich die ein
Bloß wag nicht, das zu sagen,
daß ich das gesagt hab
Nie hab ich das gesagt
nich' mal gedacht
Jedenfalls gehört es nicht in
die Öffent
lich
keit Das
machen wir unter uns ab
Wer's ausspricht, fliegt raus:
ab!
sowieso
ab is‘ gut:
alles ab, was nicht paßt
Wir haben das Messer
Wir haben den Hammer

Ach Puma
Ach ihr Höfe
(eben, als ich Milch holen war)
Eine Tür, die sich öffnet
Da siehst du das Gelb
strahlendes Lynxgelb
Leuchtend gelber Stein, mein Puma
Steine, Otter, aus Sonne
Eine Erscheinung in Demetergelb
Eine italische Treppe
Laß dich drum kraulen
Komm, mußt nicht fauchen
Mußt nicht mehr fauchen
Schlaf, Puma, schlaf -


 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this page (summary)

xml version of this page (with comments)

powered by Antville powered by Helma

kostenloser Counter

blogoscoop Who links to my website? Backlinks to my website?

>>>> CCleaner